Meineid Leichtathletik-Star Jones muss ins Gefängnis

Keine Gnade für Marion Jones: Als erster Sportstar ist die einstige Weltleichtathletin im Zusammenhang mit Doping zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Auch Falschaussagen im Zuge eines Scheck-Betrugs wurden der 32-Jährigen zum Verhängnis.


White Plains - Jones muss wegen Meineids für sechs Monate hinter Gitter. Die Richter ignorierten ihre Bitte, sie nicht von ihren Kindern zu trennen. "Ich bitte Sie, so gnädig zu sein, wie ein Mensch nur gnädig sein kann", hatte Jones vor der Urteilsverkündung gesagt.

Das Gericht ordnete zudem 400 Stunden gemeinnützige Arbeit an. Eine Geldstrafe hätte keinen Sinn gemacht, da sich die Ex-Millionärin vor Monaten vor Gericht bereits für bankrott erklärt hatte.

Richter Kenneth Karas machte deutlich: "Der Verstoß ist ernsthaft. Es war kein Einzelfall, sondern der wiederholte Versuch, das Gesetz zu brechen. Natürlich ist es kein schöner Tag für sie und ihre Familie." Mit dem Urteil schuf die US-Justiz einen Präzedenzfall vor den Prozessen gegen weitere amerikanische Doping-Sünder, die vor einem Geständnis oder der Überführung zum Teil ebenfalls falsche Aussagen gemacht hatten.

Zum Verhängnis wurden Jones Falschaussagen zu ihrer Doping-Vergangenheit. Im November 2003 wurde Jones im Zuge des Balco-Skandals befragt und bestritt jeglichen Doping-Missbrauch vehement. Vor drei Monaten räumte sie dann ein, von September 2000 bis Juli 2001 gedopt zu haben. Im Anschluss an ihr Geständnis erklärte sie unter Tränen ihren Rücktritt vom Leistungssport.

Die Kalifornierin bekannte sich außerdem schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheckbetrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben. Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung ihres ehemaligen Freundes und Vaters des gemeinsamen Sohnes, Ex- Weltrekordler Tim Montgomery, in einen millionenschweren Kriminalfall gewusst zu haben.

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte Jones ihre drei olympischen Gold- (100, 200 und 4x400 Meter) sowie zwei Bronzemedaillen (4x100 Meter und Weitsprung) von Sydney 2000 verloren. Alle Wettkampfergebnisse seit dem 1. September 2000 wurden gestrichen. Zudem sieht sich das einstige Dreamgirl finanziellen Rückforderungen von 800.000 Dollar durch den Weltverband IAAF und die US-Anti-Doping-Agentur Usada gegenüber.

pav/sid/dpa



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