Leichtathletik Deutsche Männer schwächeln

Beim Europacup-Finale in Bremen konnten die deutschen Damen überzeugen. Um die deutsche Herrenmannschaft muss man sich indes Sorgen machen.


Karsten Kobs: Edmonton-Reise in Frage gestellt
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Karsten Kobs: Edmonton-Reise in Frage gestellt

Bremen - Während die deutschen Leichtathletinnen am Samstag zur Halbzeit des Europacup-Finals in Bremen mit 61 Punkten auf Rang zwei hinter dem souveränen Titelverteidiger Russland (70) liegen, gehen die Männer chancenlos in den zweiten Tag. Der Vorjahreszweite stürzte am Samstag mit 38 Zählern auf Rang sieben ab und muss sogar um den Verbleib in der Superliga zittern. Spitzenreiter ist Polen mit 56 Punkten.

"Unsere Athleten müssen sich noch steigern"


Für die deutschen Siege sorgten am Samstag ausnahmslos die Frauen. Weltmeisterin Franka Dietzsch aus Neubrandenburg gewann das Diskuswerfen, Grit Breuer (Magdeburg) die 400 Meter und die Sprintstaffel mit Melanie Paschke, Birgit Rockmeier, Sina Schielke und Marion Wagner überraschend die 4 x 100 Meter in 43,02 Sekunden. "Unsere Athleten müssen sich noch steigern", befand DLV-Präsident Clemens Prokop im Hinblick auf die Weltmeisterschaften Anfang August in Edmonton.

Nach ihrem Erfolg mit 64,04 Meter vor der Russin Natalja Sadowa und Nicoleta Grasu aus Rumänien wunderte sich Franka Dietzsch: "Damit hatte ich nicht gerechnet, denn vor 14 Tagen hatte ich gegen die beiden nicht den Hauch einer Chance". Die 33-Jährige, die nach einer Meniskusoperation im November vergangenen Jahres erst spät in die Saison einsteigen konnte, sah Bremen nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Kanada an.

Grit Breuer zuversichtlich


Über die Stadionrunde zeigte Europameisterin Grit Breuer der Konkurrenz die Hacken. In 50,49 Sekunden absolvierte die Magdeburgerin die 400 Meter so schnell wie noch nie in diesem Jahr und zeigte sich zuversichtlich für die WM: "Es läuft sehr gut bei mir und geht ständig bergauf. Die Form wird immer besser." Für eine weitere Saisonbestleistung sorgte ihre Clubkollegin Yvonne Teichmann mit 1:59,39 Minuten über 800 Meter. Zweite wurde auch Speerwerferin Steffi Nerius mit 63,12 Meter.

Ansonsten gab es aus DLV-Sicht nicht viele Lichtblicke. Die ohne WM-Norm angereisten Athleten konnten diese auch in Bremen nicht erfüllen und müssen jetzt ganz auf die letzte Chance bei den deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende in Stuttgart setzen. Eine Leistungssteigerung konnte lediglich Hürdenläuferin Heike Meißner aus Chemnitz verzeichnen, die in 55,33 Sekunden eine weitere deutsche Jahresbestzeit über die Stadionrunde lief.

"Mir fehlt das Gefühl"


Weltmeister Karsten Kobs war nach mäßigen 75,79 Metern und Platz fünf zum Auftakt im Hammerwerfen verstimmt. "Es macht nicht so großen Spaß zur Zeit. Mir fehlt das Gefühl", haderte der Leverkusener. Der 29-Jährige will in vier Wochen entscheiden, ob er seinen Titel in Edmonton verteidigt: "Als DLV-Tourist werde ich nicht dahin reisen, dafür ist es zu weit."

Von Eric Dobias, dpa



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