Klitschko-Comeback "Hätte mir klareren Sieg gewünscht"

Kampf gewonnen, Rehabilitation misslungen: Wladimir Klitschko konnte trotz eines technischen Punktsieges über den Amerikaner DaVarryl Williamson die Fragen über seinen derzeitigen Leistungsstand nicht beantworten. Nach einem größtenteils unspektakulären Fight hatte der Ukrainer das glücklichere Ende für sich.


Klitschko (r.), Williamson: Technischer Punktsieg
AP

Klitschko (r.), Williamson: Technischer Punktsieg

Las Vegas - Weil sich ein Cut über dem rechten Auge Klitschkos nach einem unbeabsichtigten Kopfstoß von Williamson als zu groß herausstellte, brach Ringärztin Dr. Margarte Goodman den Kampf nach Runde fünf ab. Da bereits die Minimalanzahl von vier Runden geboxt war, wurde die zum Zeitpunkt des Abbruchs gültige Kampfwertung für das Urteil herangezogen. Dort lag Klitschko bei zwei der drei Punktrichter (49:46, 49:46, 47:48) in Führung.

Klitschko, der in der vierten Runde sogar zu Boden ging, war schwer gezeichnet. "Mit dem Ergebnis bin ich natürlich zufrieden, ich hätte mir aber einen klareren Sieg gewünscht", fasste Klitschko seine Gefühle zusammen, nachdem die stark blutende Wunde geklammert worden war.

Verheißungsvoller Beginn von Klitschko

Nach der schweren K.o.-Niederlage gegen Lamon Brewster vom April stand für den in Los Angeles lebenden Ukrainer eigentlich Wiedergutmachung auf dem Programm, doch am Ende eines für die 4000 Zuschauer im Amphitheater des Casinos Caesars Palace unbefriedigenden Abends standen erneut viele Fragezeichen. "Ein bisschen Mysteriöses war immer noch da", so Klitschko, "doch wenigstens weiß ich jetzt, dass mein Schwächeanfall im letzten Kampf eine Ausnahme war. Ich hatte heute keinerlei konditionelle Probleme."

Fotostrecke

9  Bilder
Boxen: Klitschkos blutiges Comeback

Der Abend hatte für Klitschko verheißungsvoll begonnnen. Schon in der zweiten Runde traf er seinen Gegner zweimal schwer am Kopf, wenig später zeigte eine Rechts-Links-Kombination ans Kinn Williamsons deutliche Wirkung. Doch 40 Sekunden nach Beginn von Runde vier sorgte bereits der erste echte Treffer des Amerikaners für eine völlig unerwartete Kehrtwende im Kampf. Eine Rechte Williamsons schickte Klitschko für zwei Sekunden in den Ringstaub, dieser ordnete später den Treffer als "Flüchtigkeitsfehler" ein, weil er kurzzeitig die Balance verloren hätte.

"Geschnauft wie ein Rhinozeros"

Williamson, der am liebsten gleich am nächsten Wochenende zu einem Rückkampf in den Ring steigen würde, sah das anders: "Der Treffer bewies, dass ich eindeutig auf dem Weg zum Sieg war. Ich wollte abwartend beginnen und dann die Kontrolle übernehmen. Schon in der vierten Runde schnaufte Klitschko heftig wie ein Rhinozeros. Er hatte nichts mehr drauf, seine Schläge bereiteten mir keine Schmerzen."

Völlig konfus hatte sich Klitschko nach dem Treffer bis zum Gong gerettet, bewies aber anschließend bis zum Kampfabbruch Charakter und Stehvermögen, als er seine Souveränität der ersten beiden Runden wiederfand. "Darauf kann ich aufbauen. Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt will ich möglichst schnell wieder boxen und den Weg fortsetzen", sagte der Sieger. Selbst eine Doppelveranstaltung mit seinem Bruder Witalij - als potentieller Austragungsort ist New York im Gespräch - sei nicht auszuschließen, wenn die Ärzte denn zustimmen.

"Richtig überzeugend war das nicht. Ein paar gute Szenen hatte er, aber wenn Williamson angriff, war er sehr unsicher. Nach dem Anzählen verlor er auch ein bisschen die Kontrolle. Ich hoffe, der Sieg gibt ihm Selbstbewusstsein", sagte Fritz Sdunek, der zum ersten Mal bei einem Kampf von Wladimir nicht in dessen Ringecke stand. Er sah sich das Duell daheim im Fernsehen an. Durch den schwelenden Rechtsstreit zwischen den Klitschkos und ihrem einstigen Promoter Klaus-Peter Kohl hat der Erfolgscoach derzeit andere Boxer in Hamburg zu betreuen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.