Leichtathletik-WM US-Doppelsieg über 400 Meter Hürden

Gold und Silber für die US-Amerikaner im Finale über 400 Meter Hürden der Männer: Jackson und sein Teamkollege Carter belegten die ersten Plätze. Der Wettkampf fand wegen eines Unwetters in Helsinki mit zweistündiger Verspätung statt.


 "Batman" im Siegesflug: Bershawn Jackson wurde Erster beim 400-m-Hürdenlauf
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"Batman" im Siegesflug: Bershawn Jackson wurde Erster beim 400-m-Hürdenlauf

Helsinki - Der Titelverteidiger und Olympiasieger gab schon nach der ersten Hürde auf, auch der große Favorit blieb ohne Medaille - und im strömenden Regen von Helsinki nutzte schließlich ein "lachender Dritter" die Gunst der Stunde: Bershawn Jackson aus den USA stürmte trotz nasser Bahn und böigem Wind in hervorragenden 47,30 Sekunden zur WM-Goldmedaille über 400 Meter Hürden.

Hinter dem Weltmeister mit dem weißen Stirnband, der auf den Spitznamen "Batman" hört, "weil ich so schnell an meinen Gegnern vorbeifliege", lief dessen Landsmann James Carter in ebenfalls noch ausgezeichneten 47,43 Minuten zu Silber. Als Überraschungsdritter kam der Japaner Dai Tamesue ins Ziel (48,10). Der 27-Jährige hatte bereits bei der WM 2001 Bronze gewonnen.

Für den Jahres-Weltbesten dagegen blieb nur "Blech". Kerron Clement, der bei den US-Meisterschaften im Juni in 47,25 Sekunden die beste Zeit seit 1998 erzielt hatte und zudem den Hallenweltrekord über 400 Meter von Michael Johnson verbessert hat, lag bereits Mitte der letzten Kurve nicht mehr auf Goldkurs. Auf der Zielgeraden wurde er dann von Tamesue abgefangen.

Ein bitteres Ende nahm die WM für Dauersieger Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik. Der Weltmeister von 2001 und 2003 und Olympiasieger von 2004 war mit einer Knochenabsplitterung im Fuß in Helsinki angetreten, hatte es aber unter Schmerzen dennoch bis ins Finale geschafft. "Ich liebe den Wettkampf, ich musste es einfach versuchen", begründete der 27-Jährige seine Teilnahme. Im Finale war dann aber gleich Schluss. Als er nach 45 Metern über die erste Hürde gelaufen war, fasste sich Sanchez an den rechten Oberschenkel und humpelte über die nasse Bahn.

Der Hürdenlauf konnte erst zwei Stunden später als geplant stattfinden. Denn ein Wolkenbruch über Helsinki hatte WM-Zuschauer und Athleten zuvor zur Massenflucht aus dem Olympiastadion getrieben. Als Franka Dietzsch gerade den Diskusring für ihren ersten Versuch betreten wollte, brach das Unwetter los - die 10. Leichtathletik-Weltmeisterschaften mussten die erste "Auszeit" nehmen. Sintflutartiger Regen prasselte in die Olympia-Arena von 1952, Blitze zuckten, Donnerschläge krachten, der Wind kam aus allen Himmelsrichtungen.

Das Diskusfinale der Frauen wurde auf Donnerstag verlegt, die Dreisprung-Qualifikation der Männer sowie die 200-Meter-Zwischenläufe mit Tobias Unger und Sebastian Ernst auf Mittwoch verschoben. "Die Athleten müssen sich darauf einstellen", sagte Jürgen Mallow, der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Sie sind nicht im Nachteil, weil für alle das Gleiche gilt."

Neben dem Hürdenlauf konnten noch zwei weitere Entscheidungen des vierten Wettkampftages mit Verspätung durchgezogen werden. Seinen WM-Titel über 3000 Meter Hindernis verteidigte der gebürtige Kenianer Saif Saaeed Shaheen (Katar) in 8:13,31 Minuten. Über 800 Meter der Frauen gewann die Kubanerin Zulia Calatayud (1:58,82) ihren ersten großen Titel.



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