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22. Dezember 2015, 10:53 Uhr

Doping in der Leichtathletik

Neue Vorwürfe gegen Coes Büroleiter

Im Leichtathletik-Dopingskandal kommen neue Vorwürfe gegen den Weltverband IAAF ans Licht. Nick Davies, Büroleiter von Präsident Sebastian Coe, soll Dopingfälle verschleiert und dafür womöglich Coes Hilfe in Anspruch genommen haben.

Der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF wird vom nächsten Skandal erschüttert. Wie die französische Zeitung "Le Monde" berichtet, soll Nick Davies, damals stellvertretender Generalsekretär sowie Kommunikationsdirektor und mittlerweile Büroleiter des neuen Präsidenten Sebastian Coe, 2013 in einer E-Mail die verspätete Veröffentlichung von russischen Dopingfällen gefordert haben. "Le Monde" veröffentlichte Auszüge der E-Mail, dessen Inhalt Davies dort selbst als "sehr geheim" bezeichnet.

Wenige Wochen vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Moskau (10. bis 18. August 2013) soll Davies an den Marketing-Berater Papa Massata Diack, Sohn des unter Korruptionsverdacht stehenden ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack, geschrieben haben, dass die WM in Moskau ein Erfolg werden müsse. "Wenn die Schuldigen nicht starten, dann können wir auch warten, bis die Wettbewerbe zu Ende sind und sie dann veröffentlichen."

In den vier Monaten nach der WM gab die IAAF Sanktionen gegen 16 russische Athleten bekannt. Russland belegte im Medaillenspiegel den ersten Rang, bereits im Vorfeld war der Gastgeber wegen massiver Dopingvorwürfe in Frage gestellt worden.

Politische Sprengkraft bekommt die E-Mail auch, weil Davies über Einflussnahme auf die britischen Medien schreibt und dabei Coe und dessen Agentur CSM wegen einer PR-Kampagne erwähnt: "Wir können von Seb's politischem Einfluss profitieren." Der Weltverband müsse hart daran arbeiten, die von der britischen Presse geplanten Attacken auf Russland zu verhindern.

Coe wollte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Davies wiederum sagte gegenüber der Presseagentur AP, er habe nichts falsch gemacht. "Als Kommunikationsdirektor war es meine Aufgabe, die Reputation der IAAF im Blick zu haben." Die E-Mail an Diack bezeichnete er als "Brainstorming" über mögliche mediale Strategien. "Es ist kein Plan umgesetzt worden", sagte Davies. Papa Massata Diack wiederum wird wie sein Vater verdächtigt, erwischte Dopingsünder gegen eine Prämie verschont zu haben.

Ohnehin taumeln die internationale Leichtathletik und die IAAF seit Wochen von einer Krise in die nächste. Wegen massiver Doping-Verfehlungen wurde der russische Leichtathletik-Verband ARAF inzwischen aus dem Weltverband ausgeschlossen. Das Anti-Doping-Labor in Moskau verlor seine Akkreditierung, die nationale Anti-Doping-Agentur RUSADA wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA suspendiert. Ohne weitreichende Reformen dürfen Russlands Leichtathleten nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen.

krä/sid

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