Korruptionsskandal IOC stellt Ermittlungen gegen Havelange ein

Das IOC hat mit João Havelange einen Deal geschlossen. Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere Chef des Weltfußballverbandes Fifa räumt seinen Platz im Internationalen Olympischen Komitee. Im Gegenzug verzichtet das IOC auf weitere Ermittlungen gegen den 95-Jährigen.

Ex-Fifa-Chef Havelange: Nur noch "ein privater Bürger"
DPA

Ex-Fifa-Chef Havelange: Nur noch "ein privater Bürger"


Hamburg - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat alle Ermittlungen gegen den zurückgetretenen Brasilianer João Havelange eingestellt. Der 95-Jährige sei jetzt "ein privater Bürger", und Untersuchungen würden nur gegen IOC-Mitglieder vorgenommen, erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge am Dienstag. Die Einstellung der Ermittlungen war erwartet worden, da Havelange durch seinen Rücktritt einem Ausschluss durch das IOC zuvorgekommen war.

Die IOC-Ethikkommission hatte wegen Korruptionsvorwürfen gegen Havelange ermittelt. Offiziell bezeichnete Rogge es als "pure Spekulation", dass der Rücktritt und die Einstellung der Ermittlungen in einem Zusammenhang stehen. "Für mich hat sein Rücktritt mit seiner Gesundheit und seinem Alter zu tun", meinte Rogge. Für das IOC sei der Fall Havelange damit geschlossen. Havelange ist in den Bestechungsskandal um die ehemalige Sportvermarktungsfirma ISL verwickelt, hat diese Vorwürfe aber stets bestritten.

"Havelange hat mir in einem Brief von Gesundheitsproblemen geschrieben, die ihn von Reisen abhalten", erklärte Rogge. Havelange drohte eine Suspendierung durch die IOC-Exekutive an diesem Mittwoch und Donnerstag in Lausanne: "Pure Spekulationen kommentiere ich nicht", so Rogge, "Joao Havelange hatte schon einige Termine verpasst. Bei der IOC-Session in Durban fehlte er auch."

Nach dem Ende von Havelanges 48-jähriger Mitgliedschaft im IOC stehen jetzt die Ermittlungen gegen die IOC-Mitglieder Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Fußballverbandes, Lamine Diack, Chef des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, im Fokus. Beide sollen nach Medien-Informationen jedoch nur einen Verweis oder eine Verwarnung bekommen. Am Donnerstag wird mit einem Urteil der IOC-Exekutive gerechnet.

Die Fifa wird die Causa Havelange selbst noch bewerten müssen - der Vorgänger von Blatter ist weiter als FIFA-Ehrenpräsident tätig. Die Antikorruptions-Organisation Transparency International (TI) forderte die Fifa am Dienstag erneut auf, die Vergangenheit aufzuklären. "Eine unabhängige Untersuchung von Korruptionsvorwürfen, in der Gegenwart und Vergangenheit, ist zwingend notwendig, wenn die Fifa öffentliche Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will", so TI in einer Pressemitteilung. Rogge sieht die Fifa dagegen auf dem richtigen Weg: "Sie beginnt gerade mit einer Generalüberholung, und das ist gut."

