Kristin Otto Die Dopingschlinge zieht sich zu

Sie leugnet es weiterhin, aber neu aufgetauchte Unterlagen beweisen: Kristin Otto hat gedopt - wie so viele andere DDR-Schwimmer auch.


Kristin Otto: Olympiasiegerin 1988
AP

Kristin Otto: Olympiasiegerin 1988

Leipzig - Das Amtsgericht Leipzig hat am Dienstag die Doping-Verstrickung der früheren DDR-Weltklasseschwimmerin Kristin Otto bestätigt. Oberstaatsanwalt Norbert Röger erklärte Informationen des Deutschlandfunks für richtig, nach denen die ehemalige Olympiasiegerin und heutige ZDF-Sportreporterin auf einer Liste von neun gedopten Schwimmerinnen zwischen 14 und 20 Jahren steht, die früher unter dem Leipziger Stefan Hetzer trainierten.

Hetzer, der Otto bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul zu sechs Goldmedaillen führte, wurde am Dienstag vom Amtsgericht Leipzig wegen Körperverletzung durch Doping zu einer Geldstrafe von 15.000 Mark verurteilt. Zuvor hatte er den Straftatbestand eingestanden.

Vor Hetzer war bereits der frühere DDR-Sportmediziner Horst Tausch mit einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten auf Bewährung belegt worden. Tausch war geständig, im Zeitraum zwischen 1985 und 1989 Kristin Otto und 21 weitere Schwimmerinnen mit Dopingmitteln versorgt zu haben.

Trotz der belastenden Zeugenaussagen von Hetzer und Tausch leugnet Otto weiterhin, zu DDR-Zeiten wissentlich gedopt zu haben. Doch die Beweislage spricht gegen sie. So hält ein offizielles DDR-Protokoll des Doping-Kontrolllabors Kreischa bei Dresden fest, dass Otto vor den Schwimm-Europameisterschaften 1989 in Bonn einen extrem hohen Hormonwert hatte. Auch ehemalige DDR-Schwimmer wie die Olympiasiegerin Ulrike Tauber, Ex-Weltrekordlerin Karen König oder der Potsdamer Jörg Hoffmann bestätigten in der Vergangenheit die Doping-Mitwisserschaft Ottos.

Die heute 34 Jahre alte Kristin Otto ist bei den Olympischen Spielen in Sydney vom ZDF als Reporterin für die Schwimm-Wettbewerbe vorgesehen.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.