Doping-Affäre Weltverband nimmt Armstrong alle Tour-de-France-Titel

Der Radsport-Weltverband UCI erkennt Lance Armstrong alle sieben Tour-de-France-Titel ab. Das gab die Organisation bekannt, nachdem sie den Bericht der US-Antidoping-Agentur Usada ausgewertet hat. Über weitere Sanktionen und die mögliche Neuvergabe der Titel soll noch entschieden werden.
Doping-Affäre: Weltverband nimmt Armstrong alle Tour-de-France-Titel

Doping-Affäre: Weltverband nimmt Armstrong alle Tour-de-France-Titel

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Hamburg - Die Entscheidung über das Schicksal von Lance Armstrong ist gefallen: Der Radsport-Weltverband UCI erkennt dem ehemaligen Radstar alle sieben Tour-de-France-Titel ab. Zudem sperrte der Verband den US-Amerikaner lebenslang. Das verkündete Verbandspräsident Pat McQuaid auf einer Pressekonferenz in Genf. "Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. So etwas darf nie wieder passieren", sagte McQuaid.

Über weitere konkrete Sanktionen wie die Rückgabe von Preisgeldern will die UCI in einer Sondersitzung am kommenden Freitag verhandeln. Dann soll auch darüber beraten werden, ob die sieben Titel neu vergeben werden. Die unter Dopingverdacht stehenden Deutschen Jan Ullrich und Andreas Klöden könnten von einer Neuvergabe profitieren.

"Der Radsport hat eine Zukunft", so der umstrittene McQuaid, der persönliche Konsequenzen ablehnte: "Ich werde nicht als UCI-Präsident zurücktreten." Auch der Verband war heftig in die Kritik geraten. So wurde angedeutet, dass die UCI eine positive Dopingprobe Armstrongs verschleiert haben soll.

"Natürlich kann man in der Rückschau immer sagen, man hätte mehr tun können", sagte der UCI-Präsident. "Aber man kann nur so viel tun, wie das System, das in Kraft ist, zulässt. Es tut mir leid, dass wir nicht jeden verdammten Sünder erwischen konnten." Der gefallene Rad-Held Armstrong habe es verdient, vergessen zu werden.

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Grundlage für das Urteil war der Bericht der US-Antidoping-Agentur Usada zur Causa Armstrong. Darin hatte die Usada die Dopingpraktiken Armstrongs detailliert aufgelistet. So sollen der US-Amerikaner und einige seiner ehemaligen Teamkollegen unter anderem Dopingmittel eingenommen und damit gehandelt haben. Nach Erhalt des Berichts hatte die UCI bis Ende Oktober Zeit, die Unterlagen zu prüfen und über die Aberkennung von Armstrongs Erfolgen bei der Frankreich-Rundfahrt und über weitere Sanktionen zu entscheiden. "Was ich im Usada-Bericht gelesen habe, macht mich krank", sagte McQuaid.

Bereits Ende August hatte die Usada eine lebenslange Sperre für Armstrong ausgesprochen und beantragt, dass alle Ergebnisse des Texaners seit dem 1. August 1998 inklusive seiner sieben Tour-Siege gestrichen werden sollen. Die Tour-Organisatoren der Aso hatten damals bekanntgegeben, dass die Siege bei der Frankreich-Rundfahrt (1999 bis 2005) im Fall der Aberkennung nicht neu vergeben würden. Armstrong bestreitet die Vorwürfe.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) begrüßte das UCI-Urteil. "Entscheidend ist, dass ein verseuchtes Jahrzehnt aufgearbeitet und endlich abgeschlossen wird", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Der US-Amerikaner war wegen der massiven Anschuldigungen zuletzt bereits von seinen wichtigsten Sponsoren - darunter Nike - fallen gelassen worden. Außerdem trat er als Vorsitzender seiner Krebsstiftung Livestrong zurück.

psk/max/dpa/sid
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