Minutenprotokoll Zabel und Aldag gestehen Epo-Doping

Erik Zabel und Rolf Aldag haben gestanden, in ihrer aktiven Zeit gedopt zu haben. Der T-Mobile-Sportdirektor räumte jahrelanges Epo-Doping ein. Zabel gibt die "einmalige Epo-Einnahme" zu. Alle Einzelheiten lesen Sie im Minutenprotokoll von SPIEGEL ONLINE nach.


13 Uhr Die Pressekonferenz ist beendet, die zwei Outings zweier ehemaliger Spitzenfahrer brachte. T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag gesteht jahrelanges Epo-Doping, Deutschlands erfolgreichster Sprinter Erik Zabel räumt eine einwöchige Epo-Kur ein. Aldag hatte zuvor gegenüber Teammanager Bob Stapleton seinen Rücktritt angeboten - den Stapleton jedoch ablehnte.

+++

12:54 Uhr Telekom-Kommunikationsdirektor Christian Frommert betont, dass es für ihn unvorstellbar sei, dass die Konzernspitze etwas vom Doping im Team Telekom gewusst habe.

+++

12:52 Uhr "Ich weiß nichts darüber, ob Jan Ullrich gedopt hat. ich habe nicht einmal das Zimmer mit ihm geteilt, wir hatten nicht mal den gleichen Masseur. Es wäre unfair, ihm Doping zu unterstellen, genauso unfair wäre es zu sagen, er habe nicht gedopt."

+++

12:50 Uhr Auf die Frage, was mit den Sportlichen Leitern Brian Holm und Jan Schaffrath passieren würde, sagt Stapleton: "Brian Holm hat sich ja schon vor Jahren bekannt, mit Schaffrath habe ich noch nicht gesprochen, aber sein Verhalten im Anti-Doping-Kampf ist beispielhaft."

+++

12:48 Uhr "Man redet sich Situationen schön. Man nahm ja immer an, dass die anderen es nicht nur selbst auch tun, sondern noch mehr." Aldag sagt zudem, nach D'Honts Weggang aus dem Team das Epo von der Uniklinik Freiburg bekommen zu haben.

+++

12:46 Uhr Aldag erklärt, dem ehemaligen Teamchef Walter Godefroot nie Geld für Epo gegeben zu haben. "Ich habe mit Godefroot nie über Medizin gesprochen." Zabel erklärt, 258 D-Mark an Masseur D'Hont gezahlt zu haben. "Ob er das weitergegeben hat oder nicht, weiß ich nicht."

+++

12:44 Uhr "Am 30.4.2007 war klar, dass es so nicht weitergehen kann", sagt Zabel. "Ich hatte als Sportler das Ziel, bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr erfolgreich zu sein. Da muss ich jetzt abwarten." Nach diesem Outing werde er jetzt abwarten.

+++

12:42 Uhr "Ich glaube, ich kann einen entscheidenden Beitrag leisten, dass es weitergeht", sagt Aldag, der sich "über die zweite Chance" freut. Er werde sich jedoch immer weiter hinterfragen lassen.

+++

12:40 Uhr Aldag nimmt in Teilen die Ärzte der Uniklinik Freiburg in Schutz. Zumindest im Jahr 2007 sei das Programm der Mediziner ein klarer "Anti-Doping-Kampf" gewesen, früher hätten die Sportärzte die Fahrer "eher geschützt, bei uns ist ja niemand tot vom Rad gefallen. Obwohl das, was die Ärzte getan, sicher auch falsch".

+++

12:36 Uhr Stapleton kritisiert die Epo-Tests als "hochgradig unzuverlässig". Zudem seien einige seiner Rennfahrer bereits 13 mal getestet worden, "andere in Jahren noch nie". Es brauche ein "Anti-Doping-Programm", das aber nur durch Druck von außen und Bereitschaft von innen entstehen könne. "Wir haben Bluttests eingeführt, die sind wesentlich effizienter."

+++

12:33 Uhr Das T-Mobile-Team wolle kein "Team Saubermann" sein, sondern dafür sorgen, dass alle unter den gleichen Bedingungen Sport treiben können, so Aldag. "Wir wollen nicht Erfolg um jeden Preis, sondern unter fairen Bedingungen." Deshalb müssten sich die Teams untereinander einstimmig auf einen "neuen Kurs" einigen, "und wer nicht dabei ist, muss eben hineingezwungen werden", erklärt Aldag.

