Leichtathletik-WM "Entscheidung nicht akzeptabel"

Der Weltverband IAAF hat den Machtkampf gegen den deutschen Verband gewonnen und 3000-Meter-Läufer Jan Fitschen für die Hallen-WM gesperrt.


Lissabon - Auf einer außerordentlichen Sitzung beschloss das Council in der Nacht zum Freitag, die Sperre gegen den 3000-Meter-Läufer aus Wattenscheid nicht aufzuheben. "Ich weiß nicht, warum die Entscheidung so gefällt wurde. Ich wurde nur darüber informiert, dass ich nicht laufen darf", sagte ein tief enttäuschter Jan Fitschen, der nach einer unruhigen Nacht morgens um sechs Uhr die Hiobsbotschaft erhalten hatte.


"Können Athleten nicht schützen"


Von der vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eingeräumten Möglichkeit, seinen Start per Einstweiliger Verfügung einzuklagen, wollte der Athlet keinen Gebrauch machen. "Es steht ja nicht einmal die Dauer meiner Sperre fest. In dieser Situation gerichtlich gegen die IAAF vorzugehen, wäre Quatsch gewesen", betonte Fitschen. Die IAAF, die Fitschen wie sieben andere deutsche Läufer wegen deren Teilnahme an den deutschen Meisterschaften im 3000-Meter-Finale gegen den international wegen Dopings gesperrten Dieter Baumann suspendiert hatte, wird sich auf der planmäßigen Council-Sitzung von Sonntag bis Dienstag mit dem Fall abschließend befassen.

DLV-Präsident Helmut Digel zeigte Verständnis für die Entscheidung von Fitschen. "Es ist gut nachzuvollziehen, dass er einen gerichtlichen Streit nicht will. Ich hätte mir allerdings gewünscht, die Sache vor Gericht zu klären. Was mich stört, ist die Tatsache, dass das alles auf dem Rücken der Athleten ausgetragen wird und wir sie nicht schützen können", sagte Digel. Er übte zugleich heftige Kritik am Ablauf des Verfahrens. Laut Digel liege dem DLV bis heute keine schriftliche Mitteilung über die Sperre von Fitschen vor. Zudem sei der Antrag auf die generelle Aufhebung der Sperre eigenmächtig abgewandelt worden. "Auf einmal gab es nur eine Entscheidung betreffend der Cross-Meisterschaften", wunderte sich Digel.

Digel will nun seinen Einfluss im Council geltend machen, um die deutschen Läufer vor einer längeren Sperre zu bewahren. "Ich werde klar zum Ausdruck bringen, dass die Entscheidung nicht akzeptabel ist."



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