Leichtathletik-WM Läufer schleppt entkräfteten Konkurrenten über die Ziellinie

5000-Meter-Läufer Jonathan Busby hatte offenbar die Hitze in Katar unterschätzt und geriet kurz vor dem Ziel ins Taumeln. Sein Gegner Braima Suncar Dabo zeigte großen Sportsgeist - doch der Weltverband reagierte hart.

Braima Suncar Dabo (r.) schleppte Jonathan Busby zur Ziellinie: "Ich wollte ihm einfach nur helfen"
Martin Meissner/AP/dpa

Braima Suncar Dabo (r.) schleppte Jonathan Busby zur Ziellinie: "Ich wollte ihm einfach nur helfen"


Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar gab es schon vor der ersten Medaillenentscheidung den ersten Gewinner: Im Vorlauf über 5000 Meter klemmte sich der abgeschlagene Braima Suncar Dabo aus Guinea-Bissau den völlig entkräfteten Jonathan Busby aus Aruba unter den Arm und schleppte ihn unter dem Jubel der Zuschauer über die letzte halbe Runde.

Im Ziel angekommen, schob Dabo seinen Wegbegleiter Busby dann auch noch zuerst über die Linie - rund fünf Minuten hinter Vorlaufsieger Selemon Barega aus Äthiopien.

"Ich wollte ihm einfach nur helfen, das Ziel zu erreichen. Ich denke, jeder hätte es genauso gemacht", sagte Dabo. Busby habe sich bei ihm bedankt.

Für beide Außenseiter stand letztlich eine persönliche Bestzeit fest, für Busby blieb die Uhr bei 18:10,68 stehen, für Dabo bei 18:10,87 - allerdings hatten beide zuvor noch kein offizielles 5000-Meter-Rennen bestritten.

Lange hielt Busbys Bestzeit nicht. Denn der Weltverband IAAF zeigte wenig Herz und disqualifizierte ihn, weil er gemäß Regel 144.3 unerlaubte Hilfe genossen hatte.

Dabo und Busby sind die einzigen WM-Teilnehmer ihrer Nationen. Beide hatten spezielle Einladungen erhalten, die es auch Ländern ohne große Laufprogramme ermöglicht, Athleten zur WM zu schicken.

ptz/sid/AP



insgesamt 60 Beiträge
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sappelkopp 27.09.2019
1. Tja, man darf sich nicht...
...gegen die Gelddruckmaschine Sport wenden. Wäre ja noch schöner, wenn man sich sportlich verhält. Ein Unsinn, dort Meisterschaften durchzuführen. Wir werden bei der Fußball-WM bei den Scheichs von Katar noch ganz andere Bilder sehen. Aber egal, es geht um Geld.
peter.lange 27.09.2019
2. @sabbelkopp
Menschlich wäre es natürlich schön, wenn es ohne Disqualifikation abgegangen wäre, aber es war ein klarer Regelverstoss. Es müssen nunmal alle Regeln gelten. Und die Entscheidung kann man nicht negativ gegen Katar auslegen. Negativ ist, wenn gegen gültige Regeln verstoßen wird und das in jedem Land. Ob sie sinnvoll sind, das steht auf einem ganz anderen Blatt.
omasturm 27.09.2019
3. @sappelkopp
Sportlich gesehen ist es völlig in Ordnung. Ohne die Hilfe hätte er die Ziellinie wahrscheinlich nie überquert, daher ist es richtig die Zeit zu annullieren... Es ist eine schöne Geste des "Fair Play", aber mehr auch nicht. Ob es Sinnig ist WMs in solchen Ländern abzuhalten steht auf einem anderen Blatt.
calico1880 27.09.2019
4. Braima Suncar Dabo und wir von Funktionären bestohlen
Warum, zur Hölle, berauben diese Funktionäre diesen grandiosen Sportler aus Guinea-Bisseau seiner ersten WM-Platzierung und uns Zuschauer der Illusion, dass Sport doch noch mit Fairness und Kameradschaft zu tun haben könnte? Einfach nur erbärmlich!
MyMoon 27.09.2019
5. Internationale Regeln
An Kommentator 1: Die Regeln legen die Sportverbände fest und nicht ausführende Land. Das würde genauso auch in Deutschland gewertet werden. Also hat es nicht mit Katar zu tun sondern mit den internationalen Regeln. Und was soll man für andere Dinge sehen bei der kommenden Fussball WM? Ich schätze 22 Männer die einem Ball hinterherlaufen.
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