Konkurrenz der City-Läufe Wettlauf um den Marathon-Profit

City-Läufe boomen in Deutschland - die Veranstalter befinden sich daher zunehmend im Wettbewerb um die Teilnehmer. Den Gewinnern winkt aber weiterhin ein profitables Geschäft. Das Magazin "SPONSORS" zeigt, welche Lauf-Events am ehesten überleben. 

Hobby-Läufer auf der Strecke: Eine begehrte Kundschaft
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Hobby-Läufer auf der Strecke: Eine begehrte Kundschaft

Von Benjamin Reister


Der Frühling steht vor der Tür - und in vielen deutschen Haushalten auch die Joggingschuhe. Der Fitnessboom in Deutschland ist ungebrochen. Nach jüngsten Zahlen der AWA Sportprofile gibt knapp ein Drittel der deutschen Bevölkerung an, dass ihnen körperliche Ertüchtigung sehr wichtig ist, fast jeder vierte Deutsche hält sich mit Laufen fit. Ein riesiger Markt, der zunehmend auch von Agenturen kommerziell genutzt wird, die sich auf City-Events für Hobbyläufer spezialisiert haben.

Die Zahl der Marathon-Events in Deutschland ist gestiegen, die Teilnehmerzahlen insgesamt sind allerdings seit Jahren rückläufig: Von 2005 bis 2010 sanken die Finisher-Zahlen im Marathon um 26 Prozent. Ein Grund: Die Läufer zieht es zu kürzeren Strecken oder auch artverwandten Veranstaltungen wie Triathlon.

300 000 Euro Antrittsgeld für Gebrselassie

Christian Toetzke, Geschäftsführer der Hamburger Veranstaltungsagentur Upsolut, erklärt sich die Entwicklung vor allem aus einer "Sättigung des Marktes". Aktuelle Zahlen geben Toetzke Recht: Gab es 1997 nur etwa 50 Marathonläufe in Deutschland, sind es mittlerweile fast 180.

Die Vielzahl an Angeboten bei sinkender Nachfrage hat zwangsläufig dazu geführt, dass unter den Veranstaltern ein Kampf um die Teilnehmer entbrannt ist. Schließlich sind es deren Startgelder, die das Grundgerüst eines jeden Businessplans ausmachen. So werden sowohl in Hamburg als auch in Köln 60 Prozent des Gesamtumsatzes durch die Startgelder erwirtschaftet. Bei beiden Marathon-Veranstaltungen sind das in etwa zwei Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund würde ein weiterer Rückgang der Teilnehmerzahlen die Veranstalter in Bedrängnis bringen - die Kosten für Personal, Platzmieten, Auf- und Abbau von Tribünen, Beschallung, Verpflegung, Genehmigungen und Absperrungen summieren sich schnell zu einem siebenstelligen Betrag.

Allein die Absperrung einer über 42 Kilometer langen Strecke kostet die Veranstalter etwa 100.000 Euro. Finanzielle Mittel, die viele Veranstalter lieber in ihr Starterfeld investieren würden, weil sie sich durch Spitzenläufer von anderen Konkurrenzveranstaltungen abheben möchten. Dabei werden schon jetzt von den Veranstaltern unabhängig vom Preisgeld Antrittsgelder von 1000 Euro bis hin zu 300.000 Euro gezahlt. Diesen Höchstbetrag muss man nach SPONSORS-Informationen aufrufen, um den äthiopischen Ausnahmeläufer Haile Gebrselassie an den Start zu bekommen.

Zwang zu subventionierten Startgeldern

Bereit, mehr zu bezahlen, sind die meisten Teilnehmer trotzdem nicht: "Die Marathon-Klientel stammt, anders als beim Triathlon, zum großen Teil noch immer aus der Volkslaufbewegung. Ihr ist nicht bewusst, weshalb sie für einen City-Marathon mehr bezahlen muss als für einen einfachen Volkslauf," sagt Wolfram Götz, Race Director des Marathon Hamburg bei der Agentur Act Agency.

