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21. Juli 2016, 11:19 Uhr

Cas-Urteil

Russische Leichtathleten dürfen nicht nach Rio

Der Internationale Sportgerichtshof hat den Einspruch von 68 russischen Leichtathleten gegen den Olympia-Bann abgewiesen. Nun droht Russlands komplettem Team eine Sperre für die Spiele in Rio.

Russische Leichtathleten dürfen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nicht starten. Der Internationale Sportgerichtshof Cas wies in Lausanne den Einspruch von 68 russischen Athleten gegen ihren Olympia-Ausschluss zurück.

Damit bestätigte der Cas das Urteil des Weltverbands IAAF vom 17. Juni, nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zuvor ein flächendeckendes, systematisches Doping in der russischen Leichtathletik belegt hatte. Doch die Entscheidung könnte auch Konsequenzen für das gesamte russische Olympia-Team haben.

Das Urteil gilt als wegweisend für eine Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bezüglich einer Sperre aller russischen Sportler für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August).

Am Montag war aus einem Bericht der Wada hervorgegangen, dass Russland bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 ein Verschleierungssystem benutzt hatte, um positive Dopingproben seiner Athleten verschwinden zu lassen. Als Reaktion auf den Wada-Bericht hatte das IOC die Entscheidung darüber, ob russische Sportler an den Spielen in Rio teilnehmen dürfen, zunächst vertagt, weil man die Cas-Entscheidung über eine Berufung der russischen Leichtathleten abwarten wollte. Das IOC will sich bis zum kommenden Dienstag äußern.

"Idee einer kollektiven Schuld nur schwer zu akzeptieren"

In Russland stieß das Urteil auf Kritik. "Ich bedauere diese Entscheidung", sagte Russlands Sportminister Witalij Mutko in einem ersten Statement, in dem er von einer "Kollektivstrafe" gegen die russischen Athleten sprach. "Wir werden nun über unsere nächsten Schritte beraten. Ich denke, die Entscheidung ist auch politisch motiviert und hat keine rechtliche Grundlage." Auch der Kreml äußerte sich entsprechend. "Die Idee einer kollektiven Schuld ist aus unserer Sicht nur schwer zu akzeptieren", sagte Dmitrij Peskow, Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Die IAAF erklärte zur Entscheidung, der Cas habe "Chancengleichheit geschaffen". IAAF-Präsident Sebastian Coe betonte dennoch, dass "dies kein Tag für triumphale Statements" sei.

Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) hat die Bestätigung die Sperre begrüßt. "Der Ausschluss ist damit nicht nur politisch, sondern auch rechtlich bestätigt. Die Nada fordert gemeinsam mit anderen Nados (Nationale Anti-Doping Organisationen, d. Red.) das IOC auf, nun zu handeln und dafür zu sorgen, dass auch die russischen Athletinnen und Athleten anderer Sportarten von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden", gab die Agentur in einem Statement bekannt.

mon/dpa/sid/Reuters

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