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29. August 2015, 12:52 Uhr

Höchstleistungen bei WM

Kenias Athleten unter Verdacht

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Kenia ist bisher die überragende Nation bei der Leichtathletik-WM in Peking. Dopingfahnder betrachten die Erfolge mit Argwohn.

Man wünscht sich, die Geschichte von Julius Yego sei tatsächlich das schöne Märchen, nach dem es sich anhört. Das Märchen von dem jungen Mann, der sich im fernen Afrika die besten Speerwerfer der Welt auf YouTube-Videos anschaute, davon so begeistert war, dass er beschloss, selbst Speerwerfer zu werden, und jetzt der alles überragende Weltmeister in dieser Disziplin ist.

Das wäre ein Märchen, in dem keine Hexenküche vorkommt, kein Zaubertrank. Es kann sein, dass es tatsächlich so ist, dann wäre es wahrlich eine der schönsten Geschichten, die die Welt-Leichtathletik derzeit zu bieten hat. Aber man darf zweifeln. Yego startet für Kenia, das Land, das bei dieser Weltmeisterschaft in Peking den Medaillenspiegel dominiert wie nie zuvor. Und nicht nur deswegen den Argwohn aller erweckt, die sich dem Anti-Doping-Kampf verschrieben haben.

Bis zum Mai lag Yegos Bestmarke bei 85,40 Meter, schon dies ist für einen Speerwerfer eine beeindruckende Weite, niemand in Afrika hat je weiter geworfen. In Ostrava am 26. Mai warf er dann 86,88 Meter, am 4. Juni in Rom 87,71 Meter, drei Tage später in Birmingham 91,39 Meter. Bei der WM in Peking schleuderte der 26-Jährige das Gerät auf 92,72 Meter. Eine Verbesserung der eigenen Rekordmarke um sieben Meter in so kurzer Zeit ist in diesem Spitzenbereich, um es vorsichtig auszudrücken, ungewöhnlich.

"Selbst gewundert, dass ich so schnell laufen kann"

Es hat bei diesen Weltmeisterschaften bisher offiziell drei Dopingfälle gegeben. Zwei davon betrafen kenianische Athleten. Die 400-Meter-Läuferin Joyce Zakary war im Vorlauf noch neuen Landesrekord gelaufen und hatte sich danach selbst gewundert, "dass ich so schnell laufen kann". Zum Halbfinale trat sie dann nicht mehr an, zunächst ohne Angabe von Gründen, später wurde bekannt, dass sie positiv getestet worden war. So wie ihre Sprintkollegin Koki Manunga.

Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Die ARD und die "Sunday Times" hatten schon zu Beginn der Wettkämpfe über die laxen Dopingkontrollen in dem afrikanischen Land berichtet und darüber, dass bei Nachproben aus früheren zahlreiche kenianische Athleten auffällige Werte aufgewiesen hätten.

Der ehemalige Verbandschef Isaiah Kiplagat, der bis zum Mai mehr als 20 Jahren an der Spitze der kenianischen Leichtathletik gestanden hat, hat alle Vorwürfe als Unsinn bezeichnet. Ihm selbst wird jedoch vorgeworfen, er und sein Verband hätten systematisch Dopingfälle vertuscht.

Vor dem abschließenden Wochenende der WM hat Kenia sechs Mal Gold gewonnen, drei Mal Silber und zwei Mal Bronze. Weder die US-Amerikaner noch die Briten und die Deutschen, erst recht nicht die Russen konnten und können da mithalten. Und es folgen noch die Entscheidungen über die 5000 Meter bei Männern und Frauen, da wird es weitere Medaillen für die Afrikaner geben.

Bestzeit um eine halbe Sekunde unterboten

Die nicht nur mehr über die Langstrecke, ihre traditionelle Domäne, triumphieren. Über 400 Meter Hürden lief Nicholas Bett die Konkurrenz in Grund und Boden. Seine Siegerzeit blieb bei 47,79 Sekunden stehen. Bislang stand seine Bestmarke bei 48,29 Sekunden.

Im Land selbst werden Dopingkontrollen weitgehend willkürlich durchgeführt oder unterlassen. Seit Jahren wird angekündigt, dass ein Kontrolllabor in Nairobi gegründet werde. Es ist bisher bei der Ankündigung geblieben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada lässt die Dinge weitgehend laufen. Deren Direktor Craig Reedle wurde in der Vorwoche in der ARD mit dem Satz zitiert, dies sei Angelegenheit der Kenianer, dort werde man sich nicht einmischen. "Die kenianischen Behörden wissen doch, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen."

Der frühere kenianische Weltmeister über 3000 Meter Hindernis, Moses Kiptanui, hat der französischen Zeitung "L'Équipe" dieser Tage ein Interview gegeben. Er hat darin gesagt, dass er sich Leichtathletik im Fernsehen nicht mehr anschaue, dass er Stadionbesuche meide, weil man "nicht mehr weiß, wer sauber ist".

Und der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Thomas Kurschilgen, sprach in seiner WM-Zwischenbilanz den vielsagenden Satz: "Wir bewegen uns im Spitzensport auf einem Weg, wo Leistungen scheinbar immer weniger manipulationsfrei erbracht werden." Er regte an, "Nationen mit großen Doping-Problemen von internationalen Meisterschaften auszuschließen".

Kenia hat er dabei nicht ausdrücklich erwähnt. Musste er auch nicht.

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