Scharapowa-Comeback nach Dopingsperre Normal ist das nicht

Marija Scharapowa ist zurück: Bei ihrem Comeback feierte die Russin einen lockeren Sieg. Von der Dopingsperre und Kritik durch ihre Kolleginnen war ihr nichts anzumerken.

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Aus Stuttgart berichtet Philipp Joubert


15 Monate ohne Wettkampf sind für einen Leistungssportler eine Ewigkeit. Ein Zeitraum, in dem Zweifel entstehen und Routinen verloren gehen können. Als Marija Scharapowa am Mittwochabend in Stuttgart ihr Comeback gab, war davon nichts zu spüren. Der Tennis-Star ist zurück, und zumindest aus sportlicher Sicht wirkte es so, als sei er nie wirklich weg gewesen.

Weil sie im Januar 2016 bei den Australian Open positiv auf Meldonium getestet worden war, musste Scharapowa eine 15 Monate andauernde Dopingsperre absitzen, beim WTA-Turnier in Stuttgart kehrte die Russin nun zurück. Die 30-Jährige arbeitete, stöhnte und streckte sich, spätestens gegen Ende des ersten Satzes hatte sie ihre Gegnerin, Roberta Vinci, mit der ihr eigenen Intensität erdrückt. Letztlich gewann Scharapowa 7:5, 6:3, hinterher sprach sie davon, dass die Sekunden kurz vor dem Betreten des Courts "das beste Gefühl der Welt" seien. Doch nicht der Comeback-Sieg war das Thema in Stuttgart, sondern, dass Scharapowa überhaupt hatte antreten dürfen.

Durch die Sperre war Scharapowa aus der Weltrangliste gefallen. Die Konsequenz: Für ihre Turnierteilnahme benötigte sie eine Wildcard, die ihr das Mitspielen ermöglichte. Mehrere Tennisprofis, darunter Angelique Kerber, hatten daraufhin ihr Unverständnis darüber geäußert, dass die Veranstalter Scharapowa tatsächlich antreten ließen.

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Tennisstar Scharapowa: Zurück ins Glück

Über die Argumente ihrer Kritiker lässt sich streiten. Die Diskussionen sorgten jedenfalls dafür, dass das Interesse am Turnier deutlich größer war als üblich. Gut zweihundert Pressevertreter waren am Mittwoch in Stuttgart zugegen. Der Stadionsprecher trieb kurz vor Matchbeginn zwischen Scharapowa und Vinci gemeinsam mit den Zuschauern das "Applaus-O-Meter" über die avisierten hundert Punkte. Schließlich schaue die halbe Welt auf Stuttgart. Einen schlechten Eindruck wollte man da nicht hinterlassen.

So weit nach oben wie in der Probe war der Ausschlag nicht, als Scharapowa vorgestellt wurde. Keiner trampelte hörbar vor Entzückung, doch auch die befürchteten Buhrufe gab es nicht. Auf einem der vereinzelten Banner stand "Welcome back Maria", doch wer nicht um die ungewöhnlichen Umstände dieses Abends gewusst hätte, dem wäre nichts Besonderes aufgefallen.

"Sie ist glücklich, ich bin traurig"

Auf dem Platz glitten die Schläge von Vinci über das Netz und die Linie entlang - so, als sei die Italienerin direkt aus den Achtzigerjahren in die Gegenwart gespült worden. Doch Scharapowa war für die 34-Jährige zu gut. "Sie hat gewonnen, sie ist glücklich, ich bin wirklich traurig", sagte die frühere US-Open-Finalistin Vinci hinterher. Scharapowa habe auf hohem Niveau gespielt.

Nach ihrem Sieg saß Scharapowa Lederjacke tragend vor einer Pappwand mit vielen bunten Sponsorenlogos, aufmerksam wie immer. Sie schaute den Fragestellern in die Augen, war eloquent und blieb weitestgehend souverän im Ton. Häufig benutzte sie in diesen 14 Minuten das Wort Kontrolle und steckte den eigenen Kontrollbereich klar ab: Der liegt nämlich auf dem Platz und nur dort sei sie bereit, direkte Antworten zu geben. Fragen nach ihrer Wildcard ging sie aus dem Weg.

