Masters Singh trägt das grüne Jackett

Vijay Singh hat das 98. Masters der Profigolfer in Augusta gewonnen. Auf der letzten Runde konnte der Mann von den Fidschi-Inseln die Angriffe von David Duval und Ernie Els souverän abwehren. Bernhard Langer hatte mit dem Ausgang des Turniers am Ende nichts mehr zu tun.

Von Andreas Lampert


Augusta - Kein Sieger kam je von weiter her, um sich das legendäre grüne Jackett zu holen, als Vijay Singh von den Fidschi-Inseln. Der 1,95 Mann aus Ozeanien, der sich über die Jahre durch die Knochenmühlen der Australasia Tour und der European Tour zu einem der besten Golfern der Welt hochgearbeitet hat, feierte auf dem legendären Kurs von Augusta den zweiten großen Triumph seiner Karriere. Nach 1998, als er mit der PGA Championship sein erstes Major gewann, durfte er sich nun zum zweiten Mal in die Liste der Major-Sieger eintragen.

"Es fühlt sich wunderbar an": Vorjahressieger Olazabal überreicht Singh das berühmte grüne Jackett
AP

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In den vier Runden von Augusta zeigte Singh, dass er sich weitgehend vom Ruf befreit hat, ein Longhitter zu sein, aber nur mittelprächtige Leistungen mit dem Putter zustande zu bringen. Mit 278 Schlägen (72+67+70+69) lag er am Ende sicher vor dem Südafrikaner Ernie Els, der 281 Schläge (72+67+74+68) benötigte. Dritter wurde Singhs Flightpartner David Duval (282-73+65+74+68), der am zweiten Tag noch geführt hatte und in der vierten Runde ungewohnt selbstzerstörisch zu Werke ging. Schlaggleich auf dem dritten Rang landete Duvals amerikanischer Landsmann Loren Roberts (282-73+69+71+69). Der hohe Favorit Tiger Woods verspielte an den ersten beiden Tagen, als er für seine Verhältnisse nur durchschnittliches Golf spielte, seine Chancen auf einen Sieg. Dennoch brachte sich Woods mit zwei Runden unter 70 noch einmal ins Gespräch und beendete das prestigeträchtigste Turnier der Saison mit 284 (75+72+68+69) Schlägen auf dem fünften Rang.

Bernhard Langer, dessen 17. Auftritt in Augusta mit zwei 71-er-Runden vielversprechend begann, musste sich am Ende mit einem 28. Platz (293-71+71+75+76) begnügen. "In der dritten Runde hatte ich mächtig mit den ungewohnten Windverhältnissen zu kämpfen", so der Anhausener: "In der vierten Runde bin ich dann sehr agressiv zu Werke gegangen, wobei ich allerdings keinen richtigen Rhythmus gefunden habe. Der Platz bestraft einen sofort, wenn man keinen perfekten Schlag abliefert."

Am Ende war der 37-jährige Singh der Mann, dem die geforderte Perfektion am besten gelang. Mit natürlicher Lässigkeit und sicherem Putting wehrte er alle Angriffe seiner Kontrahenten ab und erreichte das 18. Loch, als wäre er in einem Cadillac unterwegs. Am letzten Grün gelang Singh noch ein Sechs-Meter-Putt zum Birdie, der die Galerie noch einmal zu einer Standing Ovantion anhielt. David Duval, der das gesamte Turnier im ungewohnten T-Shirt absolvierte, gab sich als artiger Verlierer: "Eigentlich sollte niemand allzu sehr überrascht sein, dass Vijay das Turnier gewonnen hat. Er ist ein wunderbarer Spieler." Singh freute sich über die Gratulationen und Lobreden wie ein kleiner Junge. Als er das berühmte grüne Sieger-Jackett vom letztjährigen Gewinner, Jose Maria Olazabal aus Spanien, überreicht bekam, ignorierte er zunächst den Siegerscheck über 828.000 Dollar, sondern streichelte nur noch sein neues Kleidungsstück: "Es fühlt sich großartig an."



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