Medaillenverzicht Rumänische Turnerinnen protestieren heftig

Der wegen Doping disqualifizierten rumänischen Kunstturn-Olympiasiegerin Andreea Raducan schlägt viel Solidarität entgegen. Als Zeichen haben die Mannschaftskolleginnen ihre Medaillen zurückgegeben.


Rumänische Kunstturnerinnen unter sich: Simona Amanar, Andreea Raducan und Maria Olaru (v.l.)
AP

Rumänische Kunstturnerinnen unter sich: Simona Amanar, Andreea Raducan und Maria Olaru (v.l.)

Sydney - Aus Protest gegen die Aberkennung der Goldmedaille ihrer Mannschaftskollegin Andreea Raducan haben die rumänischen Turnerinnen Simona Amanar und Maria Olaru ihr olympisches Edelmetall zurückgeben und einen Boykott der neu angesetzten Siegerehrung angekündigt. Dies berichteten am Mittwoch der amerikanische Nachrichtendienst AP sowie der australische "Sydney Morning Herald". Raducan, die letzten Donnerstag den Mehrkampf im Kunstturnen gewonnen hatte, war am Dienstag des Dopings überführt worden und musste ihr Goldmedaille wieder abgeben.

Nach der Disqualifikation rückten automatisch alle anderen Teilnehmerinnen des Mehrkampffeldes einen Platz hoch. Damit gehen Gold und Silber nunmehr an Raducans Landsfrauen Simona Amanar und Maria Olaru, Bronze steht der Chinesin Liu Xian zu.

Doch Amanar und Olaru wollen ihre neues Edelmetall nicht. Ihre Tochter werde die Goldmedaille auf keinen Fall akzeptieren, sagte stellvertretend die Mutter von Amanar. Auch Olaru sträubt sich und gab zu verstehen, sie werde unter keinen Umständen am Mittwoch an der notwendig gewordenen neuen Siegerehrung teilnehmen.

Unterdessen ist Andreea Raducan weiterhin untröstlich ob ihres Ausschlusses. Sie sei fortwährend in Tränen und leide an Schlaflosigkeit, erklärte die 16-jährige Rumänin, die als Opfer ihres Mannschaftsarztes Ioachin Oana gilt. Dieser hatte seinem Schützling vor dem Mehrkampfwettbewerb wegen einer Erkältung Tabletten verschrieben, die den verbotenen Wirkungsstoff Pseudo-Ephedrin enthalten. Dafür wurde der rumänische Teamarzt vom IOC bis einschließlich 2004 für Olympia gesperrt.

Der zierlichen, nur 1,48 Meter messenden Raducan wird vielerorts Mitgefühl entgegengebracht. So denken aus Rumänien stammende Australier darüber nach, qua Spenden der abgestraften Turnerin die 28.000 Dollar zu ersetzen, die ihr als Siegprämie für den Gewinn der Goldmedaille zugestanden hätten.

Unterdessen wurde der Termin für die Berufungsverhandlung, die Raducan wegen der Abererkennung ihrer Goldmedaille vor dem Internationalen Sportsgerichtshof (CAS) beantragt hat, um 24 Stunden auf Donnerstag verschoben.



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