Lee vs. Love King am Ring

David Lee und Kevin Love sind beide Power Forwards. Damit hören die Gemeinsamkeiten der NBA-Profis aber fast schon auf. Lee lebt von seiner Athletik, Love ist ein intelligenter Arbeiter. Das Basketballmagazin "FIVE" analysiert, welcher der beiden Spieler besser ist.
Warriors-Profi Lee: Nur schwer zu verteidigen

Warriors-Profi Lee: Nur schwer zu verteidigen

Foto: EZRA SHAW/ AFP

Wenn NBA-Profis die New York Knicks verlassen, dann zeigen sie bei ihren neuen Clubs meist keine Glanzleistungen. Dieses Phänomen könnte man "D'Antoni-Kater" nennen. Es befällt viele Akteure, sobald sie das System von Knicks-Coach Mike D'Antoni verlassen. Zuvor mit allerlei offensiven Freiheiten ausgestattet, werden die eigenen Statistiken schlechter, weil das eigene Team weniger Angriffe hat.

Genau dieses Schicksal ereilt derzeit David Lee. Nach seinem Wechsel von den Knicks zu den Golden State Warriors wirft der Power Forward so schlecht wie noch nie in seiner NBA-Karriere. Die Problemzone liegt dabei in der Distanz zwischen drei und 4,5 Metern. Aus diesem Bereich trifft der 27-Jährige nur 29,3 Prozent seiner Würfe - bei den langen Zwei-Punkte-Würfen (4,5 bis sieben Meter) sind es sogar nur 27 Prozent. Bei den Knicks war er in der vergangenen Saison aus diesen Bereichen noch mit 45,3 (drei bis 4,5 Meter) und 43 Prozent positiv aufgefallen. Vor allem die Entwicklung seines Distanzwurfs (ausgenommen Dreier) war sehr erfreulich.

Lee ist zudem schwer zu verteidigen: Er ist athletisch, beherrscht das Pick-and-Roll und den Sprungwurf. Früher war er ein reiner Athlet, der nach dem Blocken-und-Abrollen punkten konnte. Vergangenes Jahr fügte Lee außerdem den Sprungwurf zu seinem Repertoire hinzu. Seine Leistungen werden sich wohl in den kommenden Wochen normalisieren, sobald er sich vollends an die neue Umgebung gewöhnt hat.

Eine Sache, die sich allerdings kaum ändern dürfte, sind seine Probleme in der Verteidigung. Abgesehen von Rebounds ist Lee nirgends gut. Er ist ein schlechter Help-Verteidiger, der kaum Würfe blockt und generell Probleme mit dem Erkennen gegnerischer Angriffszüge zu haben scheint. In New York wurde darauf auch kaum geachtet. Vielleicht macht Lee hier demnächst noch einen Sprung.

Vergleich: Kevin Love vs. David Lee

David Lee Kevin Love
Alter 27 22
Größe 2,06 Meter 2,08 Meter
Gewicht 108,9 Kilo 117,9 Kilo
Erfahrung 5 Saisons 2 Saisons
Punkte* 16,0 21,3
Rebounds* 9,6 15,5
Blocks* 0,4 0,4
Assists* 3,4 2,5
Wurfquote* 49,3% 47,0%
*Saison 2010/2011

Kevin Love: Rebound als Spezialität

An Kevin Love von den Minnesota Timberwolves ist vor allem seine Rebound-Statistik auffällig. Mit durchschnittlich 15,5 Rebounds pro Partie führt er die NBA an. Seit 1980 gelangen nur fünf Spielern mindestens 15,0 Rebounds pro Spiel in einer Saison: Ben Wallace, Dennis Rodman (fünfmal), Kevin Willis, Moses Malone und Swen Nater. Dabei ist es keine überragende Athletik, die Love an den Brettern erfolgreich macht, sondern vor allem Intelligenz, der Wille, das Gespür für den Ball und die vielen kleinen Techniken des Reboundings, die so in der Liga kein anderer beherrscht. Das gilt auch für seine überragenden Outlet-Pässe, die schnelle Angriffe der Timberwolves einleiten.

Überraschender als seine Rebound-Statistik ist die Tatsache, dass Love in der laufenden Saison über 20 Punkte pro Partie erzielt. Warum? Weil er im Bereich von bis zu drei Metern Entfernung zum Ring in diesem Jahr so oft wirft wie nie zuvor (4,1 Versuche). Hier macht sich die Arbeit im Sommer bezahlt, die Loves Hakenwurf enorm verbesserte.

Gleichzeitig darf der Power Forward endlich zeigen, dass er ein echter Dreierschütze ist. 3,1 Distanzwürfe versucht er pro Partie, bei einer Trefferquote von 43 Prozent - die zweitbeste Quote unter allen Power Forwards in der NBA in dieser Saison.

So gut sein Spiel aber auch sein mag, Loves Verteidigung ist und bleibt ein Problem. So intelligent Love im Angriff spielt, so lethargisch ist er in der Defensive. Vorne mental stets präsent, kommt er defensiv oft zu spät, wenn er helfen muss, was auch an der mangelhaften Fußschnelligkeit liegt. Weder als Blocker von Würfen noch beim Ziehen von Offensivfouls ist er zu gebrauchen.

Vergleich: Kevin Love vs. David Lee

David Lee Kevin Love
Alter 27 22
Größe 2,06 Meter 2,08 Meter
Gewicht 108,9 Kilo 117,9 Kilo
Erfahrung 5 Saisons 2 Saisons
Punkte* 16,0 21,3
Rebounds* 9,6 15,5
Blocks* 0,4 0,4
Assists* 3,4 2,5
Wurfquote* 49,3% 47,0%
*Saison 2010/2011

Fazit: Lee oder Love?

Defensiv unterscheiden sich Love und Lee kaum - und das ist kein Kompliment. Beide müssen sich zumindest als Teamverteidiger verbessern. Offensiv liegen Lees Vorteile in der Athletik. Dadurch kann er das Pick-and-Roll effektiv abschließen oder im Break zu einfachen Punkten kommen. Mit dem verbesserten Mitteldistanzwurf kann er außerdem den eigenen Drive besser mit einer Täuschung vorbereiten.

Love ist im Angriff trotzdem der vielseitigere Akteur. Sein Wurf ist bis hinter die Dreierlinie enorm sicher, er ist ein extrem guter Passgeber und versteht es, immer an der richtigen Stelle zu stehen - nicht nur beim Offensivrebound. Er ist eigentlich ein "Glue Guy", also ein Spieler, der den eigenen Angriff am Laufen hält, indem er für die nötige Raumaufteilung sorgt und das Spiel liest. Love ist allerdings noch mehr als das. Er ist schon im NBA-Allstar-Team - und der Sieger dieses Duells.

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