Leichtathletik Kokain läßt Hochspringer Sotomayor abstürzen

Ausgerechnet Kubas Aushängeschild Javier Sotomayor ist des Dopings überführt worden und muß nun mit einer zweijährigen Strafe rechnen.


Auf der Zielgeraden zu den siebten Weltmeisterschaften in Sevilla stolpert die Leichtathletik in den größten Dopingskandal seit dem Fall Ben Johnson bei Olympia 1988 in Seoul, dem Sport droht sogar eine politische Affäre. Hinter der Disqualifikation von Hochsprung-Weltrekordler Javier Sotomayor, in dessen Urinprobe Kokain gefunden wurde, vermutet Kubas Sportpolitik westliche Manipulation.

"Ich kann es nicht glauben. Ich bin überrascht und enttäuscht. Ich habe eine hohe Meinung von Sotomayor", kommentierte Primo Nebiolo, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, die Nachricht von der Überführung Sotomayors, der sich am Dienstag in Havanna beim Empfang für Kubas Sieger der Panamerikanischen Spiele von Winnipeg noch an der Seite von Staatschef Fidel Castro gezeigt hatte. Nebiolo ließ keinen Zweifel daran, dass der Weltrekordler (2,45 m) zwei Jahre suspendiert und damit bei der WM und bei Olympia 2000 in Sydney fehlen wird. Nebiolo: "Wenn die Kubaner ihn nicht selbst sperren, wird die IAAF das tun."

Die kubanische Regierung hat laut Nachrichtenagentur ap eine offizielle Erklärung zum Fall des zweimaligen Weltmeisters angekündigt, der am kommenden Sonntag Star des Hochsprung-Meetings im baden-württembergischen Eberstadt sein sollte. Kubas Teamleitung in Winnipeg glaubt an einen westlichen Willkürakt. "Sotomayor hat erkärt, er habe noch nie Kokain genommen. Wir glauben an sein Wort und an eine Manipulation", erklärte Rodrigo Alvarez Cambra, Chef der kubanischen Delegation, die sich in Kanada "in Feindesland" wähnte und die Flucht von acht Kubanern als politisch gesteuerte Aktion bezeichnete.

Kubanische Funktionäre teilten inzwischen dem Präsidenten der medizinischen Kommission der Panam-Spiele, Eduardo de Rose (Brasilien), mit, dass Sotomayor zur Behandlung von Magenschmerzen einen Tee aus Peru erhalten haben soll. In diesem könnte, so vermuten sie, das Kokain gewesen sein, das laut Ansicht der Dopingkontrolleure schon vier oder fünf Tage vor dem Test im Körper des Weltrekordlers gewesen sein kann. Über das positive Ergebnis hatte Mario Vazquez Rana (Mexiko), Präsident des Panamerikanischen Sportverbandes, in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) unterrichtet.



© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.