Leichtathletik-WM Sprintkönigin White unter Dopingverdacht

Bei einer Dopingkontrolle von Doppelweltmeisterin Kelli White ist das Stimulanzmittel Modafinil entdeckt worden. Der US-Amerikanerin droht nun der Verlust ihrer Goldmedaille über 100 Meter. Im 400-Meter-Staffel-Finale lässt ihr Verband sie vorsichtshalber nicht an den Start.


 Kelli White freute sich in Paris über zwei Goldmedaillen
DPA

Kelli White freute sich in Paris über zwei Goldmedaillen

Paris - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF bestätigte am Samstagnachmittag den Positivtest bei White, der am vergangenen Sonntag nach dem 100-Meter-Finale vorgenommen worden war.

"Im Moment ist unklar, ob es eine Dopingsubstanz ist", sagte IAAF-Vizepräsident Digel. Da in der IAAF-Verbotsliste keine Medikamente, sondern nur die Wirkstoffgruppen aufgeführt sind, muss nun geklärt werden, ob Modafinil zu einer dieser Gruppen gehört. Das Stimulanzmittel wird von Piloten und Rallye-Fahrern gegen Müdigkeit genommen. Nach dem strengen französischen Anti-Doping-Gesetz ist die Einnahme verboten.

"Kelli White hat angegeben, das Mittel zur ärztlichen Therapie genommen zu haben. Sie hat es vorher aber nicht angemeldet", erklärte Digel. Der US-Athletin droht bei Bestätigung des Dopingverdachtes die nachträgliche Aberkennung der 100-Meter-Goldmedaille. Das US-Team verzichtete auf einen Einsatz Whites, Freundin des Saarbrücker Speerwerfers Boris Henry, in der 4x100 Meter-Staffel, um die Mannschaft vor einer möglichen nachträglichen Disqualifikation zu bewahren.

Kelli White war bereits im vergangenen Jahr in die Fänge der Nationalen Anti-Doping-Agentur der Franzosen geraten, als ihr nach dem Golden-League-Meeting am 5. Juli 2002 die Einnahme eines Kortison-Präparats (Glycocorticosteroid) nachgewiesen wurde. Nach den französischen Doping-Bestimmungen wurde die 26-jährige US-Sprinterin für sechs Monate vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2003 gesperrt. Dies galt aber nur für Starts auf französischem Boden. Nach den IAAF-Regeln hätte es für diesen Verstoß nur eine öffentliche Verwarnung geben dürfen.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.