Leichtathletik Spitzensport-Reform droht Verzögerung

Ein Reformpaket sollte die Medaillenausbeute deutscher Sportler bei Olympia steigern. Nun zeichnen sich erhebliche Verzögerungen ab. Der DOSB ist verärgert - und sieht die Politik in der Schuld.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (r.) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (Archivbild)
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DOSB-Präsident Alfons Hörmann (r.) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (Archivbild)


Alfons Hörmann warnt vor einer erheblichen Verzögerung bei der Umsetzung der Spitzensportreform. "Wenn sich die Dinge so weiter entwickeln, laufen wir Gefahr einen kompletten Olympia-Zyklus zu verlieren", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Er fürchte sogar, dass die beschlossene Leistungssportreform nicht wie geplant bei den Sommerspielen 2020 in Tokio greift und dort für eine Verbesserung der Medaillenbilanz sorgen kann. Von Mittwoch bis Freitag beraten DOSB und andere Spitzenverbände aus dem Sport in Berlin, wie ein Scheitern verhindert werden kann.

Unklarheit herrscht weiter über die für die Umsetzung der vereinbarten Reform vom Bundesinnenministerium versprochenen zusätzlichen 39 Millionen Euro. Im Entwurf des Bundeshaushalts für 2018 ist die Erhöhung nicht enthalten. Entschieden wird darüber erst nach der Bundestagswahl am 24. September.

"Die 39 Millionen wären aber eine symbolisch und psychologisch wichtige Zahl gewesen, die uns und den Spitzenverbänden gezeigt hätte, dass die Politik Wort halten wird", sagte Hörmann und stellte klar: "Ohne erheblichen Mittelaufwuchs ist die Umsetzung der Leistungssportreform jetzt und später nicht möglich." Der Frust sei groß, dass die Politik die Sportverbände in einem "finanziellen Vakuum belässt".

Dem DOSB könnten eventuell noch von einer anderen Seite Konflikte bevorstehen. Die im Mai berufene Kommission zur Berechnung zukünftiger Sportförderungen wird voraussichtlich deutlich später als geplant ihre Arbeit aufnehmen. Die sogenannte PotAS-Kommission stellt einen Eckpfeiler des Reformplans dar, der das finanzielle Förderprogramm zukünftig konsequenter an Erfolgsperspektiven ("Potenzanalyse") ausrichten soll. "Die neueste Botschaft der letzten Tage ist, dass sie zur nüchternen Erkenntnis gekommen ist, dass in den Jahren 2017/2018 wohl kaum konkret verwertbare Ergebnisse vorliegen werden", sagte Hörmann.

lst/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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alexander72 20.06.2017
1. Wieso ist das ein Leichtathletik Thema ????
Es geht um den gesamten olympischen Spitzensport. Warum wird das auf Leichtathletik reduziert ? Ganz abgesehen davon ist es etwas merkwürdig das sich die Politik nicht an die Zusagen hält oder hat Hörmann ohne klare Zusagen gehandelt ?
ptb29 20.06.2017
2. Und der Sport in den kleinen Vereinen,
die ehrenamtlich geführt werden, und die die zukünftigen Spitzensportler erst mal entdecken und ausbilden sollen, bleiben auf der Strecke.
willi_ac 20.06.2017
3. Ich brauche keine verbesserten Medaillenbilanz
Wer die Medaille zum Maßstab macht, wird immer wieder mit der Pest der unlauteren Methoden zur Erlangung eines Vorteils zu kämpfen haben. Ist im "normalen" Arbeitsleben auch so: wer zu stark mit "Leistungsanreizen" im Gehalt gelockt wird, wird häufig zur "Scheinleistung" verführt und mancher Teamspieler, der weniger auf das Selbstmarketing setzt, wird frustiert.
klugscheisser64 20.06.2017
4. Ich lach' mich schlapp!!!
Es war ja schon Vorfeld sogar für Außenstehende klar, dass die Politik auf Zeit spielt. Das ist nicht neu. Zum Deppchen der Nation werden da vor versammelter Presse dann die DOSB-Funktionäre gemacht, die diesen Mist ihren Leuten verkaufen müssen. Den DOSB nimmt in Berlin niemand mehr ernst und die Abhängigkeit des organisierten Sports, insbesondere des (Hoch)Leistungssportes, vom BIM ist so immens, dass sie sich dort alles erlauben können. Warum? Weil hier in der kompletten Breite auch "Die vierte Gewalt" kläglich versagt, geblendet von täglichen Einerlei rund um die Lederkugel. ... Ich lach' mich schlapp, wenn es nicht so durchschaubar traurig wäre.
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