Tour-de-France-Rekordsieger Armstrong wehrt sich gegen Dopingvorwürfe

"Das riecht nach Rache": Lance Armstrong hat sich via Twitter gegen die neuen Anschuldigungen seiner ehemaligen Teamkollegen gewehrt. Der US-Anti-Doping-Agentur, die ihn wegen Dopings angeklagt hat, wirft der Tour-de-France-Rekordsieger eine "selektive Strafverfolgung" vor.

Ex-Profi Armstrong (2010): "Die betroffenen Fahrer sind auch Opfer"
REUTERS

Ex-Profi Armstrong (2010): "Die betroffenen Fahrer sind auch Opfer"


Hamburg - Fünf ehemalige Teamkollegen haben Lance Armstrong des Dopings beschuldigt, jetzt hat der Tour-de-France-Rekordsieger auf die neuen Vorwürfe reagiert. In vier Tweets hat Armstrong zu den umfassenden Beichten seiner früheren Gefährten Stellung genommen, die ihn gegenüber der US-Anti-Doping-Agentur (Usada) schwer belastet hatten.

"Komm und erzähl der Usada genau, was sie hören will im Austausch für Immunität, Anonymität und die Gelegenheit, das größte Radsportrennen fortzusetzen", twitterte Armstrong. Als Kronzeugen haben George Hincapie, David Zabriskie, Christian Vande Velde und Levi Leipheimer nämlich nur eine Strafe von sechs Monaten zu befürchten, die erst nach Ende der laufenden Saison in Kraft treten soll. Damit könnten sie die derzeit laufende Tour zu Ende fahren und auch an der Vuelta sowie der WM im September teilnehmen.

In einem weiteren Kurzeintrag erhob Armstrong schwere Vorwürfe gegen die Dopingjäger: "Es geht nicht darum, dass die Usada den Radsport sauber machen will. Es geht eher um eine selektive Strafverfolgung. Das riecht nach Rache", twitterte Armstrong. Indirekt nahm er die Belastungszeugen sogar in Schutz: "Lasst mich klarstellen: Die betroffenen Fahrer sind auch Opfer der US-Anti-Doping-Agentur und ihrer Methoden."

Armstrong droht der Verlust seiner Titel

Die Usada hatte im Juni Anklage gegen Armstrong, dessen langjährigen Teamchef Johan Bruyneel sowie vier Sportmediziner erhoben. Sie alle sollen an systematischem Doping in den ehemaligen Armstrong-Rennställen US-Postal (1996-2004), Discovery Channel (2005-2007), Astana (2009) und RadioShack (2010) beteiligt gewesen sein und mit illegalen Substanzen gehandelt haben.

Bis Montag hat Armstrong Zeit, gegenüber der Usada zu erklären, ob er die Vorwürfe akzeptiert oder bestreitet. In diesem Fall würde es zu einer Anhörung vor dem Schiedsgericht kommen. Bei einer Verurteilung droht dem 40-Jährigen, der inzwischen als Triathlet aktiv ist, neben einer lebenslangen Sperre auch die Aberkennung seiner Titel.

