Gedopte Top-Sprinter Kaum zu kontrollieren

Die Leichtathletik wird von neuen Dopingvorwürfen erschüttert. Kurz vor der Weltmeisterschaft in Moskau wurden mit Asafa Powell und Tyson Gay gleich zwei Sprint-Stars positiv getestet, wie schon so viele Rekordläufer vor ihnen. Viele fragen sich nun erst recht: Wie sauber ist Usain Bolt?


Hamburg - Es soll gegen Kreislaufschwäche helfen, Symptome wie Schweißausbrüche und Flimmern vor den Augen verhindern: das Stimulans Oxilofrin. Jamaikas Sprint-Star Asafa Powell wurde positiv auf diesen Wirkstoff getestet, der den Blutdruck steigert und die Schlagkraft des Herzens erhöht. Auch die jamaikanische Staffel-Olympiasiegerin Sherone Simpson und drei weitere Athleten von der Karibikinsel wurden mit Oxilofrin erwischt, das auf der Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) als verbotenes Mittel aufgeführt ist. Powells Konditionstrainer wurde in Italien festgenommen.

Powell und seinen Kollegen droht nun eine Sperre, allerdings keine allzu lange: "Stimulanzien sind von der Wada als spezifische Substanz kategorisiert worden, die im Training nicht verboten ist, nur im Wettkampf. Es gibt kein klares Strafmaß für Vergehen mit Stimulanzien. Die Sperre, die manchmal nur wenige Monate beträgt, wird aufgrund der Umstände des Falles festgelegt", sagt Mario Thevis, Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, dem Sport-Informations-Dienst. Den Nutzen von Stimulanzien bezeichnete Thevis als "überschaubar". Die positiven Proben der Jamaikaner waren bei den nationalen Meisterschaften im Juni genommen worden.

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Doping im 100-Meter-Lauf: Nur Bolt ist nicht belastet
Anders ist die Situation bei Tyson Gay. Der US-Amerikaner, bislang der schnellste Mann über 100 Meter in dieser Saison, war nach einer Trainingseinheit positiv getestet worden. Dort wird nicht auf Stimulanzien kontrolliert, ihm droht eine längere Sperre. Gay macht bisher keine Angaben dazu, auf welche Substanz er positiv getestet wurde, kündigte aber an, reinen Tisch machen zu wollen: "Ich werde nicht lügen. Ich werde auch nicht behaupten, dass ich aus Versehen etwas genommen habe. Was immer die Strafe sein wird - ich werde sie akzeptieren wie ein Mann."

Eine erste Konsequenz aus den positiven Proben steht bereits fest: Weder Powell noch Gay werden bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau (10. bis 18. August) an den Start gehen. Der Weg ist frei für Usain Bolt. Der Megastar und Landsmann von Powell ist nicht nur Weltrekordhalter über die 100 Meter (9,58 Sekunden), sondern auch der einzige Läufer aus den Top Ten der schnellsten Männer der Geschichte, der zwar oft kontrolliert, aber noch nie positiv getestet oder belastet wurde.

"Das ist kein unumstößlicher Beweis, wie man durch die Fälle von Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong und Sprintstar Marion Jones weiß", sagt Dopingforscher Thevis: "Aber die heutigen Nachweismethoden sind besser als die damaligen."

Experten sprechen Generalverdacht für Leichtathletik aus

Bolt hat seit jeher die Einnahme von leistungsfördernden Mitteln abgestritten. Er sei sauber und hätte kein Problem damit "jeden Tag getestet zu werden, um das auch der Welt zu beweisen", sagte er vor kurzem. Tatsächlich wurde Bolt zwar bei internationalen Wettkämpfen streng kontrolliert, das Anti-Doping-Programm in seiner jamaikanischen Heimat aber gilt unterentwickelt. Eine unabhängige nationale Anti-Doping-Agentur gibt es nicht.

Der Heidelberger Anti-Doping-Experte Werner Franke hält es aber für entscheidend, dass viele Top-Sprinter Epo im Training nehmen würden. Die Wirksamkeit der Tests in der internationalen Leichtathletik zweifelt er insgesamt an: "Jetzt passen die Athleten zwar ein bisschen auf, weil es die Blutpässe gibt. Da bleibt man halt ein bisschen unter den Werten, solche Dinge sind gang und gäbe."

So ganz ausschließen, dass Bolt seine Leistungen tatsächlich ohne verbotene Hilfsmittel erzielt hat, kann man eben nicht. Schließlich verfüge Bolt von seiner "biomechanischen Grundausstattung her alles, was einen Ausnahmesprinter ausmacht. Das heißt wiederum nicht, dass er nicht auch manipulieren könnte", so Dopingforscher Thevis.

luk/dpa/sid



insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
lessisanoption 15.07.2013
1.
Wenn die öffentlich-rechtlichen Anstalten konsequent sind gibts jetzt keine LA mehr im Programm. Aber die werden - so lange Herr Poschmann dabei ist - weiter aus vollen Rohren heucheln.
_karlsson_ 15.07.2013
2.
Wer sich das fragt, fragt sich auch wieviel Frucht in seinen Fruit-Loops ist -.-
ralfkauffmann 15.07.2013
3.
Übertragen die ÖRs konsequenterweise jetzt auch keine Leichtathletik mehr? Bin mal gespannt.
rabenkrähe 15.07.2013
4. jaja
Zitat von sysopAP/dpaDie Leichtathletik wird von neuen Dopingvorwürfen erschüttert. Kurz vor der Weltmeisterschaft in Moskau wurden mit Asafa Powell und Tyson Gay gleich zwei Sprint-Stars positiv getestet, wie schon so viele Rekordläufer vor ihnen. Viele fragen sich nun erst recht: Wie sauber ist Usain Bolt? http://www.spiegel.de/sport/sonst/leichtathletik-dopingskandal-erschuettert-die-sprint-szene-a-911199.html
.......... In diversen Disziplinen sind die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit erreicht. Zuschauer, Verantwortliche und Sportler brauchen aber immer neue Spitzenleistungen, um ihr Interesse nicht zu verlieren. Deswegen bleibt nur Doping, und das ist einfach nicht mehr zu verhindern, es wird nur immer mehr Einfälle geben, es unentdeckt zu betreiben. rabenkrähe
khs03 15.07.2013
5. nicht verwunderlich
Ich fordere, dass alle Leichtathleten auf dem Trikot ihre Dopingmittel nennen, damit der geneigte Zuschauer am Fernsehen auch weiß, welche wirken. Aber im Ernst: die Leichtathletik ist genauso dopingverseucht wie der Radsport und daher sind solche Meldungen auch nicht verwunderlich. Es kann m.E. daher auch nicht sein, dass solche Dopingsünder nach kurzen Sperren zurückkehren und bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auftreten können, als sei nichts geschehen. Diese Betrüger sollten zumindest von solchen Großereignissen dauerhaft ausgeschlossen werden. Sie haben im Sport, dessen Grundlage doch noch immer die Fairness sein sollte, nichts mehr zu suchen.
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