Dopinganklage Ex-Teamkollegen belasten Armstrong schwer

Fünf Kronzeugen gegen Lance Armstrong: George Hincapie, Levi Leipheimer und drei andere ehemalige Teamkollegen haben den Tour-de-France-Rekordsieger des Dopings beschuldigt. Sollten die Vorwürfe bewiesen werden, droht dem US-Amerikaner die Aberkennung seiner Erfolge.

US-Postal-Profis Armstrong, Hincapie, Landis (2004): Aussagen gegen den Ex-Kapitän
AP

US-Postal-Profis Armstrong, Hincapie, Landis (2004): Aussagen gegen den Ex-Kapitän


Hamburg - Einst unterstützten sie Lance Armstrong bei seinen Tour de France-Triumphen, jetzt wenden sie sich gegen ihren einstigen Kapitän. Fünf ehemalige Teamkollegen haben vor der US-Anti-Doping-Agentur Usada gegen den mit Doping-Vorwürfen konfrontierten Ex-Profi ausgesagt.

Bei den Zeugen soll es sich nach Informationen der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf" um George Hincapie, David Zabriskie, Christian Vande Velde und Levi Leipheimer handeln. Die vier US-Profis sind auch bei der derzeit laufenden Tour de France am Start. Auch Jonathan Vaughters, aktueller Chef des Garmin-Teams, wurde befragt. Die fünf Männer gehörten zum US-Postal-Team, mit dem Armstrong seine ersten Tour-Erfolge einfuhr.

Die Fahrer sollen Doping gestanden haben. Als Kronzeugen haben sie eine Strafe von nur sechs Monaten zu befürchten, die erst nach Ende der laufenden Saison in Kraft treten soll. Für Tour-Rekordteilnehmer Hincapie, der 17-mal in Frankreich an den Start ging, wäre die Sperre bedeutungslos, er hat bereits seinen Rücktritt zum Saisonende erklärt. Alle vier noch aktiven Fahrer hatten schon vor Wochen ihren freiwilligen Olympia-Verzicht bekanntgegeben.

Die Usada bestätigte den Bericht und vor allem die geplanten Sperren nicht. Solche Spekulationen "führen zu unpräzisen Informationen" und setzten Fahrer "unnötigen Verdächtigungen, Drohungen und Einschüchterungen aus", teilte eine Sprecherin mit.

Die Usada hatte im Juni Anklage gegen Armstrong, dessen langjährigen Teamchef Johan Bruyneel sowie vier Sportmediziner erhoben. Sie alle sollen an systematischem Doping in den ehemaligen Armstrong-Rennställen US-Postal (1996-2004), Discovery Channel (2005-2007), Astana (2009) und RadioShack (2010) beteiligt gewesen sein und mit illegalen Substanzen gehandelt haben.

Armstrong streitet sämtliche Vorwürfe kategorisch ab. Er argumentiert unter anderem, dass er nie einen positiven Dopingtest abgegeben habe und die Zeugen der Anklage unglaubwürdig seien. Neben den fünf neuen Namen dürften auch Armstrongs frühere Tour-Helfer Floyd Landis und Tyler Hamilton zu den insgesamt zehn Zeugen gehören, welche die USADA in einem möglichen Prozess aufbieten will.

Bei einer Verurteilung droht dem 40-Jährigen, der inzwischen als Triathlet aktiv ist, neben einer lebenslangen Sperre auch die Aberkennung seiner Titel.

syd/dpa/sid

insgesamt 39 Beiträge
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rpmangold 05.07.2012
1. Kesseltreiben
Ja wenn er nunmal sagt dass er nie nix genommen hat...dann glaubt ihm halt dem armen Helden
konib 05.07.2012
2. Verjährung
Meines Wissens können Titel nur sieben Jahre lang wieder aberkannt werden. Armstrong hätte somit diesbezüglich nichts zu befürchten(letzter Toursieg 2005).
Stelzi 05.07.2012
3. Get nicht (mehr)
Zitat von rpmangoldJa wenn er nunmal sagt dass er nie nix genommen hat...dann glaubt ihm halt dem armen Helden
Wenn da nicht diese alte Probe wäre, die man mal zu Forschungszwecken mit neuer Technik untersucht hatte, bei der dann eben doch Dopingmittel gefunden wurde - auch wenn das ganze nicht mehr als Beweis zulässig ist. Wir sehen halt gerade wie das System Armstrong zusammenbricht. Gut so.
woswoistndu 05.07.2012
4. na sicher
genauso wie wir jahn ulrich glauben sollten. in meinen augen hat er nur eine wirklich große leistung vollbracht: seinen krebs zu besiegen. sollte sich herausstellen, dass auch er gedopt hat, verliert der radsport eines seiner größten idole. die tour sollte dann vielleicht eher um ein afganisches mohnfeld führen, als durch frankreichs weinberge.
Mannheimer011 05.07.2012
5. nie einen positiver Dopingtest abgegeben...
haben auch schon deutsche Fahrer in Fernsehinterviews behauptet. Man muss kein Diplom-Psychologe sein, um diese Formulierung zu verstehen.
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