Louis Vuitton Cup Oracle-Boss Ellison fliegt von Bord

Den Großteil des 85 Millionen Dollar hohen Budgets für das "Oracle BMW Racing"-Syndikat hat Larry Ellison finanziert. Doch der Software-Milliardär, der bislang beim "Louis Vuitton Cup" vor Auckland stets mitgesegelt war, wurde von seinem neuen Skipper an Land geschickt.


Larry Ellison an Bord der "USA 76": "Heute kein Bestandteil des Teams"
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Larry Ellison an Bord der "USA 76": "Heute kein Bestandteil des Teams"

Auckland - Larry Ellison, Hauptfinanzier des Oracle-BMW-Racing-Teams, ist seiner eigenen Personalentscheidung zum Opfer gefallen. Da das Segelsyndikat bislang die eigenen Erwartungen beim "Louis Vuitton Cup" nicht erfüllen konnte, hat Ellison vor fünf Tagen entschieden, seinen bisherigen Skipper Peter Holmberg durch seinen langjährigen Segelpartner Chris Dickson aus Neuseeland zu ersetzen.

Dickson gilt als einer der besten Segler der Welt, doch sein Umgang mit dem Personal ist mitunter eher hart als herzlich. Segeltrimmer Stu Argo beispielsweise warf aus Protest freiwillig das Handtuch, als er von der Verpflichtung Dicksons erfuhr. Und bereits Monate vor den Ausscheidungsrennen zum "Americas Cup", als Dickson als Skipper der "USA 76" im Gespräch war, war es zu heftigen Spannungen im Oracle-BWM-Racing-Team gekommen.

"Mr. Ellison ist heute kein Bestandteil des Teams"


Doch nun hat Dickson, kaum fünf Tage im Amt, seinen Boss erst einmal von Bord geschickt. Ellison hatte in den Rennen der ersten und zweiten Runde meistens die Rolle des Taktikers übernommen. Für das ursprünglich am Dienstagnachmittag (Ortszeit) vor Auckland geplante Rennen der "USA 76" gegen Dennis Connors "Stars & Stripes" jedoch wurde Ellison als erste Maßnahme von Dickson aussortiert und pikanterweise Holmberg hinter das Steuer gesetzt.

"Wir verfechten das Rotationsprinzip und Mr. Ellison ist heute kein Bestandteil des Teams", lautete der knappe Kommentar einer Oracle-Sprecherin, "Chris Dickson ist der Kapitän und dies ist seine Crew." Das mutige Manöver an Land konnte jedoch nicht auf offener See umgesetzt werden. Denn das Match gegen die "Stars & Stripes" kam nicht zustande, da die Mannschaft von Dennis Connor im Vormittagsrennen gegen die schwedische "Victory Challenge" einen Materialschaden erlitten hatte und das Rennen verlegt werden musste.

Knallhartes Rotationsprizip


Dickson ist ein sehr angesehener Segler. Vor vier Jahren steuerte er Ellisons Yacht "Sayonara" beim berüchtigten Sydney-Hobart-Rennen zum Sieg. Bei dieser Regatta ereignete sich eine Tragödie, als sechs Segler den fürchterlichen Wetterbedingungen zum Opfer fielen.

Bereits vergangene Woche hatte Dickson angekündigt, auf der "USA 76" im Rotationsprinzip zu verfahren. "Es kann auch sein, dass ich mal nicht zur ersten Mannschaft gehöre", so Dickson, "es könnte sogar sein, dass ich Larry bitte, von Bord zu gehen." Am Dienstag war es soweit.



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