Das zwingt die Veranstalter, stark subventionierte Startgelder anzubieten. Diese bewegen sich bei den größten deutschen Marathons durchschnittlich zwischen 60 und 70 Euro, "wobei wir eigentlich 120 Euro verlangen müssten", sagt Markus Frisch, Chef des Köln-Marathons. Die Veranstalter versuchen, diese Differenz zwischen tatsächlichen und benötigten Anmeldegebühren zu minimieren. Neben der Starterlaubnis bieten sie den Läufern weitere Bausteine, die in der Anmeldegebühr nicht enthalten, für viele Teilnehmer jedoch unverzichtbar sind. Möchte man beispielsweise als Teilnehmer des Hamburg-Marathons gleichzeitig die "Pasta-Party" vor dem Rennen besuchen und sich seine Teilnahme durch eine individuelle Medaille und ein Finisher-T-Shirt bezeugen lassen, zahlt man insgesamt weitere 30 Euro.

Lukratives Titelsponsoring

Profitabel ist das Geschäft mit den Städtemarathons damit aber noch nicht. Ab einer bestimmten Teilnehmerzahl braucht es zusätzlich finanzkräftige Partner und allen voran einen Titelsponsor, wie das Beispiel Köln zeigt. Seit drei Jahren muss der Marathon in der Domstadt nach dem Ausstieg von Ford schon ohne Namensgeber auskommen. In den vergangenen Jahren erreichte das Event mit Mühe eine schwarze Null. In Hamburg agiert der Veranstalter dagegen auf relativ niedrigem Niveau weiter profitabel und verbucht nach SPONSORS-Informationen einen Gewinn im niedrigen sechsstelligen Bereich. Auch weil der Marathon an der Elbe mit der Hamburger Sparkasse mittelfristig einen Titelsponsor an sich binden konnte, der mit etwa 200.000 Euro pro Jahr den größten Anteil am Sponsorenpool tragen dürfte.

Die Aussichten für Hamburg sind deshalb trotz rückläufiger Teilnehmerzahlen nicht schlecht. Zumal Experten davon ausgehen, dass in der deutschen Marathonlandschaft ein Selbstreinigungsprozess einsetzen wird, an dessen Ende zumindest die großen Städte aufgrund ihrer Attraktivität übrig bleiben werden. Wenn schon 42,195 Kilometer am Stück laufen, dann doch lieber in Hamburg oder Köln als in Gera oder Pirmasens, so die einhellige Meinung.



