Masters Augusta vor Augen, Tiger im Sinn

Zum ersten Höhepunkt der Golfsaison schwingen Teilnehmer, Fans, Berichterstatter und Wettbüros ungewöhnlich synchron. Allen ist klar, dass der Sieg nur über Tiger Woods führen kann.


Jean Van de Velde, Bernhard Langer beim Training am Mittwoch: Kühne Vorstellung
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Jean Van de Velde, Bernhard Langer beim Training am Mittwoch: Kühne Vorstellung

Augusta - Eigentlich ist ein Turniersieg für Bernhard Langer längst überfällig. Darauf zu setzen, dass der Schwabe ausgerechnet beim 64. US-Masters in Augusta (Georgia) seine Erfolgslosigkeit seit 1997 beendet, wäre jedoch eine kühne Vorstellung. Obwohl das imageträchtigste Golfturnier "mein Turnier" ist, wie Langer wenige Stunden vor seinem ersten Abschlag noch einmal betonte. Zusammen mit den Amerikanern Jeff Sluman und Justin Leonard wird er am Donnerstag um 12.06 Uhr (Ortszeit) starten. Seit seinem ersten von zwei Triumphen auf "den schwersten Grüns der Welt" im Jahre 1985 und 1993 wisse er, dass er jeden schlagen kann. Der Realitätssinn sei ihm dennoch geblieben: Der Sieg führt nur über Tiger Woods.

Nicht nur der einzige deutsche Profi unter den 102 Spielern, die nach den Regeln des elitären Augusta National Golf Clubs ihre Starterlaubnis erhalten, spricht davon, dass der Weltranglistenerste in einer anderen Liga spielt. "Wenn er zeigt, was er kann, bezwingt ihn niemand", meinte Vorjahresgewinner Jose Maria Olazabal am Dienstag nach dem Training. Kampflos werde sich der Spanier deshalb aber nicht geschlagen geben. "Vor zwölf Monaten habe ich auch nicht geglaubt, das ich meinen Erfolg von 1994 wiederholen kann. Doch auf diesem extrem schwierigen Kurs ist mehr möglich als anderswo."

Wo immer Tiger Woods, der Superstar mit dem "Tunnel-Blick, der das Spiel dominiert, wie kein anderen zuvor" (Sports Illustrated), seinen Schläger schwingt, wird erwartet, dass er gewinnt. Diesmal erst recht nach den Statistiken. Nur Woods gelang es innerhalb eines Masters-Jahres, zehn Turniere zu gewinnen. Nur er stellte den Rekord von sechs PGA-Siegen hintereinander im gleichen Zeitraum ein. Nur Woods schaffte es, bei den letzten zehn von elf PGA-Turnieren wenigstens Zweiter zu werden. Deshalb lautet die einschlägige Meinung: Der Tiger wird sich das zweite grüne Jackett (Outfit des Champions) ohne Probleme holen. Er sei in super Verfassung, versicherte beispielsweise Ex-Basketballstar Michael "Air" Jordan nach dem obligatorischen Telefonat, das er immer vor einem Turnier mit seinem Freund führt.

Tiger Woods: "Kenne alle Schläge"
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Tiger Woods: "Kenne alle Schläge"

Der Platz, auf dem vor drei Jahren der damals 21-Jährige Woods mit dem Rekord von 270 Schlägen und zwölf vor Verfolger Tom Kite als jüngster Champion in die Masters-Geschichte einging, zeigt sich in neuem Gewand. Die Schwierigkeiten des 6 314 Meter langen Par-72-Kurses wurden erhöht. Nachdem seit zwölf Monaten entlang der Fairways das Rough wächst, schießen an einigen markanten Punkten auch Bäume aus dem Boden. "Das macht den Platz nicht leichter, das Spiel aber spannender", so Woods, dessen Siegeszuversicht unerschütterlich ist. "Ich kenne alle Schläge, und ich beherrsche sie alle perfekt."

Auf das zweite Masters-Jacket ist Woods auch scharf, weil er endlich als erster Spieler den Grand Slam (US-Masters, US-Open, British Open und PGA-Championship) gewinnen will. Bei Londoner Buchmachern gilt er als 33:1 Favorit. Für das Masters ist er 5:2 Favorit. Langer wird mit 66:1 geführt. "Wenn ich am Limit spiele, ist vieles drin", glaubt der 42-Jährige Schwabe, der im Gegensatz zu Woods beim Masters schon öfter siegte - 1993 zum zweiten Mal.



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