Leichtathletik DLV droht WM-Ausschluss

Der Deutsche Leichtathletik-Verband muss den Ausschluss seiner Athleten von der Hallen-WM befürchten, weil Dieter Baumann am Sonntag bei den nationalen Meisterschaften startete.


Dieter Baumann: Sein Start kann Deutschlands Leichtathleten die WM-Teilnahme kosten
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Dieter Baumann: Sein Start kann Deutschlands Leichtathleten die WM-Teilnahme kosten

Dortmund - "Der Weltverband IAAF kann den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als Mitglied vorübergehend suspendieren, so dass unsere Athleten in Lissabon nicht startberechtigt wären", sagt der designierte DLV-Präsident Clemens Prokop.


"Regelkonforme Konsequenzen"


Das vom DLV-Rechtsauschussvorsitzenden Wolfgang Schoeppe erteilte und vom Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte Startrecht für Baumann interessiert die IAAF wenig. "Der DLV muss mit den regelkonformen Konsequenzen rechnen", warnte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai am Wochenende erneut vor dem Start des bis zum 21. Januar 2002 gesperrten Tübingers. Der Ungar machte den rechtlichen Standpunkt der IAAF unmissverständlich klar: Ein ordentliches Gericht könne nicht in den Zusammenhang eingreifen, "der durch Anerkennung des internationalen Regelwerks durch die nationale Federation entstanden ist".

Deshalb hatte Gyulai Mitte der Woche noch einmal auf den Paragraphen 53.1.ii im IAAF-Regelwerk hingewiesen. Danach droht jenen Aktiven der Entzug des Startrechts, die bei einer Veranstaltung gegen einen suspendierten Athleten antreten. Die von DLV-Präsident Helmut Digel als "lächerlich" bezeichnete Regel will auch Baumann nicht akzeptieren: "Hier geht es nur noch um prinzipielle Fragen: Wer stellt Regeln auf? Mit welchen rechtsstaatlichen Prinzipien sind diese zu vereinbaren? Wer hat sich daran zu halten?"


Sabine Braun fürchtet Sanktionen


Das Wort Sanktionen hing wie ein Damoklesschwert über den deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund. In einem Handzettel wies der DLV alle DM-Teilnehmer auf die Gefahren einer Sperre hin, sicherte jedoch "allen Athletinnen und Athleten, denen insoweit ein Verfahren droht, Rechtsschutz zu". Doch dieses Schreiben erreichte nicht alle DM-Starter. "Davon war mir nichts bekannt. Jetzt muss ich inständig darauf hoffen, dass nichts passiert", sagte die WM-Gold anvisierende Siebenkämpferin Sabine Braun.


Baumann widmet Sieg "dem Täter"


Dieter Baumann ist sich seiner Verantwortung bewusst. "Natürlich habe ich die ganze Woche an die Athleten gedacht. Aber alle Rechtsargumente sind ausgetauscht. Laut Athletenvertrag habe ich eine nationale Startberechtigung", sagte der 5.000-Meter-Olympiasieger. Der deutsche Rekordhalter, der über 3000 Meter in 7:47,29 Minuten vor den beiden Wattenscheidern Jan Fitschen (7:52,92) und Carsten Schütz (7:55,99) deutscher Meister wurde, ging in Dortmund erneut in die Offensive.

"Diesen Titel widme ich dem Täter, damit er sich erinnert. Dieser Mensch weiß, dass ich ihn irgendwann finden werde." Nach dem monatelangen juristischen Tauziehen um seine Startberechtigung öffnete Baumann nach seinem 3000-Meter-Sieg bei den deutschen Hallenmeisterschaften ein neues Kapitel im scheinbar endlosen "Fall Baumann", der mit den positiven Dopingproben im Herbst 1999 begonnen hatte und vom Betroffenen nach wie vor auf eine Manipulation seiner Zahnpasta zurückgeführt wird.



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