Leichtathletik-WM Bolt joggt lachend ins Halbfinale, Bartels holt Bronze
Hamburg - Die einen sagen: Das ist Wahnsinn. So gut ist dieser Mann, so schnell, dass er sich im Viertelfinale der 100 Meter schon nach 60 Metern zu Daniel Bailey umdrehen kann. Die beiden Sprinter aus Jamaika und Antigua und Barbuda waren so weit enteilt, dass man sich fragte, ob die anderen sechs vielleicht aus Deutschland kommen.
Sprinter Bolt (Mitte): Darf man das?
Foto: DPADarf man sowas? Verhöhnt man damit nicht die Gegner, die auf den Bildern verzerrte Gesichter haben vor lauter Anstrengung? Die Diskussion wurde ja schon nach Bolts Olympiasieg über 100 Meter geführt, bei dem er austrudeln ließ und trotzdem Weltrekord (9,69 Sekunden) lief. Deshalb gibt es auch Menschen, die die ganze Show respektlos nennen.
Bolt ist der 100-Meter-Favorit, stoppen kann ihn vielleicht nur Tyson Gay aus den USA. Kein Wunder, dass beide problemlos das Herren-Halbfinale über 100 Meter erreichten. Zuerst legte der dreifache US-Weltmeister Gay locker 9,98 Sekunden hin, dann zog sein jamaikanischer Rivale und Dreifach-Olympiasieger Bolt in 10,03 nach. Den großen Showdown gibt es am Sonntagabend (21.35 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). In ausgezeichneter Form präsentierte sich auch Ex-Weltrekordler Asafa Powell, der als Vorlaufschnellster in 9,95 Sekunden glänzte.
Kugelstoßer Ralf Bartels hat die erste deutsche Medaille bei der 12. Leichtathletik-WM in Berlin gewonnen. Der Ex-Europameister landete am ersten Wettkampftag mit der persönlichen Bestleistung von 21,37 Meter auf dem mit 20.000 Dollar Prämie belohnten dritten Platz, wie schon 2005 in Helsinki. Gold gewann der US-Amerikaner Christian Cantwell mit 22,03 Meter vor Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen, der auf 21,91 Meter kam.
Bartels, der in Berlin seine vierte Medaille bei EM und WM gewann, konnte einmal mehr im entscheidenden Augenblick alles mobilisieren. EM-Gold und WM-Bronze 2005 hatte er jeweils im letzten Versuch erkämpft. Diesmal hätte er die Medaille fast mit dem finalen Stoß von Titelverteidiger Reese Hoffa (USA/21,28) noch verloren. "Der weite Stoß war technisch nicht toll. Aber Bronze ist Bronze, ich bin einfach nur überglücklich. Danke Berlin."
Bartels' Leipziger Teamkollege Peter Sack zeigte sich "glücklich" ob seiner Finalteilnahme. Bis Mittwoch war wegen einer Fingerverletzung und Schmerzen an der Achillessehne noch fraglich, ob er überhaupt an den Start gehen kann. "Aber jetzt fühle ich mich gut und habe sogar das Gefühl, heute Abend noch zulegen zu können", so der 30-jährige Sack. Dann legte er drei Fehlversuche hin.
Kurios verlief der Endspurt im 10.000-Meter-Lauf der Frauen. Äthiopiens Jahres-Weltbeste Meselech Melkamu jubelte schon über Gold, da schoss Kenias Linet Chepkwemoi Masai an ihr um eine Zehntel vorbei. Die Siegerin wusste zunähst gar nicht, wie ihr geschah. Weil die Rivalin zu früh die Arme in die Höhe riss, sicherte sich die gerade 19 Jahre alte Olympiavierte ihre erste internationale Medaille und schenkte ihrem Heimatland einen besonderen Erfolg über die Erzrivalen aus Äthiopien. Deren Läuferinnen hatten die letzten fünf WM-Titel auf den 25 Stadionrunden gewonnen.
"Ich bin sooooooo glücklich", sagt Masai nach 30:51,24 Minuten. Mehr war ihr nicht zu entlocken. Wesentlich redseliger gab sich trotz der Enttäuschung die um eine Zehntelsekunde distanzierte Melkamu (30:51,34). "Ich bin ziemlich enttäuscht. Ich habe sie nicht kommen sehen. Aber es ist meine erste große Meisterschaft, deshalb bin ich irgendwo auch zufrieden", sagte Melkamu.
Als Jahres-Weltbeste angereist, galt sie zusammen mit der nur fünftplatzierten Teamkollegin und 5000-Meter-Weltmeisterin Meseret Defar (30:52,37) nach der Absage von Doppel-Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba als Top-Favoritin. Dritte wurde Wude Ayalew (30:51,95). Als Zweite der ewigen Weltbestenliste hatte die 24-Jährige eine Bestzeit von 29:53,80 mit nach Berlin gebracht. Doch in dem langsamen Rennen konnte sie ihre Tempohärte nicht ausspielen.