Kaymer bei PGA Championship Titelverteidiger und Außenseiter

Martin Kaymer geht als Titelverteidiger in das letzte Major der Golf-Saison, die PGA Championship. Nach sieben Monaten ohne Turniersieg will der Deutsche seinen Triumph wiederholen - doch zu den Favoriten zählt er nicht. Als großer Vorteil könnte sich eine Stärke Kaymers erweisen: sein kühler Kopf.

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Ein Jahr ist es her, dass Martin Kaymer der Sprung unter die ganz Großen des Golfsports gelang: Sensationell triumphierte er im August 2010 bei der US PGA Championship in Kohler im US-Bundesstaat Wisconsin. Als erster Deutscher nach Bernhard Langer 1993 gewann Kaymer eines der vier Majorturniere. Er schaffte damals den Sprung von Platz 13 auf 5 in der Weltrangliste, später sogar ganz an die Spitze. Derzeit Dritter, will der 26-Jährige in Johns Creek bei Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) erneut die "Wanamaker-Trophäe" gewinnen.

Doch nichts ist mehr wie bei seinem Coup vor einem Jahr. "Damals hatte ich keine Vorstellung davon, dass ich schon soweit bin, bei einem so wichtigen Turnier zu siegen", sagt Kaymer: "Ich war erst 25 und dachte, ich brauche noch viel mehr Erfahrung. Ich habe drei meiner Karriereziele in einem Jahr erreicht", so Kaymer, der neben Platz eins und dem Majortitel auch noch mit dem Ryder-Cup-Team gegen die USA gewann.

"Eigentlich ist das alles unglaublich", sagt Kaymer, für den der Ruhm auch bisher ungekannten Stress mit sich brachte: Sponsorentermine, Zeit für die Fans, TV-Auftritte wie vor kurzem im "Aktuellen Sportstudio". "Ich habe nach den British Open vor einem Monat zwei Wochen kein Turnier gespielt, hatte aber keinen Tag frei", sagt Kaymer, "es war anstrengend."

Der Schlusstag in Akron macht Kaymer Hoffnung

Daran allein hat es aber nicht gelegen, dass er bei der Generalprobe für die PGA vergangenes Wochenende in Akron 29. wurde, 16 Schläge hinter Sieger Adam Scott. Die Putts fielen nicht, auch vom Abschlag war Kaymer nicht genau genug. Erst am Schlusstag war auf seine Drives und sein kurzes Spiel Verlass. "Das gibt mir auf jeden Fall viel Motivation für kommende Woche", sagte Kaymer vergangenen Sonntag.

Doch selbst in Bestform gehört der deutsche Titelverteidiger nicht zu den Favoriten in Johns Creek. Sein bisher letzter Turniersieg ist schon siebeneinhalb Monate her. Zudem steht Kaymer mit seiner unaufgeregten Art im Schatten glamouröserer Spieler, wie das amerikanische Publikum sie liebt. So werden US-Open-Champion Rory McIlroy aus Nordirland, der sich mit seinem Triumph ins Herz vieler US-Fans spielte, sowie die beiden Nordamerikaner Rickie Fowler oder Spaßvogel Bubba Watson eher als Titelkandidaten genannt als Kaymer.

Die beiden Briten an der Weltspitze, Lee Westwood und Luke Donald (beide noch ohne Major-Titel), werden ebenfalls höher gehandelt als der Deutsche. Genauso der australische Akron-Sieger Scott und selbst die US-Legenden Phil Mickelson und Tiger Woods. Im längsten sieglosen Abschnitt seiner Karriere nimmt der viermalige US-PGA-Championship-Sieger den 14. Anlauf, um das nächste Major zu gewinnen. Sein letzter Erfolg bei einem der ganz großen Turniere war der Triumph bei der PGA Championship 2007. Mit Rang 37 bei der Generalprobe in Ohio erwies sich Woods noch nicht wieder in alter Form. Gestoppt von Skandalen, Knie-Operationen und Achillessehnen-Problemen, ist Woods meilenweit von seiner Schlagperfektion des vergangen Jahrzehnts entfernt.

"Das ist kein Puttwettbewerb"

Kaymer bleibt trotz all der großen Namen, die nur darauf warten, ihm den Titel abzunehmen, gelassen: "Ich spiele gerne aus einer Verfolgerposition", sagt er. Den Highland Course (Par 70) im Atlanta Athletic Club, wo er am Donnerstag um 13.15 Uhr Ortszeit (19.15 MESZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gemeinsam mit dem Südkoreaner Y.E. Yang und Shaun Micheel aus den USA auf die erste Runde geht, hat er bereits vor zwei Monaten probegespielt.

Auf die Profis warten im Vergleich zum Platz im vergangenen Jahr Bäume statt Dünen und extrem dickes Rough. "Der Kurs ist völlig anders als Whistling Straits", so Kaymer, der prophezeit: "Hier wird niemand mit 15, 16 oder 18 Schlägen unter Par siegen". Obwohl der Kurs mit 6828 Metern sehr lang ist, wird es nach Meinung des Deutschen vor allem auf Präzision ankommen: "Es zählt die Qualität der Schläge. Das ist kein Puttwettbewerb. Und ich will gewinnen."

Auch wenn der Platz in perfektem Zustand ist, die Bedingungen an den Spieltagen sind hart: Eine Hitzewelle liegt über Atlanta, 30 bis 35 Grad sind für das Turnierwochenende angekündigt. Bei den ersten Einspielrunden lief der Schweiß bei den Profis in Strömen. Ventilatoren und Kühlzelte sollen auf der Anlage für Erfrischung sorgen. Kaymer braucht das wahrscheinlich nicht, der 26-Jährige ist meist cool. Vor einem Jahr hat er es im Stechen gegen den US-Profi Bubba Watson bewiesen.

Mit Material von dpa und dapd

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