E-Sport-Superstar "Faker" Die Rückkehr des Königs

Lee "Faker" Sang-hyeok ist der beste League-of-Legends-Spieler der Geschichte, doch zuletzt häuften sich die sportlichen Misserfolge. Bei der WM in Europa geht es für ihn nicht nur um den Titel.
Lee "Faker" Sang-hyeok wurde dreimal Weltmeister

Lee "Faker" Sang-hyeok wurde dreimal Weltmeister

Foto: David Lee/ Riot Games

Es ist das Risiko jener, die ganz oben sind, tiefer zu fallen als alle anderen. Und vor fast genau zwei Jahren stürzte Lee Sang-hyeok ins Bodenlose.

Lee ist weltweit unter seinem Namen "Faker" bekannt und spielt professionell League of Legends. Genauer: Der 23-Jährige ist der beste Spieler, den diese Disziplin bislang hervorgebracht hat. Dreimal führte der Südkoreaner sein Team SK Telecom T1 zum Weltmeister-Titel, ab heute spielt er bei der WM in Europa (ab 14 Uhr, Livestream: Twitch) um seinen vierten Titel. Es ist der wohl wichtigste seiner Karriere. Denn sein Ruf als "Unkillable Demon King", der unbesiegbare Dämonenkönig, wie seine Fans ihn nennen, hat seit November 2017 Risse bekommen.

Fans in Taipeh - "Faker" ist ein Popstar in Südkorea

Fans in Taipeh - "Faker" ist ein Popstar in Südkorea

Foto: Colin Young-Wolff/ Riot Games

Bei der WM in China lief zunächst alles wie gewohnt. Nach einem kleinen Wackler gegen die europäischen Außenseiter vom Team Misfits im Viertelfinale zog SKT durch einen Sieg gegen den Geheimfavoriten Royal Never Give Up ins Finale im "Bird's Nest", dem Olympiastadion in Peking, ein. Doch statt den dritten Titel in Folge zu gewinnen, wurde das Spiel für "Faker" und sein Team zum Desaster. SKT verlor nicht nur erstmals ein WM-Finale, sondern ging gegen den koreanischen Gegner Samsung Galaxy regelrecht unter. Es war eine Niederlage mit Folgen.

Die Geschichte eines Virtuosen

Lee war bereits für sein einzigartiges Talent bekannt, als es "Faker" noch gar nicht gab. Unter dem Namen "GoJeonPa" mischte er ab Anfang 2011 die koreanische League-of-Legends-Szene auf. Als er Anfang 2013 zum Top-Spieler der Liga aufstieg, nahm ihn der koreanische Telekommunikationsriese SK Telecom unter Vertrag und baute um ihn herum ein E-Sport-Team auf. Aus "GoJeonPa" wurde "Faker".

"Ehrlich gesagt interessiert sich 'Faker' für wenig außerhalb des Spiels", sagte sein Trainer Kim "kkOma" Jeong-gyun einmal. "Wenn er nicht gerade isst, spielt er den gesamten Tag League of Legends." Mit weniger Einsatz wird man nicht zur Nummer eins in einem Spiel, das weltweit annähernd 100 Millionen Menschen spielen.

Bei League of Legends wählen Spieler aus über 140 Charakteren aus, die nicht nur unterschiedliche Grundeigenschaften haben, sondern auch über fünf individuelle Sonderfähigkeiten verfügen. "Faker" kennt sie nicht nur alle, sondern hat auch im Kopf, wie oft sein direkter Gegner sie einsetzen kann. Er weiß, wie sich das Kräfteverhältnis mit aufsteigenden Leveln verändert. Er überblickt genau, wie sich Spieler mit neuen Ausrüstungsgegenständen verbessern. Was sich schon kompliziert liest, ist im Spiel eine noch kompliziertere Gemengelage, die sich sekündlich verändert.

