Leichtathletik-EM "Miki" und "Mocki" begraben das Kriegsbeil

Nach dem 10.000-Meter-Finale der EM in Göteborg hatten sich Sabrina Mockenhaupt und Irina Mikitenko noch heftig gestritten. Heute trafen sich Deutschlands beste Langstrecklerinnen zu einem Schlichtungsgespräch und versöhnten sich wieder.


Hamburg - "Wir haben zwei verschiedene Meinungen und dabei bleiben wir auch. Doch wir wollen keine Zickenkrieg", sagte Mockenhaupt nach der von Clemens Prokop verordneten Aussprache. "Wir sind auf dem Weg, einen richtigen Teamgeist zu finden", sagte der DLV-Präsident hinterher.

Mikitenko ("Miki") hatte Mockenhaupt ("Mocki") gestern vorgeworfen, sie habe es während des gesamten Rennens verweigert, sich an der Arbeit zu beteiligen, um sie dann aus dem Windschatten auf den letzten 200 Metern plötzlich zu überholen. "Ich habe ihr dauernd gesagt, mach was. Aber sie hat immer gesagt, sie kann nicht", klagte die 33-jährige "Miki", die letztlich einen Platz hinter der acht Jahre jüngeren "Mocki" auf Rang neun landete: "Aber wer wirklich nicht kann, der kann auch nicht plötzlich auf den letzten Metern."

Der Streit des deutschen Duos dauerte länger als das Rennen zuvor. Denn "Mocki" widersprach energisch: "Jetzt bin ich der Buhmann und muss mich dafür entschuldigen, wie ich mein Rennen gelaufen bin. Das ist ungerecht. Wo sind wir denn hier?"

Noch heute morgen hatten sich die beiden nicht versöhnt. Erst später hatten beide eingelenkt. "Ich hätte auch etwas Tempoarbeit machen müssen. Es tut mir Leid, ich wollte nicht streiten", sagte Mockenhaupt. Bereits nach den Deutschen Meisterschaften 2004 in Braunschweig hatte Mikitenko sich beklagt, dass Mockenhaupt sich nicht an Absprachen gehalten habe.

"Mocki" beteuerte jedoch, nach ihrem Ermüdungsbruch im Oberschenkel im Februar nicht mehr Reserven gehabt zu haben. "Mir fehlen dreieinhalb Monate Training. Es ging einfach nicht", sagte die Cross-Vizeeuropameisterin: "Hätte ich Tempo gemacht, hätten sie mich am Ende abgekocht, und dann hätten auch alle gemeckert."

Auch "Mikis" Einwand, bei entsprechender Zusammenarbeit "hätten wir beide 20 Sekunden schneller laufen können", prallte an der Rivalin ab. "Das war eine Meisterschaft", konterte "Mocki", "Bestzeiten kann man woanders laufen. Ich wollte die bestmögliche Platzierung und bin mit Platz acht überglücklich."

Bundestrainer Uhlemann war ratlos und hatte nicht damit gerechnet, dass das Rennen so enden würde. "Es war nicht zu erwarten, dass beide in einer Gruppe laufen", sagte er, "ich hätte mir dennoch gewünscht, dass sie etwas mehr zusammenarbeiten."

bri/sid



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.