Manipulationsverdacht Wettbetrug auch im Frauentennis möglich

Bei den Männern wird seit Monaten gegen mutmaßliche Wettbetrüger ermittelt. Nun wurde bekannt, dass auch weibliche Tennisprofis von Unbekannten zur Manipulation aufgefordert wurden. Beweise für verschobene Spiele gibt es aber noch nicht.


Hamburg - Fünf oder sechs Spielerinnen seien angesprochen worden, Matches zu verschieben, bestätigte Larry Scott, Chef der Spielerinnenvereinigung WTA. "Ich will keine weiteren Details nennen, weil die Untersuchungen noch laufen. Aber wir waren überrascht von der Menge an Wetten im Tennis allgemein und von der Zahl an Spielerinnen, die angesprochen worden sind", so Scott.

Tennisspielerin: "Keinen Beweis für Korruption"
AP

Tennisspielerin: "Keinen Beweis für Korruption"

Die WTA befinde sich aber noch im Stadium der Ermittlungen. "So weit wir das bislang beurteilen können, gibt es keinen Beweis für Korruption bei Spielerinnen oder im Umfeld der Spielerinnen", sagte Scott.

Bei der Männer-Spielervereinigung ATP laufen ebenfalls noch Ermittlungen in Bezug auf Wettbetrug. Die ATP untersucht eine Liste mit 140 Matches, die unter Manipulationsverdacht stehen. Auf dieser sollen auch sieben deutsche Profis stehen, darunter Philipp Kohlschreiber. Der 24-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

"Dazu gibt es nichts Neues und nichts Altes zu sagen", so Kohlschreiber, "die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen." Bislang habe kein ATP-Verantwortlicher Kontakt mit ihm aufgenommen. "Ich werde in Ruhe gelassen, will aber mit allen Mitteln meine Unschuld beweisen."

Der Wettskandal war im vergangenen Jahr öffentlich geworden, als Nikolai Dawidenko im polnischen Sopot gegen den Argentinier Martin Vassallo Arguello im dritten Satz wegen einer Fußverletzung aufgegeben hatte. Der Wettanbieter "Betfair" registrierte ungewöhnliche Wetten und erklärte alle Einsätze für ungültig. Gegen Dawidenko wird immer noch ermittelt. Zuletzt hatte die ATP die beiden Italiener Potito Starace und Daniele Bracciali wegen illegaler Wetten gesperrt.

Bei den Australian Open, die derzeit in Melbourne stattfinden, wacht nun eine Spezialeinheit darüber, dass alle Matches korrekt ablaufen. Laptops sind an den Plätzen verboten, der Zugang zu den Spielern soll erschwert worden sein. Der Deutsche Rainer Schüttler äußerte sich allerdings skeptisch über den Sinn der Maßnahmen. "Ich denke nicht, dass es was bringt, aber es sieht gut aus", sagte der 31-Jährige.

hut/dpa



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