Leichtathletik-WM Coleman ist Weltmeister über 100 Meter

Der US-Amerikaner Christian Coleman ist neuer Weltmeister über 100 Meter. Ein hochklassiger Weitsprungwettbewerb endete mit einem Überraschungssieger. DeAnna Price holte das erste US-Gold im Hammerwerfen.
Christian Coleman jubelt nach seinem Sieg - und über eine nützliche Zusatzregel

Christian Coleman jubelt nach seinem Sieg - und über eine nützliche Zusatzregel

Foto: Mike Egerton/DPA

100 Meter, Männer:

GOLD: Christian Coleman (USA) 9,76 Sekunden
SILBER: Justin Gatlin (USA) 9,89 Sekunden
BRONZE: Andre De Grasse (Kanada) 9,90 Sekunden

Favoritensieg über 100 Meter: Christian Coleman hat in neuer Weltjahresbestleistung die Königsstrecke der Sprinter gewonnen. Dank seines hervorragenden Startes war sein Sieg ungefährdet, Titelverteidiger Justin Gatlin musste sich mit der Silbermedaille begnügen. Andre De Grasse sicherte sich mit persönlicher Bestzeit Bronze.

Ungetrübt dürfte die Freude über dieses Ergebnis nicht sein: Gatlin ist in seiner Karriere schon mehrfach des Dopings überführt worden, Coleman durfte nur wegen eines Regelzusatzes trotz dreier verpasster Dopingtests binnen zwölf Monaten an diesen Weltmeisterschaften teilnehmen.

Weitsprung, Männer

GOLD: Tajay Gayle (Jamaika) 8,69 Meter
SILBER: Jeff Henderson (USA) 8,39 Meter
BRONZE: Juan Miguel Echevarria (Kuba) 8,34 Meter

Persönliche Bestleistung zur rechten Zeit: Tajay Gayle

Persönliche Bestleistung zur rechten Zeit: Tajay Gayle

Foto: Kirill Kudryavtsev/AFP

Beim Duell zwischen dem Weltjahresbesten Juan Miguel Echevarría und Olympiasieger Jeff Henderson gab es einen lachenden Dritten: Der Jamaikaner beeindruckte bereits mit einer persönlichen Bestleistung von 8,46 Meter im ersten Durchgang. Henderson und Echevarría kamen näher und näher, da setzte Gayle im vierten Durchgang noch einen drauf: 8,69 Meter für den Meister seines Heimatlandes - Weltjahresbestleistung! Das war die Goldmedaille für den 24-Jährigen in einem hochklassigen Wettkampf. Insgesamt sechs Springer übertrafen die Marke von 8,20 Meter.

Hammerwerfen, Frauen

GOLD: DeAnna Price (USA) 77,54 Meter
SILBER: Joanna Fiodorow (Polen) 76,35 Meter
BRONZE: Zhen Wang (China), 74,76 Meter

DeAnna Price rettete die US-Amerikanerinnen

DeAnna Price rettete die US-Amerikanerinnen

Foto: Kai Pfaffenbach/REUTERS

Die Weltjahresbeste DeAnna Price übernahm bereits im ersten Versuch mit 76,87 Meter die Führung, im dritten Durchgang erhöhte sie auf die Siegesweite von 77,54 Meter. Zu viel für die Polin Joanna Fiodorow, die mit persönlicher Bestleistung dennoch über Silber jubeln konnte.

Dass die Chinesin Zhen Wang Bronze gewann und keine der beiden anderen hoch gehandelten US-Amerikanerinnen, war eine Überraschung. Brooke Andersen war mit der zweitbesten Leistung 2019 angereist - und schied in der Qualifikation aus. Die Dritte der Weltjahresbestenliste, Gwen Berry, verabschiedete sich im Vorkampf mit drei ungültigen Versuchen. Die polnische Weltrekordhalterin Anita Wlodarczyk, die zuletzt dreimal in Folge den WM-Titel geholt hatte, war wegen einer Knieverletzung nicht am Start.

