Lewis vs. Klitschko "Lennox war ganz schön frustriert"


Emanuel Steward (Lewis-Trainer):

Das war ein sehr, sehr guter Fight. Witalij hat mehr gezeigt, als ich erwartet habe. Lennox war ganz schön frustriert. Er war für diesen großen Jungen nicht bestens vorbereitet. Ich habe aber keinen Zweifel, dass er ihn in der nächsten Runde ausgeknockt hätte.

Klaus-Peter Kohl (Klitschko-Promoter): Witalij ist der Champion der Leute. Seine Strategie ist voll aufgegangen, er lag zwei Punkte vor. Alle haben gesagt, Vitali kann nicht boxen. Das hat er eindrucksvoll widerlegt. Es ist unverständlich, dass der Kampf abgebrochen wurde. Wir waren alle überrascht. Doch wir akzeptieren die Entscheidung des Doktors.

Chris Byrd (Schwergewichts-Weltmeister der IBF): Lennox ist Abfall. Er hat es absolut nicht verdient zu gewinnen. Witalij hätte den Kampf durch K.o. gewonnen, so wie ich es prophezeit habe.

Jim Lampley (Chefkommentator des US-Senders HBO): Witalij ist der Gewinner der Events, der Gewinner der Nacht, der Gewinner der Massen. 15.000 Zuschauer sind als Fans der Klischkos nach Hause gegangen. Für das Boxen war es eine wunderschöne Blutauffrischung. Lasst uns den Rückkampf sehen. Wir werden alles dafür tun.

Natalia Klitschko (Ehefrau): Zuerst war ich geschockt, als ich das viele Blut gesehen habe. Dann habe ich mir gesagt: Bleib ruhig, da muss man durch. Ansonsten könnte ich mich gleich zu Hause unter die Bettdecke legen. Ich teile alles mit Witalij. Auch diesen Schmerz der Niederlage. Ich bin natürlich sehr enttäuscht.

Dariusz Michalczewski (WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht): Das war ein knappes Ding. Der Kampf war nicht schön, aber dramatisch. Es wurde leider viel geklammert, weniger geboxt. Trotzdem: Witalij hat sich gut verkauft. Er war sehr gut vorbereitet. Trotz dieser Niederlage hat er viel gewonnen. Die Verletzung sah schlimm aus. Das war schon brutal. Da konnte man ja zwei Finger reinstecken. Die Chance, noch Weltmeister zu werden, ist aber da. Dieser Kampf gibt ihm Mut, er wird jetzt noch selbstbewusster und routinierter sein.

Wilfried Sauerland (Box-Promoter): Das war eine sehr gute kämpferische Leistung von Witalij. Lewis wirkte sehr müde und unbeweglich. Entweder ist er über den Zenit hinaus oder er hat nicht richtig trainiert. Er hatte keine Explosivität. Beide hatten null Deckung und waren offen wie ein Scheunentor. Ich hatte Witalij eine solche kämpferische Leistung nicht zugetraut. Es war eine genauso großartige Leistung wie die von Axel Schulz 1995 beim WM-Kampf gegen George Foreman."

Axel Schulz (ehemaliger Schwergewichts-Profi): Witalij hat mich sehr überrascht. Von Lewis war ich enttäuscht. Ich wünsche Witalij einen Rückkampf. Da sind noch sechs Runden offen, die Witalij gefehlt haben. Beide haben sich physisch stark verausgabt. Schon ab der zweiten Runde waren sie nicht mehr so frisch. Der Ringrichter hat falsch entschieden, den Kampf abzubrechen. Wenn, dann hätte er es eine Runde früher machen müssen, als der Cut stark geblutet hat. Später war die Wunde durch den Cutman ja fast gestillt. Das ist schließlich kein Frauenboxen. Witalij wird Nummer eins der Herausforderer bleiben. Ihn nach dieser unglücklichen Niederlage zurückzustufen wäre eine Frechheit.»

Henry Maske (ehemaliger Weltmeister):
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Klitschko-Brüder die Schwergewichts-Szene bestimmen werden. Witalij hat mich überzeugt. Ich habe nicht geglaubt, dass er den Kampf so stark gestaltet. Die Platzwunde an seinem Auge war ziemlich tief. Deswegen war es vertretbar, den Kampf zu stoppen.

Jürgen Prochnow (Schauspieler): Es war eine große Show ohne Happy-End mit einem unglücklichen Verlierer.

Lionel Ritchie (Sänger): Ich habe mich gefühlt wie im Film Rocky II. Vitali hat gezeigt, dass er ein Riesenherz hat.



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