Michalczewskis Comeback Der Tiger sucht neue Beute

Einen Monat nach seiner ersten Niederlage als Profiboxer hat sich Ex-Weltmeister Dariusz Michalczewski zur Fortsetzung seiner Laufbahn entschlossen. Obwohl die Reflexe langsamer geworden sind und er in den letzten Ringschlachten mächtig Prügel einstecken musste, fühlt sich der "Tiger" noch stark genug für einen WM-Titel.


Dariusz Michalczewski, Promoter Kohl: Viele Briefe von Frauen
DDP

Dariusz Michalczewski, Promoter Kohl: Viele Briefe von Frauen

Hamburg - "Ich will noch einmal Weltmeister werden und zwar so schnell wie möglich", sagte Michalczewski am Montag bei einer Pressekonferenz in Hamburg: "Auf diese Aufgabe bin ich heiß." Den Ausschlag für die Fortsetzung seiner Karriere im Seilgeviert habe die Reaktion der Fans nach seiner Punktniederlage gegen den Mexikaner Julio Cesar Gonzalez vor vier Wochen gegeben. "Ich habe viele Briefe aus Polen und Deutschland bekommen, hauptsächlich von Frauen. Die haben mich sehr bewegt", gestand der gebürtige Danziger.

Auch von seiner Familie wurde der Vater zweiter Söhne unter Druck gesetzt: "Mein jüngerer Sohn Niklas hat mir gleich nach dem Gonzales-Kampf gesagt, ich soll mir meinen Gürtel sofort zurückholen. Aber ich wäre mir selbst böse, wenn ich es nicht noch einmal versuchen würde, denn ich fühle mich topfit." Für Promoter Klaus-Peter Kohl ist Michalczewski populärer denn je: "Er hat jetzt die Akzeptanz gefunden, die er seit Jahren verdient."

"Es muss ein großer Kampf sein"


Wer der nächste Gegner von Michalczewski sein wird, steht noch nicht fest. "Ich boxe prinzipiell gegen jeden", tönt der Tiger - mit einer Einschränkung: "Es muss ein großer Kampf sein." Ein Rückkampf gegen Gonzales wäre vom Regelwerk der World Boxing Organisation zunächst nicht möglich. "Die Statuten lassen ein direktes Rematch gar nicht zu", so Kohl. Deshalb scheint die Option auf einen Titelkampf beim konkurrierenden Verband WBA derzeit wahrscheinlicher. Die World Boxing Association führt Michalczewski auf Platz eins ihrer Rangliste und damit als offiziellen Herausforderer von Weltmeister Silvio Branco aus Italien. "Ich werde in den nächsten Wochen prüfen, wie schnell wir dort zum Zug kommen können", sagte Kohl. Allerdings könnte ein geplanter Titelkampf zwischen Branco und dem französischen Ex-Weltmeister Fabrice Tiozzo Michalczewskis Option zeitlich hinauszögern.

Michalczewski in seinem letzten WM-Kampf gegen Gonzales: "Fühle mich topfit"
REUTERS

Michalczewski in seinem letzten WM-Kampf gegen Gonzales: "Fühle mich topfit"

Auch der Name Roy Jones steht weiter im Raum. "Natürlich habe ich auch ihn noch im Hinterkopf, aber das müssen andere regeln", erklärte Michalczewski. Der US-Amerikaner hatte sich nach einem erfolgreichen Ausflug ins Schwergewicht erst vor zehn Tagen den WBC-Titel im Halbschwergewicht zurückgeholt. Allerdings will Jones nach eigenem Bekunden in seiner Karriere nur noch einen Kampf bestreiten - im Schwergewicht gegen Mike Tyson. Dennoch will Kohl nichts ausschließen: "Jones sagt vieles. Bei so einem Kampf geht es natürlich ums Geld. Da muss man prüfen, wo es herkommen könnte."

Aufstieg in eine höhere Gewichtsklasse?


Michalczewski ist jedenfalls zuversichtlich, was seine Zukunft angeht: "Ich denke, ich werde im April, spätestens Mai wieder boxen." Für den Ex-Champion, der 1995 auch schon einmal den Titel in der nächst höheren Gewichtsklasse erobern konnte, ist ein Kampf um die Cruiser-WM durchaus denkbar: "Auch das würde ich machen. Ich bin einfach noch nicht am Ende."



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