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21. Juli 2018, 10:41 Uhr

Stabhochspringerin Katharina Bauer

Neustart mit Defibrillator

Von Thorsten Eisenhofer

Sie ist Deutsche Hallenmeisterin im Stabhochsprung - und musste sich unlängst einen Defibrillator einsetzen lassen. An diesem Wochenende kämpft Katharina Bauer um die Qualifikation für die Leichtathletik-EM.

Rund 4000 Zuschauer sind Anfang Juli nach Landau in der Südpfalz gekommen. Sie wollen im Stadion der kleinen Stadt Weltklasse-Stabhochsprung sehen. Die Leistungen der Athletinnen stimmen, die Stimmung ist gelöst. Die Zuschauer essen, trinken, feiern. Mittendrin steht die amtierende Deutsche Hallenmeisterin Katharina Bauer. Sie redet über den Tod.

Sie spricht darüber, wie sie sich mit dem Sterben auseinandersetzt. Sie spricht darüber, wie sich das Leben verändert, wenn man mit dem Thema Tod konfrontiert war. Und sie spricht darüber, was man Positives aus solchen Situationen mitnehmen kann. Sie tut das mit einer bemerkenswerten Gelassenheit.

"Wenn ich leben will, muss ich das tun"

Dabei gab es im Frühjahr dieses Jahres Tage, an denen sie nicht so gelassen war. Bei Bauer war die Anzahl der täglichen Extra-Herzschläge auf 15.000 angestiegen. Die Gefahr eines plötzlichen Herztodes bestand, wenn sich die Probleme weiter verschlimmern sollten. Die Lösung: ein Defibrillator. Ein Gerät, das durch Stromstöße einen plötzlichen Herztod verhindern soll. Eine andere Wahl hatte sie nicht: "Wenn ich leben will, muss ich das tun." Am 17. April bekam sie einen Defibrillator, ihre Lebensversicherung, eingesetzt.

Ihre Karriere, ihre Geschichte könnte hier zu Ende sein. Schließlich hat sich das Leben der 28-Jährigen "um 180 Grad gedreht". Es gibt schließlich Wichtigeres als den (Leistungs-)Sport. Doch Bauer wollte nicht, dass ihre Karriere zu Ende ist. Sie will weiterhin Stabhochsprung ("Meine große Liebe") ausüben und sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren - als erste Stabhochspringerin mit Defibrillator.

Schon vier Wochen nach der Operation begann sie zu joggen, weitere zwei Wochen später absolvierte sie ihren ersten Wettkampf. Normal sind, so sagt sie, sechs bis acht Wochen Sportverbot. "Es ist ein Wunder, dass ich noch springen kann", sagt Bauer. Trotz des Fremdkörpers auf der linken Seite unter dem Latissimus.

Katharina Bauer ist die erste Leichtathletin auf diesem Niveau, die einen Defibrillator in sich trägt. Ein Gerät, das ihr im Ernstfall das Leben retten soll. Herzprobleme hat sie seit der Kindheit. Bereits als Siebenjährige war sie das erste Mal beim Kinderkardiologen. 6000 bis 7000 Extra-Herzschläge pro Tag stellten die Mediziner fest. 2009 versuchten Ärzte erstmals den Ort, der für die Extra-Herzschläge verantwortlich ist, zu veröden. Ohne Erfolg. Acht Jahre später, 2017, gelang dies dann bei einer weiteren Operation.

Schritt an die Öffentlichkeit

Damals wusste nur ihr engstes Umfeld von den Herzproblemen. Nach dem Einsetzen des Defibrillators machte sie diese im Mai öffentlich. Sie wollte nicht weiter Verstecken spielen, dass Falsches geschrieben und geredet wird. "Ich wollte mich frei fühlen", sagt Bauer, die nun Schirmherrin des Defibrillator (ICD) Deutschland e.V., dem Bundesverband für Patienten mit implantiertem Defibrillator, ist - um anderen Menschen mit ähnlichem Schicksal Mut zu machen.

Wenn man sich mit ihr unterhält, spürt man dieses Gefühl des Sich-frei-Fühlens. Es ist ihr wichtig, über dieses Thema zu sprechen. Sie kommt im Gespräch immer wieder darauf zurück. "Was soll jetzt noch passieren?", fragt die deutsche Hallenmeisterin. Angst, so sagt sie, habe sie keine. Von solchen Gedanken hat sie sich frei gemacht. Daran haben sicherlich Mentaltraining und die Arbeit mit ihrer Mutter - diese ist Hypnosetrainerin - ihren Anteil. Aber auch Bauers Lebensmut, ihre positive Lebenseinstellung. Diese half ihr schon zuvor bei schweren Verletzungen, so einem Speichenbruch am Unterarm. "Ich hatte schon so viele schlechte Nachrichten. Daher weiß ich auch: Wenn es jemand schafft, dann ich", sagt Bauer.

An jenem Tag im Juli in der kleinen pfälzischen Stadt hat es noch nicht ganz zur EM-Norm gereicht. Eine Chance hat sie noch. Am Sonntag, bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. 4,45 Meter muss sie dafür mindestens überqueren, ihre Bestleistung von 4,65 Meter datiert aus dem Jahr 2015. "Ich will unbedingt zur EM. Noch ist alles möglich", sagt Bauer. Man merkt ihr die Entschlossenheit an. Das Herz dafür hat sie ohnehin.

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