Finale der "League of Legends"-WM Winther is coming

Nach seiner Niederlage mit dem Fnatic-Team im WM-Finale 2018 kehrt Rasmus "Caps" Winther auf die größte Bühne des E-Sports zurück. Mit seiner neuen Mannschaft G2 steht er vor einem historischen Triumph.

"Claps" oder "Craps" - Rasmus Winther hat zwei Gesichter
Colin Young-Wolff/ Riot Games

"Claps" oder "Craps" - Rasmus Winther hat zwei Gesichter

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Wenn es wichtig wird, verlassen sich alle auf ihn. Rasmus Winther kennt das nicht anders. Seit er professionell "League of Legends" spielt, hat "Caps", wie er im Spiel heißt, eine Aufgabe: sein Team zum Sieg tragen.

Oft klappt es, aber auch nicht immer. Bei der "League of Legends"-Weltmeisterschaft 2018 in Südkorea führte der damals 18-Jährige sein Team Fnatic als einer der überragenden Spieler des Turniers bis ins Finale. Im Endspiel musste er aber feststellen, dass auch er Gegner Invictus Gaming nicht daran hindern konnte, sein Team auf der größten Bühne des E-Sports zu überrennen.

Fnatic war ganz nah dran, Geschichte zu schreiben. Als erster europäischer Finalteilnehmer seit dem eigenen Triumph bei der Premieren-WM 2011 hatte es die Titelchance. Doch die große Story gehörte Invictus, das sich zum ersten chinesischen Weltmeister überhaupt krönte.

Ein Jahr später kommt es bei der WM in Europa erneut zu einem europäisch-chinesischen Finale. Doch wenn am heutigen Sonntag in Paris (13 Uhr, Stream: LoL Esports/Twitch) der neue Weltmeister gesucht wird, sind weder Fnatic noch Invictus Gaming vertreten. Als Einziger wieder dabei ist Winther. Mit seinem neuen Team G2 Esports möchte er FunPlus Phoenix schlagen und bei seiner dritten WM-Teilnahme erstmals den Titel gewinnen.

Traum vom Grand Slam

Im Spiel ist die Position des Dänen die Mid Lane, die zentrale Route zwischen den beiden Befestigungsanlagen der gegnerischen Teams. Diese Rolle hat in Europa eine Tradition namhafter Spieler. Sie reicht vom legendären Alexey "Alex Ich" Ichetovkin über die großen Rivalen Enrique "xPeke" Cedeño und Carlos "ocelote" Rodríguez bis zu Søren "Bjergsen" Bjerg, der in der nordamerikanischen Liga zum Star wurde. "Caps'" größter sportliche Widersacher auf der prominentesten Position im Spiel war in der europäischen Liga Luka "Perkz" Perkovic. Mittlerweile ist er es nicht mehr.

Denn zur aktuellen Saison räumte "Perkz" seine Position bei G2, um Platz für "Caps" zu machen. "Perkz" suchte sich eine neue Heimat als AD Carry auf der Bot Lane, ebenfalls eine prominente Rolle im Team. Doch die beiden sind nur das Herzstück einer Ansammlung hochtalentierter Spieler, die schon vor dem Finale als das bislang beste Team in der europäischen "League of Legends"-Geschichte gilt.

"Perkz" (links) wurde vom Rivalen zum Teamkollegen
Colin Young-Wolff/ Riot Games

"Perkz" (links) wurde vom Rivalen zum Teamkollegen

"Ich bin mir sicher, dass es bei G2 etwas Neues und Einzigartiges wird, das so noch niemand gesehen hat", hatte Winther dem SPIEGEL vor dem Start der aktuellen Saison gesagt. Die Monate danach gaben ihm recht: Das Team ging nicht nur als bestes Team in Europa durch die Saison, sondern gewann auch als erstes westliches Team überhaupt das Mid Season Invitational, die Generalprobe zur WM. Es könnte als erstes Team überhaupt den Grand Slam, alle Titel in einer Saison, gewinnen.

Zwischen "Claps" und "Craps"

Bei "League of Legends" ist es ein besonderer Ritterschlag, wenn die Gegenspieler einen Spieler "Faker" rufen. Das bezieht sich nämlich nicht auf unfaire Hilfsmittel im Spiel, sondern ist ein Vergleich der Spielweise mit Lee "Faker" Sang Hyeok, dem besten Spieler der Geschichte.

"Caps" nach der Niederlage im WM-Finale 2018
Tina Jo/ Riot Games

"Caps" nach der Niederlage im WM-Finale 2018

Winther, der in einer gamingbegeisterten Familie mit einem Bruder aufwuchs, der ebenfalls professionell spielte, fiel schon in jungen Jahren in der europäischen "League of Legends"-Szene auf. In jungen Jahren bekam er den Beinamen "Baby-Faker", weil seine herausragenden mechanischen Fähigkeiten Mitspieler und Gegenspieler an den südkoreanischen Superstar erinnert haben sollen.

Was "Caps" als Spieler besonders macht, ist seine Fähigkeit, außerhalb bestehender Muster zu denken. Er wählt im Spiel ungewöhnliche Spielcharaktere, findet unkonventionelle Lösungen. Und er liebt das Risiko. Seine waghalsige Spielweise hat ihm gleich zwei Spitznamen eingebracht: "Claps" und "Craps". "Claps" zeigt in den besonderen Situationen die ganz großen Spielzüge und entscheidet Partien im Alleingang. "Craps" macht Fehler, die selbst Hobbyspielern peinlich wären.

Bei G2 blüht "Caps" auf

Sein aktuelles Team liebt es genau wie Winther, den Gegner durch kreative Spielzüge zu überrumpeln. Im aggressiven Spielstil von G2 blüht er noch mehr auf. Die Qualität seiner Mitspieler erlaubt es ihm, sich auch mal aus der Verantwortung zu nehmen.

Wie im WM-Halbfinale gegen SK Telecom T1 um Superstar "Faker": Winther trug sein Team zwar bis zur Entscheidung, dann übernahm jedoch "Perkz" das Ruder und sicherte seinem Team den Finaleinzug.

Über Jahre war nicht daran zu denken, dass ein europäisches Team Weltmeister werden kann. In diesem Jahr ist das anders. Denn "Caps" hat Verstärkung mitgebracht.

Mehr zu G2 Esports im Video:

Michal Konkol/Riot Games


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