10.000 Meter, Frauen

GOLD: Sifan Hassan (Niederlande) 30:17,62 Minuten
SILBER: Letesenbet Gidey (Äthiopien) 30:21,23 Minuten
BRONZE: Agnes Jebet Tirop (Äthiopien)30:25,20 Minuten

Erstes europäisches Gold auf 10.000 Meter der Frauen

Erstes europäisches Gold auf 10.000 Meter der Frauen

Foto: Michael Steele/Getty Images

Bislang gingen alle Weltmeistertitel über diese Strecke nach Kenia oder Äthiopien. Nun also der erste WM-Erfolg über 10.000 Meter der Frauen für eine Europäerin: Sifan Hassan, mit 15 Jahren aus Äthiopien in die Niederlande gekommen und Teil des umstrittenen Trainingsteams Project Oregon, setzte sich in einem faszinierenden Finale gegen die Weltjahresbeste Letsenbet Gidey durch.

Gidey hatte vier Runden vor dem Ziel das Tempo verschärft und damit alle Verfolgerinnen bis auf Hassan abschütteln können. Diese konterte auf der letzten Runde und gewann mit neuer Weltjahresbestleistung. Die Deutsche Alina Reh musste das Rennen vorzeitig aufgeben.

50 Kilometer Gehen, Männer

GOLD: Yusuke Suzuki (Japan) 4:04:20 Stunden
SILBER: João Vieira (Portugal) 4:04:59 Stunden
BRONZE: Evan Dunfee (Kanada) 4:05:02 Stunden

Anders als beim Marathon der Frauen blieben bei Temperaturen um 32 Grad und 73 Prozent Luftfeuchtigkeit dramatische Szenen kollabierender Athleten aus. Schnellster Geher über die in Zukunft nicht mehr zum WM-Programm gehörenden 50 Kilometer war der Japaner Yusuke Suzuki. Zufrieden war auch der Deutsche Carl Dohmann, der auf dem siebten Platz landete. "Mir die Top Acht als Ziel zu setzen, habe ich mich hier nicht getraut, weil die Bedingungen so schwierig sind. Ich bin total glücklich, völlig überwältigt", sagte Dohmann nach dem Rennen.

50 Kilometer Gehen, Frauen

GOLD: Rui Liang (China) 4:23:26 Stunden
SILBER: Maocuo Li (China) 4:26:40 Stunden
BRONZE: Eleonora Giorgi (Italien) 4:29:13 Stunden

"Ich fühlte mich wie eine Kriegerin", sagte die italienische Bronzemedaillengewinnerin Eleonora Giorgi nach dem Wettkampf. Auch bei den schwierigen Begebenheiten geschuldeten schwachen Zeiten entwickelte sich ein hochklassiger Wettbewerb. Die letzten 20 Kilometer lagen die drei Medaillengewinnerinnen stetig in Front, den Tempoverschärfungen der Favoritin Rui Liang konnte ihre beiden Rivalinnen schlussendlich nicht mehr folgen. Von 24 Starterinnen erreichten 15 das Ziel. Eine bessere Quote als beim WM-Debüt dieser Disziplin vor zwei Jahren - damals beendeten vier von sieben Gestarteten den Wettbewerb.

Vorkämpfe:
Über 100 Meter der Frauen haben sich Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto für das Halbfinale qualifiziert. Im Anschluss an ihre Vorläufe übten sie scharfe Kritik an den neuen Kameras im Startbereich. Beim Diskuswerfen der Männer schied Christoph Harting, Olympiasieger von 2016, im Vorkampf aus.

Raphael Holzdeppe erreichte an seinem 30. Geburtstag das Finale im Stabhochsprung. In der Qualifikation übersprang er im dritten und letzten Versuch die geforderten 5,75 Meter. Ebenfalls im Finale ist Bo Kanda Lita Baehre, Torben Blech musste verletzt aufgeben. Ausgeschieden ist überraschend auch Weltrekordler Renaud Lavillenie aus Frankreich.

mfu
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