aha/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
n.holgerson 06.12.2011
1. Wieder tolle Leistung der Journalisten
Nur zur Klarstellung, dass es bei der FIFA bzw.IOC "Probleme" gibt ist bekannt. Peinlich ist, was sich aber immer wieder abspielt. Es ist immer wieder das gleiche Schema: Ein Journalist behauptet, er weiß was. Dann beginnt das große Spekulieren. Jeder kann man was behaupten bzw. unterstellen... Darauf springen ganz bestimmt "Leser" an. Innerhalb von kürzester Zeit verbreiten sie die abenteuerlichsten Theorien... Unvergessen auch z.B. die Aussagen von Herrn Rummenigge. Wie war das noch vor kurzer Zeit? Was hat er noch behauptet? Es gibt "Beweise"? Und die Journalisten haben es ihn blind geglaubt bzw. die bestimmten "Leser" haben sich bestätigt gefühlt... Und was ist rausgekommen?.... Ach ja wieder einmal nichts. Und so scheint es hier wieder einmal zu sein. Von den "Unterstellungen" scheint am Ende nicht viel übrig zu bleiben. Deshalb mein Tipp: Keiner sollte solchen Gerüchten auch nur ein Wort glauben. Weil i.d.R. am Ende nichts, aber auch gar nichts sich als wahr raus stellt. Der Witz ist dabei, dass nach ein paar Tagen alle die alten Geschichten (z.B. Rummenigge) vergessen haben und wieder alle neuen Gerüchte blind vertrauen. Nochmals, ich behauptet nicht, dass alles "sauber" abläuft. Aber ich würde doch zu ein wenig Zurückhaltung raten. Wenn was bewiesen ist, hat man ja noch genug Zeit dazu Stellung zu nehmen. Ansonsten wird die Sache wieder einmal peinlich.... PS: Jedem der jetzt mir Widersprechen möchte und sich mal wieder auf die ominöse Quelle "das weiß doch jeder" bezieht, möchte ich einen kleinen Ratschlag geben: Nachdenken. Weil wenn bestimmt Leute bzw. Journalisten sich ihrer Sache doch anscheinend so sicher sind, es Verfehlungen gegeben hat, dann gibt es doch eigentlich nur einen einzigen logischen Weg: Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft stellen. Komisch, macht aber nie einer. Warum wohl nicht? Ein guter Journalist würde doch z.B. heute mal den Herrn Rummenigge nach seinen Beweisen fragen... Aber macht ja auch niemand... Weil die Sache ja schon veröffentlicht wurde, man hat seine "Auflage" und weiter geht es....
review 06.12.2011
2. Dichtung und Wahrheit
Zitat von n.holgersonNur zur Klarstellung, dass es bei der FIFA bzw.IOC "Probleme" gibt ist bekannt. Peinlich ist, was sich aber immer wieder abspielt. Es ist immer wieder das gleiche Schema: Ein Journalist behauptet, er weiß was. Dann beginnt das große Spekulieren. Jeder kann man was behaupten bzw. unterstellen... Darauf springen ganz bestimmt "Leser" an. Innerhalb von kürzester Zeit verbreiten sie die abenteuerlichsten Theorien... Unvergessen auch z.B. die Aussagen von Herrn Rummenigge. Wie war das noch vor kurzer Zeit? Was hat er noch behauptet? Es gibt "Beweise"? Und die Journalisten haben es ihn blind geglaubt bzw. die bestimmten "Leser" haben sich bestätigt gefühlt... Und was ist rausgekommen?.... Ach ja wieder einmal nichts. Und so scheint es hier wieder einmal zu sein. Von den "Unterstellungen" scheint am Ende nicht viel übrig zu bleiben. Deshalb mein Tipp: Keiner sollte solchen Gerüchten auch nur ein Wort glauben. Weil i.d.R. am Ende nichts, aber auch gar nichts sich als wahr raus stellt. Der Witz ist dabei, dass nach ein paar Tagen alle die alten Geschichten (z.B. Rummenigge) vergessen haben und wieder alle neuen Gerüchte blind vertrauen. Nochmals, ich behauptet nicht, dass alles "sauber" abläuft. Aber ich würde doch zu ein wenig Zurückhaltung raten. Wenn was bewiesen ist, hat man ja noch genug Zeit dazu Stellung zu nehmen. Ansonsten wird die Sache wieder einmal peinlich.... PS: Jedem der jetzt mir Widersprechen möchte und sich mal wieder auf die ominöse Quelle "das weiß doch jeder" bezieht, möchte ich einen kleinen Ratschlag geben: Nachdenken. Weil wenn bestimmt Leute bzw. Journalisten sich ihrer Sache doch anscheinend so sicher sind, es Verfehlungen gegeben hat, dann gibt es doch eigentlich nur einen einzigen logischen Weg: Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft stellen. Komisch, macht aber nie einer. Warum wohl nicht? Ein guter Journalist würde doch z.B. heute mal den Herrn Rummenigge nach seinen Beweisen fragen... Aber macht ja auch niemand... Weil die Sache ja schon veröffentlicht wurde, man hat seine "Auflage" und weiter geht es....
Sie vertreten hier gar löbliche Ansichten, jawohl so sollte man in einer idealen Welt miteinander umgehen. Aber.... Es gibt unzählige Fälle in denen die Staatsanwaltschaft erst nach Pressberichten überhaupt die Ermittlungen aufgenommen hat. Würde man sich an Ihrer Regeln halten würde das im Grunde dazu führen, das es kaum noch Pressemeldungen, geschweige solche Einrichtungen wie das SPON Forum gäbe. Ein Großteil unserer täglichen Information sind alles andere als gerichtsfest, oftmals wird wild spekuliert und häufig auch ziemlich an der Wahrheit vorbei berichtet. Alles nicht schön und in einer idealen Welt verdammenswert. Aber... Ihre Weltanschauung in unsere realen Welt umgesetzt würde diese Welt nicht besser sondern im Gegenteil noch ein Stück "unidealer" machen. Nicht jede, nicht gerichtsfeste Meldung, ist falsch und diese Meldungen von dem täglichen Informationsmüll zu trennen ist eine Sisyphosarbeit die jeder persönlich, Tag für Tag leisten muss.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.