Doch das direkte Duell ist nicht alles, das gesamte Spiel ist in einem ständigen Fluss. Ein Spieler muss nicht nur die Stärke seines Gegenübers einschätzen können, sondern muss möglichst jede Bewegung auf der gesamten Spielkarte erfassen. Niemand hat diesen Fluss bisher so durchdrungen wie "Faker". Hinzu kommen seine herausragenden mechanischen Fähigkeiten. All das trainiert er täglich gegen die besten Spieler der Welt in der koreanischen Liga. Zumindest galt sie lange als das Maß aller Dinge.

Das koreanische Debakel

Ab dem Jahr 2011 werden jährlich Weltmeisterschaften ausgetragen, seit 2013 gewann jedes Jahr ein südkoreanisches Teams den Titel. SKT siegte 2013 und wiederholte den Erfolg 2015 und 2016. Doch schon während dieser Zeit zeichnete sich ab, dass die Dominanz der koreanischen Liga nicht für immer andauern würde.

"Faker" auf dem Höhepunkt: Hier posiert er er vor dem Staples Center in Los Angeles - kurz bevor er seinen dritten WM-Titel gewinnt

"Faker" auf dem Höhepunkt: Hier posiert er er vor dem Staples Center in Los Angeles - kurz bevor er seinen dritten WM-Titel gewinnt

Foto: Colin Young-Wolff/ Riot Games

Im Herbst 2014 zog es die ersten koreanischen Spieler in die chinesische Liga, gelockt durch hohe Gehälter. Immer mehr Talente folgten und die Wanderbewegung wurde als "Korean Exodus" bekannt. "Faker" blieb seiner Heimat treu. Dennoch hatte die Wanderbewegung Folgen: Ausgerechnet 2018, als die WM in Südkorea stattfand, erlebte die große E-Sport-Nation ein Debakel.

Gen.G scheiterte als amtierender Weltmeister unter neuem Namen bereits in der Gruppenphase, mit den Afreeca Freecs und KT Rolster verabschiedeten sich die übrigen südkoreanischen Teams im Viertelfinale. Am Ende gewann mit Invictus Gaming erstmals ein chinesisches Team den WM-Titel.

Wenn 2018 für Südkorea eine Blamage war, war es für "Faker" ein Fiasko. Nach dem verlorenen Finale 2017 war sein Team in der regulären Saison gestrauchelt, auch ins Spiel des Superstars schlichen sich ungekannte Fehler ein. SKT war erstmals seit 2014 überhaupt nicht bei der WM vertreten.

Die Neuordnung der League-of-Legends-Welt

Mittlerweile scheint SKT das Trauma des WM-Finales 2017 verkraftet zu haben. Zur aktuellen Saison wurde um "Faker" herum ein neues Star-Team aufgebaut. Mit Erfolg: In der heimischen Liga ist SKT wieder erstarkt, qualifizierte sich als erstes Team für die WM in Europa.

"Faker" (rechts) in Tränen: Nach dem 4. November 2017, der Final-Niederlage von SKT, wurde alles anders

"Faker" (rechts) in Tränen: Nach dem 4. November 2017, der Final-Niederlage von SKT, wurde alles anders

Foto: Colin Young-Wolff/ Riot Games

Doch das Finale von Peking war nicht nur ein Einschnitt für "Faker" und SKT, es hat die gesamte League-of-Legends-Welt durcheinandergebracht. Invictus brachte zwar die erste Dynastie zu Fall, an der Spitze behaupten konnte sich das Team jedoch nicht.

Beim Mid-Season Invitational, dem ersten großen weltweiten Kräftemessen vor der WM, scheiterte Invictus überraschend im Halbfinale am nordamerikanischen Außenseiter Team Liquid. Mit G2 Esports triumphierte am Ende ein europäisches Team, nachdem es SKT im Halbfinale besiegt hatte.

Nun kehrt "Faker" erstmals auf die ganz große Bühne zurück. Nach wie vor ist er der Star der Szene, in diesem Jahr wählte ihn "Forbes" unter Asiens 30 wichtigste Persönlichkeiten unter 30 Jahren . Doch ihm geht es noch immer vor allem um das Spiel. Deshalb will "Faker" bei der WM in Europa nicht nur den Titel gewinnen, er will der gesamten Welt zeigen, dass der Thron noch immer ihm gehört.

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