Nach Marathon-Rekord Weltverband will Laufschuh überprüfen

Hat Nike einen Laufschuh produziert, der den Wettbewerb verzerrt? Der Leichtathletik-Weltverband geht diesem Vorwurf nach. Mit dem neuartigen Schuh war Eliud Kipchoge zum Weltrekord gelaufen.

Der Laufschuh, um den es geht: Das Modell "Vaporfly" von Nike trugen bei seinem Zwei-Stunden-Rekordlauf Eliud Kipchoge und seine Helfer
CHRISTIAN BRUNA/EPA-EFE/REX

Der Laufschuh, um den es geht: Das Modell "Vaporfly" von Nike trugen bei seinem Zwei-Stunden-Rekordlauf Eliud Kipchoge und seine Helfer


Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) will das neueste Laufschuhmodell von Nike wegen möglicher Wettbewerbsvorteile auf den Prüfstand stellen. Mehrere Athleten haben nach übereinstimmenden Medienberichten die IAAF gebeten, das Modell "Vaporfly" zu untersuchen. Mit High-Tech-Schuhen des amerikanischen Ausrüsters war zuletzt Eliud Kipchoge als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden gelaufen. Brigid Kosgei (beide Kenia) hatte bei den Frauen einen Weltrekord aufgestellt. Auch im Spitzentriathlon - wie bei der deutschen Hawaii-Siegerin Anne Haug - wird der Schuh immer häufiger benutzt.

Die Technik-Kommission der IAAF habe eine Arbeitsgruppe einberufen, die aus ehemaligen Athleten, Sozial- und Rechtswissenschaftlern, sowie Bio-Mechanikern bestehe. So heißt es in einer Mitteilung der IAAF, die dem englischen Blatt "The Guardian" vorliegt. Der Verband bezog sich dabei nicht spezifisch auf das Nike-Exemplar. Bisher gilt die Regel, dass ein Schuh für alle Athleten frei zugänglich sein müsse und den Sportlern keinen unfairen Vorteil bieten dürfe.

Die Athleten sind jedoch durch Sponsorenverträge oft an andere Ausrüster gebunden. Außerdem sei der Nike-Schuh aufgrund seiner neuartigen Bauweise energieeffizienter als andere Laufschuhe, sagen Kritiker. Nike selbst reagierte bisher auf eine Anfrage des SPIEGEL nicht.

"Die Luftkissen im Zusammenspiel mit dem Carbonplatten stellen ein federndes Element dar. Allerdings sind die Carbon-Platten seit Längerem in Gebrauch", sagte Uwe Kersting, Sportwissenschaftler vom Institut für Biomechanik und Orthopädie an der Sporthochschule Köln, der Deutschen Presse-Agentur. "Man kann damit die Laufökonomie gering verbessern."

luk/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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Aqualungs Breath 23.10.2019
1. Vielleicht sehe ich das ja falsch,
Aber besteht der einzige Wettbewerbsnachteil darin, dass nicht alle den neuen Superschuh haben können? Ist das dann das Problem von NIKE oder das der Verträge der anderen Athleten?
herwescher 23.10.2019
2. Diese kostenlose Reklame ...
... dürfte für Nike mehrere 100 Mio Dollar wert sein: "Der Schuh, der so schnell ist, dass er verboten wird!" Will jeder Hobby-Läufer haben ...
der_rookie 23.10.2019
3. Hm
Gab es noch im 400 Metersprint einen Unterschenkelamputierten, dessen Prothese eine solche Federwirkung erzeugte, dass er schneller als Jeder gesunde lief? Ich dachte solche Prothesen sind bei Rennen außerhalb der Behindertenszene nicht zugelassen. Wenn ich nun zwei solche Prothesen nehme, ein bisschen Turnschuhstoff außen herum spanne und dann am Fuß festbinde, dann ist der Feder/Katapulteffekt weiterhin gegeben. Ich wette: Wenn dieser Schuh erlaubt bleibt, dann werden bald die Schuhe von Spitzenläufern viel länger werden (um längere Hebel/Feder-Wirkungen zu erreichen).
oloh 23.10.2019
4. Vaporfly
Ich nenne den Vaporfly mein eigen. Laufe damit auf 10 km locker mal 1-2 Minuten schneller als mit einem Epic React oder einem Boost. Der Reboundeffekt ist beglückend, gerade für schwergewichtige Läufer (> 80 kg) wie mich. Der Nachteil: Mit der Carbonplatte hat der Schuh eine geplante Obsoleszenz eingebaut; die liegt bei ça 250 km. Und das bei dem Preis (roundabout 250,- Euro)! Also für Nichtmillionäre: Besser nur zum Wettkampf einsetzen.
hegoat 23.10.2019
5.
Federnd? Wo soll denn da die Grenze gezogen werden? Auch jede Gummisohle federt. Zwar nicht viel, aber sie tut es. Und die etwas teuere Gummisohle noch etwas mehr. Und die Carbonsohle noch etwas mehr. Und Nikes Schuh... Sie verstehen, worauf ich hinaus will.
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