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Tennisprofi Haas: Viele Verletzungen, viele Verirrungen

Foto: TORU YAMANAKA/ AFP

Karriereende von Haas Beinahe ein ganz Großer

Er war die größte Hoffnung des deutschen Tennissports, er brachte alle Voraussetzungen mit, dauerhaft ganz oben mitzuspielen - aber mit seinem 14. Auftritt bei den U.S. Open geht die Laufbahn von Thomas Haas unwiderruflich vorbei. Nicht nur immer neue Verletzungen haben seine Karriere gebremst.

Die Schulter hat in der Laufbahn von Thomas Haas immer eine große Rolle gespielt. Nicht nur, dass der deutsche Tennisstar dreimal dort operiert und dadurch immer wieder zurückgeworfen wurde. Dass Haas sein beeindruckendes Talent nicht in mehr Erfolge ummünzen konnte, mag auch daran gelegen haben, dass er den Tennissport zuweilen zu sehr auf - eben - die leichte Schulter genommen hatte. Jetzt, mit 33 Jahren, ist es zu spät für den ganz großen Durchbruch. Bei den U.S. Open, die am kommenden Montag beginnen, ist Haas auf Abschiedstour.

Haas war der Sonnyboy des deutschen Männertennis - einer, dem vieles zuzufliegen schien. Ausgestattet mit einer großen Naturbegabung, dazu mit idealen körperlichen Voraussetzungen bedacht. Ein Baum von einem Tennisspieler, wie geboren für die schnellen Beläge auf Gras und auf Hartplatz. Einer, der früh alle Versprechen zu erfüllen schien: 2002 stürmte er bis auf Platz zwei der Weltrangliste nach oben. Haas war der legitime Nachfolger von Boris Becker und Michael Stich. Einen höher veranlagten Profi hat Tennis-Deutschland seitdem nicht mehr gehabt.

Haas hat die Zeit genossen, auch die Privilegien, die die Berühmtheit mit sich brachten. Zeitweise gehörte er zum Jetset, kein introvertierter Tennis-Arbeiter war er, sondern ein Strahlemann des Sports. Die Boulevardpresse stand Schlange, notierte seine Beziehungen zu Sandy Meyer-Wölden (heute die Frau von Comedian Oliver Pocher) und Giulia Siegel. Der Beruf des Tennisprofis war nicht immer das Wichtigste im Leben von Haas.

Für einen neuen Tennishype in Deutschland hat es nie gereicht

Auf die Rückschläge, die dann kamen, die Schulterprobleme, die Rückenschmerzen, die Fußverletzungen, war Haas nicht vorbereitet. Zweimal musste er 2003 einen Eingriff an der Schulter vornehmen lassen. Das gesamte Tennisjahr fand ohne ihn statt: 467 Tage bestritt Haas kein Turniermatch. Die Statistiker haben ausgerechnet, dass es weder zuvor und danach eine so lange Verletzungspause gab, nach der ein Tennisprofi noch einmal ein Comeback gestartet hat.

Haas ist es damals gelungen, noch einmal zurückzukommen. Bis auf Platz 18 hat er es 2009 in der Weltrangliste geschafft. Er hat in Wimbledon in jenem Jahr noch einmal das Halbfinale erreicht, wie zuvor schon dreimal bei den Australien Open. Ins Endspiel eines Grand-Slam-Turniers ist er dagegen nie vorgedrungen. Auch das passt zur unvollendeten Karriere von Thomas Haas.

Einen Tennishype hat der 33-Jährige in Deutschland nie auslösen können - was auch daran gelegen haben mag, dass er seit vielen Jahren in den USA lebt, auch die amerikanische Staatsangehörigkeit besitzt. Aber auch deswegen, weil Haas in den ganz großen Matches oft der Verlierer war: Als die großen dramatischen Spiele des Deutschen bleiben vor allem Niederlagen in Erinnerung: das Halbfinale von Melbourne 2002 gegen Marat Safin, das Viertelfinale der U.S. Open 2006 gegen Nikolai Dawidenko, das Achtelfinale der French Open gegen Roger Federer 2009.

2011 ist ein Seuchenjahr für Haas

Haas hat der "Süddeutschen Zeitung" 2009 in einem Interview gesagt: "Ich werde merken, wann es Zeit ist zu gehen." Irgendwann im Laufe dieses Seuchenjahres wird er es gemerkt haben. Bisher hat er 2011 erst zwei Turniermatches gewonnen, ansonsten war immer nach der ersten Runde Schluss. Auf der Weltrangliste ist er auf Platz 477 angekommen, zwischenzeitlich in diesem Sommer lag er schon einmal auf Rang 579. Boris Becker hat gesagt, er könne verstehen, dass Haas noch nicht aufgehört habe: "Nach dieser langen Verletzungspause will man nicht auf dem OP-Tisch aufhören, sondern auf dem Tennisplatz."

Auf die U.S. Open bereitet sich Haas gemeinsam mit dem ehemaligen Profi Carsten Arriens vor, wieder einmal ein neuer Trainer. Haas hat in puncto Betreuerstab kein glückliches Händchen gehabt. Trainer kamen und gingen, am Ende vertraute sich der Deutsche denn doch immer wieder seinem alten Coach Thomas Hogsted an. "Das optimale Team hatte ich nicht immer", sagte Haas in der Rückschau. Auch das hat ihn vom ganz großen sportlichen Triumph ferngehalten.

Als Thomas Haas 1997 ins Profitennis einzog, da standen noch Pete Sampras, Goran Ivanisevic und Michael Chang auf dem Court. Im Jahr des ersten Wimbledon-Auftritts von Haas erreichte Boris Becker das Viertelfinale, Michael Stich sogar die Runde der letzten vier. Es gab noch keinen Roger Federer, keinen Rafael Nadal, erst recht keinen Novak Djokovic, den Überflieger dieses Tennisjahres. 2011 wird das 14. U.S.-Open-Turnier für Haas werden. Er ist einer aus einer früheren Zeit.

Haas sagt: "Es gibt Tage, da steige ich aus dem Bett, schüttele den Kopf und denke: Wahnsinn, wie sich mein Körper anfühlt." Lange sollte er sich das wirklich nicht mehr antun.

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