syd/sid/dpa

insgesamt 24 Beiträge
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fatherted98 06.07.2012
1. tja...
Zitat von sysopREUTERS"Das riecht nach Rache": Lance Armstrong hat sich via Twitter gegen die neuen Anschuldigungen seiner ehemaligen Teamkollegen gewehrt. Der US-Anti-Doping-Agentur, die ihn wegen Dopings angeklagt hat, wirft der Tour-de-France-Rekordsieger eine "selektive Strafverfolgung" vor. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,842958,00.html
...ich hab Armstrong immer gern zugeschaut. Auch wenn er gedopt war (wer war das nicht?), er ist auch immer taktisch gefahren und hat seinen Mannschaft immer richtig eingesetzt und das Feld dominiert...das hat ihm den Hass der Anderen eingebracht. Ob es noch was bringt hier zu ermitteln weiß ich nicht...bisher konnte man ihm nix nachweisen...den Zeugen kann man unterstellen sie wollten Rache nehmen....wie auch immer...meiner Meinung nach sollte man sich lieber um die aktuellen Fälle kümmern und die Fahrer die jetzt doppen lebenslang sperren...das wäre ein Vinokourov jedenfalls nicht mehr bei der Tour.
Tahlos 06.07.2012
2. Da kann er dementieren
und empört sein, soviel er schauspielern kann. Diese Taktik hat auch schon andere über längere Zeit nichts gebracht. Wäre schön, wenn die Sache tatsächlich mal Wahrheitsgemäß geklärt werden würde. Aber das ist vermutlich, zumindestens mittelfristig, kaum zu erwarten. Bin mal gespannt wessen Zahnbürste dieses mal schuld gewesen ist.
kmg87 06.07.2012
3. Wenn er nicht gedopt war, wer denn dann.
Er ist Jan Ulrich problemlos davon gefahren (und das lag nicht nur an seinem unterschiedlichen Stil) und er hat alle anderen alt aussehen lassen. Ulrich und viele andere waren gedopt. Es wäre doch ein neues Weltwunder, wenn Armstrong nicht gedopt wäre.
moi1 06.07.2012
4.
Zitat von sysopREUTERS"Das riecht nach Rache": Lance Armstrong hat sich via Twitter gegen die neuen Anschuldigungen seiner ehemaligen Teamkollegen gewehrt. Der US-Anti-Doping-Agentur, die ihn wegen Dopings angeklagt hat, wirft der Tour-de-France-Rekordsieger eine "selektive Strafverfolgung" vor. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,842958,00.html
In einigen Radler-Fan-Kreisen ist Armstrong ja immer sehr verehrt worden. Leute, die "eine Mission" zu erfüllen haben (egal ob im Sport oder anderswo) sind mir grundsätzlich zutiefst Suspekt. Da sollten sofort alle Alarmglocken klingeln.
Jacky Thrilla 06.07.2012
5. In dubio pro reo
Zitat von sysopREUTERS"Das riecht nach Rache": Lance Armstrong hat sich via Twitter gegen die neuen Anschuldigungen seiner ehemaligen Teamkollegen gewehrt. Der US-Anti-Doping-Agentur, die ihn wegen Dopings angeklagt hat, wirft der Tour-de-France-Rekordsieger eine "selektive Strafverfolgung" vor. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,842958,00.html
Ich mag Armstrong nicht, hab ihn noch nie gemocht, aber solange nichts nachzuweisen ist, ist er unschuldig, Punkt. Gebt Doping endlich frei, das Problem wird sich innerhalb weniger Jahre von alleine lösen, wenn die ersten Fahrer wieder tot von ihren Rädern kippen, werden die anderen vielleicht anfangen, darüber nachzudenken, ob ein Sport ohne Doping nicht doch besser ist. Solange überführte Doper nicht drastischere Strafen fürchten müssen, wird sich an der Problematik auch nichts ändern. Letztendlich ist gerade bei diesem Sport die Grenze zwischen medizinischer Versorgung und Doping nur ein schmaler Grat. Eigentlich alle Fahrer werden medizinisch dermaßen "betreut" und medikamentiert, dass die meisten gar keinen Bezug mehr zu Realität haben können. Für mich ist es durchaus nachvollziehbar, dass ein Doper vollkommen davon überzeugt ist, dass eine Testosteronsalbe, Eigenblutdoping oder Epo kein Doping, sondern notwendige medizinische Maßnahmen darstellen. Immerhin sind die meisten Fahrer des Fahrerfeldes bei der Tour diagnostizierte Asthmatiker. Warum? Ja damit man leistungssteigernde Medikamente legal benutzen darf. Ist das nur ein Problem bei den Profis? Nein, denn sowas beginnt schon in der Jugend, wenn es zum ersten Mal um bezahlte Titel geht und die Weichen für eine Profikarriere gestellt werden. Selbst beim Volkslauf rennen bestimmt 10% der Sportler gedopt durch die Gegend, sind aber der Meinung, dass sie notwendige medizinische Maßnahmen ergriffen haben. Ich gehe sogar soweit, dass in allen Leistungssportarten mehr oder weniger gedopt wird. Wo es um Ehre, Geld und Einfluss geht, wird auch beschissen. So ist das nunmal mit uns Menschen. Fußball, Leichtathletik, Radsport, Langlauf, Sportschießen, Curling... Für alles gibt es Medikamente, die die Leistung steigern können, ich denke, sie werden auch benutzt. Die "Dummen" sind die, die es nicht tun, Talent alleine reicht nicht, um Weltspitze zu werden. Dort wo man nichts findet, prüft man nicht genau genug oder es gibt "schützende Hände". Nur ein Beispiel: Wenn ein verletzter Fußballer "fit gespritzt" wird, also z.B. ein Schmerzmittel verabreicht bekommt, ist das dann Doping oder eine notwendige medizinische Maßnahme? Könnte er ohne Schmerzmittel die gleiche Leistung abrufen, oder gar überhaupt zum Spiel antreten? Das sei als Frage nur mal so dahingestellt.
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