insgesamt 5 Beiträge
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samschuster 12.05.2011
1. Schwachsinnsartikel
Zitat von sysopDie City-Läufe müssen sich immer größerer Konkurrenz erwehren und befinden sich daher zunehmend im Wettstreit um die Teilnehmer. Den Gewinnern winkt aber weiterhin ein profitables Geschäft.*Das Magazin "SPONSORS" zeigt,*welche Veranstaltungen am ehesten*überleben.* http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,761344,00.html
als x-facher marathoni muss ich der faden analyse aus eigener erfahrung widersprechen (btw der selbstreinigungsprozess wird nach solchen artikeln wohl auch das magazin sponsors treffen...): es gibt immer noch veranstaltungen (marathon und triathlon), bei denen man nicht hirnvebrannte, im artikel als normal und akzeptabel suggerierte 60/70 euro löhnen muss um sich mal zu verausgaben. die werden naturgemäß von vereinen organisiert und verzichten auf die bezahlten starläufer, wobei dies meist austauschbare kenianer sind und geben der regionalen jugendlichen elite eine chance sich zu entwickeln. bestes beispiel in beiden sportarten für diese wegweisende idee und zudem auch in einer wie ich finde schönen stadt: leipzig dass hamburg, müchen, berlin, köln aufgrund der natürlichen nachfrage des umkreises und attraktivität eigentlich nie überlebensprobleme haben sollten, ist klar. aber die zukunft liegt in den wirtschaftlich machbareren kleineren/mittelgroßen städten. das passt dann auch besser zur laufgemeinde. wetten dass...?!
walter_e._kurtz 12.05.2011
2. Zeit wird´s
... für den "Selbstreinigungsprozess"! Solange aber zig Großstädte und findige Geschäftsleute meinen, sich mit der Organisation und dem Profit eines solchen Großevents schmücken zu müssen, wird dieser Prozess nur auf die harte Tour voranschreiten. Mir persönlich sind 60 Euronen (und da ist noch keine Anreise oder Übernachtung, die häufig notwendig ist, dabei ;-)) für einen Stadtmarathon zu viel. Da drängt sich mir schon der Verdacht auf, daß sich da einige Leute bereichern wollen. Alternativen gibt es genug, denn für 30,- - 40,-€ Organisationsbeitrag kann man auch landschaftlich attraktive Läufe in wunderschönen Gegenden haben. Während des Laufs bekommt man eh kaum etwas von den Sehenswürdigkeiten einer Stadt mit. Aber jeder nach seiner Fasson...
leviathan81 12.05.2011
3. Lieber Gera als Berlin!
Ich müsste doch von allen guten Geistern verlassen sein, wenn ich 60Euro aufwärts dafür bezahle, um mich mit der Überfüllungsproblematik großer Städtemarathons (Berlin, Hamburg etc.) herumzuschlagen. Wenn stattdessen die Möglichkeit besteht Landschaftsläufe, wie beispielsweise auch den hier in abwertender Manier genannten Elstertalmarathon Geras für einen Bruchteil des Startgeldes zu bestreiten, muss ich nicht lange überlegen. Also so einhellig kann die Meinung gar nicht sein, zumal mein läuferisches Umfeld ganz ähnlich denkt.
speedmasterone 12.05.2011
4. Konkurrenz der City-Läufe: Der Wettstreit um die Marathon-Gemeinde
Es wäre ja mal informativ gewesen, wenn der Spon-Schreiber nachgefragt hätte, was ein Marathon-Veranstalter bieten muss, um seine Kundschaft im Zuge zunehmender Kannibalisierung zu behalten. Spitzenläufer? Service? Eine perfekte Organisation? Stand wohl eher nicht in SPONSORS, oder? Es hat sehr spezifische Gründe, warum die Teilnehmer den Berlinern alljährlich das Brandenburger Tor einrennen, Hamburg am 22. Mai etwa 4.000 (!) Teilnehmer weniger haben wird, Köln sich nur mit dem Halbmarathon-Einnahmen rettet und zuletzt in Mainz nur noch etwas mehr als 1.200 Marathonläufer, aber knapp 6.800 Halbmarathonis ins Ziel liefen. Vielleicht wären auch die Renndirektoren in Berlin und Frankfurt (prosperiert mit sanften Zuwächsen seit Jahren) die besseren Ansprechpartner gewesen. Weiterführende Analysen der Szene und des Marktes standen übrigens schon bei laufreport.de
Umbriel 15.04.2013
5. Gutenberg Marathon 2013 mit Zweidrittel Option
Zitat von speedmasteroneEs wäre ja mal informativ gewesen, wenn der Spon-Schreiber nachgefragt hätte, was ein Marathon-Veranstalter bieten muss, um seine Kundschaft im Zuge zunehmender Kannibalisierung zu behalten. Spitzenläufer? Service? Eine perfekte Organisation? Stand wohl eher nicht in SPONSORS, oder? Es hat sehr spezifische Gründe, warum die Teilnehmer den Berlinern alljährlich das Brandenburger Tor einrennen, Hamburg am 22. Mai etwa 4.000 (!) Teilnehmer weniger haben wird, Köln sich nur mit dem Halbmarathon-Einnahmen rettet und zuletzt in Mainz nur noch etwas mehr als 1.200 Marathonläufer, aber knapp 6.800 Halbmarathonis ins Ziel liefen. Vielleicht wären auch die Renndirektoren in Berlin und Frankfurt (prosperiert mit sanften Zuwächsen seit Jahren) die besseren Ansprechpartner gewesen. Weiterführende Analysen der Szene und des Marktes standen übrigens schon bei laufreport.de
Dieses Jahr am So 12.5. wieder mit der Option "2/3 Marathon" (28km). Ich verstehe nicht warum sich die Fachleute verrückt machen, weil die Zahl der Halbstreckenläufer zuungunsten der Vollstreckenläufer gestiegen ist. Solche Veranstaltungen sind Mitmach - Wettbewerbe für viele unterschiedlich ambitionierte Freizeitsportler, das ist doch das Wichtigste. Die 42km sind für Freizeitläufer zwar oft möglich, allerdings steigt in Vorbereitung und Wettbewerb das Verletzungsrisiko, wobei das bei etwas kürzeren Distanzen eher im Lot bleibt. Natürlich soll das Ziel sein, alles gut miteinander zu verbinden. Ich finde das ist in Mainz ganz gut möglich, weil es jetzt wieder den "Dritten Weg" - die Alternative der 28km Strecke gibt.
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