Dafür erzählte sie, dass sie während ihrer Sperre das Leben abseits des Sports genossen habe. "Ich bin zur Uni gegangen, habe gearbeitet und mich um meine Geschäfte gekümmert. Ich hatte ein ziemlich normales Leben", sagte Scharapowa. Normalität, die bald auch im Tennis wieder einkehren dürfte.

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zweitakterle 27.04.2017
1. Ob mit...oder ohne...
Meldonium, Scharapowa ist eine Ausnahmespielerin. Das sollten diejenigen anerkennen, die jetzt eifersüchtig im Schmollwinkel hängen, nachdem ihre gutaussehende Konkurrentin nach 15 Monaten Pause solch einen Start hinlegt. Eine Frage stellt sich trotzdem : muss man erst die Erfahrung mit Meldonium machen, um zu wissen, auf welchem Niveau man spielen sollte?
hans-rai 27.04.2017
2. Serena in Babypause - Maria wieder da...
...so wird es nicht langweilig im Tenniszirkus der Damen. Der Bericht sagt eigentlich schon alles. Ohne Glamour und deren Aushängeschilder bekommt man halt nicht die nötige Aufmerksamkeit. Dass die Turnierleitung in Stuttgart diese Chance nutzt - man es kann es ihr kaum verdenken.
qewr 27.04.2017
3.
Für Roland Garros und Wimbledon wird es wohl keine Wildcards absetzen.
spiegelneuronen 27.04.2017
4. puh
Zitat von hans-rai...so wird es nicht langweilig im Tenniszirkus der Damen. Der Bericht sagt eigentlich schon alles. Ohne Glamour und deren Aushängeschilder bekommt man halt nicht die nötige Aufmerksamkeit. Dass die Turnierleitung in Stuttgart diese Chance nutzt - man es kann es ihr kaum verdenken.
Die Darstellungen und Erklärungen von Markus Günthardt sind derart verzerrt. Markus Günthardt, als Turnierdirektor hätte bereits schon vor Monaten erklären können, dass die Wild-Card an Maria Sharapova abgemachte Sache ist und dass das Stuttgarter Turnier Verträge mit "Sugarpova" abgeschlossen hat. Sugarpova ist Sharapovas Süßwaren-Unternehmen. Zahlt da nun Sharapova an das Stuttgarter Turnier und Sharapova erhält eine Wildcard? Stuttgarts Hauptsponsor Porsche hat seine Markenbotschafterin so auch gleich dabei - plus Medieninteresse. ZITATBEGINN+++Der Preis für dieses Gefühl ist ziemlich hoch. Ihre Tafel Schokolade wird auf dem deutschen Markt mehr als drei Euro kosten. In welchen Geschäften wollen Sie das verkaufen? Wir sind gerade noch dabei, die Verträge mit den Händlern abzuschließen. Der erste Verkauf startet Ende April, wenn ich bei einem Tennisturnier in Stuttgart mein Comeback auf dem Tennisplatz feiern werde.+++ZITATENDE Quelle: WiWo vom 31.1.17- http://gruender.wiwo.de/maria-scharapowa-sugarpova-zu-gruenden-war-eine-radikale-idee/2/ Das versüßt die Strafe bzw. Sperre doch. Mal abgesehen davon, dass Sharapova -in ihrer Art- natürlich nicht ein Comeback "startet" - NEIN, Sharapova "FEIERT" ein Comeback. Das ist die Verblödung, die Sponsoren und Turnierdirektoren HIER betreiben. Passend dazu kann man nun auch gleich die Autobiographie vorab bestellen. UNSTOPPABLE... (Geschrieben in der Nacht, nach ihrem ersten Sieg in Stuttgart?) ... Vorsicht!-IRONIE
sonntag500 27.04.2017
5. Die wunderbare Scharapowa ist zurück
Eine Spielerin mit Biss, Charisma und mit Siegeswillen und Konstanz. Eine würdige Weltrangliste.
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