Leichtathletik Nike stellt Oregon Project ein

Das Oregon Project von Nike stand bei der Leichtathletik-WM im Fokus: Wegen Medaillen seiner Athleten, aber auch wegen der Sperre gegen Trainer Alberto Salazar. Nun wird das Projekt eingestellt.

Konstanze Klosterhalfen (2. v. l.) trainierte beim Oregon Project und holte bei der Leichtathletik-WM in Katar Bronze über 5000 Meter
Oliver Weiken/dpa

Konstanze Klosterhalfen (2. v. l.) trainierte beim Oregon Project und holte bei der Leichtathletik-WM in Katar Bronze über 5000 Meter


Das umstrittene Nike Oregon Project wird beendet. Das teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit. Zuerst hatten das US-Magazin "Runner's World" und die "New York Times" übereinstimmend mit Verweis auf ein Memo von Nike-Geschäftsführer Mark Parker über das NOP-Aus berichtet.

"Wir haben beschlossen, das Oregon-Projekt zu beenden, damit sich die Athleten auf ihre Trainings- und Wettkampfbedürfnisse konzentrieren können", hieß es in der Stellungnahme. Bei "Runner's World" sagte Nike-Chef Parker: "Ich habe daher die Entscheidung getroffen, das Oregon-Projekt zu schließen." Nike steht in der Kritik, weil führende Mitarbeiter, darunter auch Parker, von möglichen Dopingverstößen des ehemaligen Trainers Alberto Salazar gewusst haben sollen.

Betroffen vom Ende des Projekts wäre auch die deutsche Athletin Konstanze Klosterhalfen, sie gehörte seit April 2019 offiziell dem NOP an. Bei der Leichtathletik-WM in Doha/Katar gewann sie Bronze über 5000 Meter. Die 22-Jährige hatte zuletzt betont, ihr Trainer in Oregon sei Pete Julian und nicht der wegen Dopingverstößen gesperrte Salazar.

DLV will mit Klosterhalfen sprechen

"Für mich ist der Beschluss, das Oregon Project nach der Salazar-Sperre zu beenden, eine folgerichtige Entscheidung im Sinne der Athleten und des Sports", sagte Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Der DLV will nun laut DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska wie angekündigt das Gespräch mit Klosterhalfen und ihrem Management suchen, "um die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio optimal abzusichern." Die Entscheidung werde dann die Athletin treffen.

Zur Zukunft seiner Läuferinnen und Läufer teilte Nike mit: "Wir werden all unseren Athleten bei diesem Übergang helfen, wenn sie die für sie geeigneten Trainingsbedingungen auswählen. Wir werden Alberto in seiner Berufung weiterhin unterstützen." Noch in Doha hatte Klosterhalfen angekündigt, weiter beim NOP trainieren zu wollen.

Trainer Salazar wegen Dopings im Fokus

Salazar, bisheriger Cheftrainer und Gründungsvater des NOP, war am 10. Oktober wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Salazar wird in einem Bericht der US-Anti-Doping-Behörde Usada beschuldigt, auf gefährliche Weise die Leistung seiner Athleten gesteigert zu haben. Demnach sei es "nahezu sicher", dass der frühere Marathon-Star gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen habe.

Alberto Salazar wurde wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt
/Phil Noble/File Photo/REUTERS

Alberto Salazar wurde wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt

Unter anderem soll Salazar mit Testosteron experimentiert haben. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass Salazar gemeinsam mit dem ebenfalls für vier Jahre gesperrten Arzt Jeffrey Brown in einem Labor auf dem Gelände des Nike-Hauptquartiers in Oregon ausprobiert haben soll, in welcher Konzentration eine neue Testosteroncreme zu positiven Dopingtests führen kann.

Bereits 2009 soll Salazar laut des Berichts führende Nike-Mitarbeiter über die Ergebnisse seiner Experimente informiert haben. Das soll aus E-Mails hervorgehen, die Salazar unter anderem direkt an Nike-Geschäftsführer Mark Parker geschickt habe. Salazar bestreitet die Dopingvorwürfe und sagte, er wolle gegen die Sperre vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas ziehen.

Zuletzt hatte das ehemalige Teammitglied Kara Goucher das Ende des Nike Oregon Projects gefordert.

ptz/sid/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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The Restless 11.10.2019
1. Testosteroncreme ...
Langstreckenläufer haben oft auf natürliche Weise einen etwas niedrigen Testosteronspiegel. Es ist daher unter den Leistungssportlern eher normal, den Hormonspiegel bis in die Nähe des erlaubten Grenzwertes anzuheben, um die Belastungsgrenze im Training auszureizen. So gesehen ist das, was Salazar & Co betrieben haben, nichts Besonderes. Blöd für sie ist nur, dass es in die Medien geraten ist ...
oldmax 11.10.2019
2. Sind wir denn blöd ?
Der Trainer (Salazar) wusste es, die Ärzte wussten es, Nike wusste es. Die Athleten aber hatten von allem keine Ahnung
espet3 11.10.2019
3.
Dieses fabrikmäßige Hochzüchten von Leistungsmonstern, um die zuschauende Klientel und die abhängige Wirtschaft bei Laune zu halten, ist nicht mehr zeitgemäß. Was bei mir von dieser WM in Erinnerung bleibt, sind die havarierten Marathonläufer und die ehrenvolle Hilfe eines Stadionläufers, der seinem Kollegen unterstützend über die Ziellinie hilft.
im_ernst_56 11.10.2019
4.
Ich bin gespannt, wie sich das auf die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler auswirken wird, die bisher im NOP trainiert haben. Wenn die jetzt plötzlich wieder normale Zeiten laufen anstatt Rekorde zu pulverisieren, dann wissen wir definitiv, dass im NOP mit unlauteren Mitteln gearbeitet wurde.
K:F 11.10.2019
5. Gebt dem Kind einen anderen Namen
Da lachen doch die Hühner. Dann soll ein anderer Sponsor die Akademie weiterführen. Entscheidend sind doch die Methoden und ob die Sportler diesen vertrauen. Aktuell sind die teilnehmenden Sportler an dem Oragon Projekt doch sauber. Oder gilt in den USA und bei den heuchelnden Medienvertretern Sippenhaft?
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