Leichtathletik-WM Jamaika streicht Mullings, Rodgers darf starten

Verzicht nach Dopingvorwürfen: Der jamaikanische Leichtathletik-Verband hat Staffel-Weltmeister Steve Mullings aus dem Kader für die WM in Südkorea gestrichen. US-Sprinter Mike Rodgers hingegen steht trotz positiven Dopingtests im Aufgebot. Eine deutsche Medaillenhoffnung musste verletzt absagen.

Staffel-Weltmeister Mullings: Unter Dopingverdacht
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Staffel-Weltmeister Mullings: Unter Dopingverdacht


Hamburg - Der jamaikanische Leichtathletik-Verband (JAAA) hat auf die Dopingvorwürfe gegen Steve Mullings reagiert: Der 28-Jährige wurde "wegen eines ungeklärten Punktes" nicht für die 50-köpfige WM-Mannschaft nominiert, bestätigte JAAA-Schatzmeister Ludlow Watts. Die Weltmeisterschaften finden vom 27. August bis 4. September im südkoreanischen Daegu statt.

Mullings soll bei den Landesmeisterschaften Ende Juni die Einnahme einer sogenannten maskierenden Substanz nachgewiesen worden sein, die verbotene Mittel verschleiern kann. Da er bereits 2004 wegen Dopings (Methyltestosteron) für zwei Jahre gesperrt wurde, droht ihm jetzt eine lebenslange Sperre. Zunächst muss er am Mittwoch vor der Nationalen Anti-Doping-Kommission Jamaikas aussagen.

Für die WM in Südkorea galt Mullings als Medaillenkandidat. Dieses Jahr hatte der Sprinter in 9,80 Sekunden die drittschnellste Zeit über 100 Meter gelaufen. Bei den Jamaika-Meisterschaften hatte er den Titel über 200 Meter gewonnen und über 100 Meter den dritten Platz belegt. Bei der WM 2009 hatte Mullings in Berlin zusammen mit Bolt, Powell und Michael Frater die Goldmedaille über 4x100 Meter gewonnen.

Der US-Amerikaner Mike Rodgers darf offenbar trotz positiven Dopingtests starten. Der 26-Jährige, der in diesem Jahr die weltweit viertschnellste Zeit über 100 Meter gelaufen war, wurde unter Vorbehalt für den 100-Meter-Sprint und die 100-Meter-Staffel nominiert.

Rodgers war bei einem Trainingslager vor einem Monat positiv auf ein Stimulantium getestet worden. Den Befund hatte er damit begründet, einen Energy Drink mit einer verbotenen Substanz getrunken zu heben. Ein unabhängiges Juristenteam der US-Anti-Doping-Agentur (Usada) wird entscheiden, ob der Amerikaner starten darf. Am Mittwoch soll die B-Probe geöffnet werden.

US-Sprinterin Debbie Dunn muss hingegen auf ihren WM-Start verzichten. Die Hallenweltmeisterin über 400 Meter sagte ihre Teilnahme wegen einer Verletzung abgesagt. Was genau die Ursache für den Ausfall ist, teilte die 33-Jährige nicht mit. Dunn wäre über 400 Meter und in der Staffel angetreten. Als Ersatz starten Jessica Beard (400 Meter) und Keshia Baker (Staffel).

Ebenfalls absagen musste Speerwerfer Till Wöschler. Bei dem 20 Jahre alten Junioren-Weltmeister sei eine Muskelverletzung unterhalb der Ellenbogensehne wieder aufgebrochen, teilte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit. Damit stehen jetzt noch 74 Athleten im deutschen WM-Team. Die Blessur hatte Wöschler Ende Juli bereits die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften in Kassel gekostet. Sein Verzicht sei auch eine Vorsichtsmaßnahme, erklärte der DLV. Wöschler möchte seine Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in London nicht gefährden.

klu/dpa/sid



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