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Fotostrecke: Die deutschen Leichtathletik-Hoffnungen

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Deutsche Bilanz der Leichtathletik-WM "Ein paar heiße Eisen im Ofen"

Der Deutsche Leichtathletik-Verband ist mit der WM-Ausbeute zufrieden. Die Chancen auf eine erfolgreiche Heim-EM 2018 in Berlin stehen gut. Eine Bilanz von London.

Eigentlich war Idriss Gonschinska in dem Glauben zur Weltmeisterschaft nach London gereist, der Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands zu sein, doch es kam noch eine andere Aufgabe dazu. Er musste sich darüber hinaus als Krisenmanager betätigen wegen der Magen-Darm-Probleme, die unter den Athleten umgingen.

Er musste sich darum kümmern, dass die betroffenen Sportler isoliert wurden, er musste neue Mannschaftshotels besorgen und sicherstellen, dass die Athleten trotzdem trainieren können und ihnen nicht die Lust und das Teamgefühl abhandenkommen. Deshalb bereiteten ihm die Titelkämpfe nicht die erhoffte Freude. "Ich konnte die WM nicht so genießen, wie ich wollte. Ich war ständig mit den Gedanken bei anderen Themen", sagte er am Sonntag, dem letzten Wettkampftag, im Untergeschoss des Londoner Leichtathletikstadions.

Gonschinska lehnte an einem Absperrgitter und zog Bilanz. Aus seiner Sicht war die WM wegen der Magen-Darm-Erkrankungen keine normale WM. Umso mehr war er zufrieden mit dem Ertrag des deutschen Teams. Eine Goldmedaille und je zweimal Silber und Bronze nimmt die Delegation mit auf den Heimweg. Fünf Auszeichnungen, das macht den zehnten Platz im Nationen-Ranking. "Das ist im Rahmen dessen, was wir uns gewünscht haben", sagte Gonschinska.

Er hat wenig Verständnis dafür, dass der deutschen Abordnung bis zum glanzvollen vorletzten WM-Abend, der vier der fünf Medaillen brachte, ihre bis dahin triste Ausbeute vorgehalten wurde. Er habe schließlich immer darauf hingewiesen, dass die Sportler mit den besten Chancen erst zum Ende der Titelkämpfe antreten würden. "Ich habe nicht ganz nachvollziehen können, warum über Medaillenhoffnungen gesprochen wurde, die wir nie gesehen haben", sagte Gonschinska

Bekannte Gesichter fehlten

Die deutsche Auswahl war mit gedämpften Erwartungen nach London gereist. Die Mannschaft steckt im Umbruch nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr. Einige bekannte Gesichter sind nicht mehr dabei. Die Speerwerferinnen Christina Obergföll und Linda Stahl und Hammerwerferin Betty Heidler haben ihre Karrieren beendet. Kugelstoßerin Christina Schwanitz macht Babypause. Diskus-Olympiasieger Christoph Harting hatte die WM-Qualifikation verpasst. Da fallen dann schon ein paar Medaillen aus. "Ich kenne keine europäische Nation, die solche Athleten gleichwertig ersetzen kann", sagte Gonschinska.

Dem Verband war klar, dass ein Ergebnis wie vor zwei Jahren bei der WM in Peking mit acht Medaillen nicht zu wiederholen ist. Immerhin war die Bilanz in London besser als vor einem Jahr in Rio, als es nur drei Podestplätze für die deutschen Leichtathleten gab. Es geht wieder aufwärts, ganz leicht zumindest.

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Das liegt an einigen Athleten, die den Großteil ihrer Karriere noch vor sich haben. Am 24 Jahre alten Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter zum Beispiel, der sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert hat und in London auch Olympiasieger Thomas Röhler hinter sich ließ. Oder an der 25 Jahre alten Siebenkämpferin Carolin Schäfer, deren Silber lange die einzige deutsche Medaille bei der WM war. Oder an Pamela Dutkiewicz, die mit Bronze im Hürdensprint ihren vorläufigen Karrierehöhepunkt erreichte.

Auch außerhalb der Medaillenränge gab es hoffnungsvolle Ansätze. Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch verpasste Bronze knapp, ebenso die Sprintstaffel um die 20 Jahre junge Gina Lückenkemper. Im Vorlauf über 100 Meter blieb Lückenkemper als erste Deutsche seit 26 Jahren unter elf Sekunden. Und wer weiß, was für Hindernisläuferin Gesa Krause möglich gewesen wäre, wenn sie nicht über den Haufen gerannt worden wäre. "Sie ist vielleicht in der Form ihres Lebens. Da hätte es eine Überraschung geben können", sagte Bundestrainer Gonschinska.

Erfahrene Athleten in der Führungsrolle

Eher negativ überrascht haben einige gestandene Athleten. Diskuswerfer Robert Harting, vor fünf Jahren in London Olympiasieger, wird nicht jünger und landete auf dem sechsten Platz. Titelverteidigerin Katharina Molitor wurde im Speerwurf nur Siebte. Der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl scheiterte schon in der Qualifikation. Es sind kaum noch Medaillen fest einzuplanen, aber mit einer guten Tagesform sind Medaillen möglich - das ist aus deutscher Sicht die Erkenntnis der WM.

Im kommenden Jahr findet in Berlin die Europameisterschaft statt. Dann will das deutsche Team schon weiter sein mit dem Neuaufbau. Dabei kommt den Etablierten eine wichtige Rolle zu. "Es ist die große Aufgabe für die Leistungsträger, den Nachwuchs voranzubringen", sagte Speerwurf-Weltmeister Vetter. Dass genug Nachwuchs da ist, dass die deutsche Leichtathletik über genug Potenzial verfügt, da ist er sich sicher. "Wir haben noch ein paar heiße Eisen im Ofen", sagte er.

Neben dem größten deutschen Erfolg bei der WM gelang ihm auch das schönste Sprachbild.

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