+++

12:30 Uhr "Die Konsequenzen werden sehr weitreichend sein, da wird kein Stein auf dem anderen bleiben", sagt Zabel zu den Folgen der Geständnisse. Zur Frage, ob nicht alle Telekom-Erfolge der Neunziger annulliert werden müssten, erklärt er: "Diese Erfolge sind Vergangenheit und nichts ist älter als der Erfolg von gestern." Er sitze aber auch auf dem Podium, weil das Doping-Kontrollsystem immer noch sehr lückenhaft sei, das müsse sich ändern.

+++

12:29 Uhr Aldag fordert konkrete Hilfe von Gesetzgebern und Politik. "In Spanien liegen angeblich tausende Seiten von Akten, aber man kann nicht darauf reagieren."

+++

12:26 Uhr Zabel räumt ein, auch oft von D'Honts "Zaubertrank" genommen zu haben. "Ich habe ihn immer gefragt, was da drin ist, ob ich Sorgen haben müsste wegen der Dopingproben nach dem Rennen." Er habe erst durch den SPIEGEL-Artikel vom 30.4.2007 erfahren, "was da drin ist". (Koffein und die Herzmittel Alupent und Persantin; d. Red.)

+++

12:23 Uhr Aldag erklärt, "Angst vor Nebenwirkungen" gehabt zu haben. Sein absoluter Hämatokrit-Höchstwert sei 53 gewesen. Über die Nachweismöglichkeiten von Epo habe man "Ärzte fragen müssen", erklärt Aldag. "Aber durch das Wissen, dass man es nicht nachweisen konnte, war es sehr beruhigend."

+++

12:17 Uhr Aldag begründet nochmals, er habe vor allem gedopt, "weil man glaubte, dass es alle tun". Er habe bei Masseur D'Hont "aktiv nachgefragt. Das Bewusstsein, dass es falsch war, war auch da. Um hässliche Flecken zu vermeiden, habe ich mir die Spritzen in ein Tattoo am Oberarm gespritzt." Zudem habe er sich eine Zentrifuge gekauft, um seinen Hämatokrit-Wert zu testen. Es sei unrealistisch, zu glauben, dass "jeder von jedem gewusst hat, dass er dopt".

+++

12:15 Uhr "Ob einer meiner Erfolge in der Zukunft noch Bestand haben wird, ist jetzt das kleinste Problem", sagt Zabel. "Das ist mir egal, auch wenn Radsport meine absolute Leidenschaft." Zabel kann sich nach eigenen Aussagen nicht mehr erinnern, ob er "aktiv nach Epo gefragt" habe, "oder ob wir während einer Massage darauf kamen".

+++

12:10 Uhr "Ich schäme mich dafür", sagt Aldag, aber er könne nicht für andere sprechen.

+++

12:08 Uhr Zabel sagt, dass er selbst "immer nur ein paar Minuten im Wind gestanden habe, andere Fahrer mussten 200 Kilometer im Wind arbeiten. Die habe ich ja als Sprinter auch genutzt."

+++

12:06 Uhr Aldag verteidigt sich erneut für seine Lügen und erklärt, bis Ende April habe er noch geglaubt, "neue Wege" zu gehen würde ausreichen.

+++

12:02 Uhr Zabel erklärt, seinen Milram-Sportdirektor am Donnerstag von seinen Plänen informiert zu haben. "Ich habe meine Karriere an der Garderobe abgegeben und lege meine Zukunft in die Hände der Journalisten und Fans. Es war eine Bauchentscheidung, meine Vergangenheit offenzulegen, damit der Radsport vielleicht eine Zukunft hat."

+++

Ex-Radprofis Zabel (l.), Aldag: Geständnis vor allen Augen
DDP

Ex-Radprofis Zabel (l.), Aldag: Geständnis vor allen Augen

11:56 Uhr Stapleton erklärt, er wolle weiter mit Aldag zusammenarbeiten. "Wir werden uns auf Rennen konzentrieren, in denen man ohne Doping gewinnen kann", sagt der US-Amerikaner. Bisher seien die Dopingverfahren unfair gewesen, alles habe sich auf Jan Ullrich und Ivan Basso konzentriert, "doch das Ganze geht sehr viel tiefer, und da wollen wir tätig werden." Stapleton stellt heraus, dass das Team mit dem Weltverband Kontakt aufgenommen zu haben, Stapleton dankt außerdem Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. "Ich glaube, dass ein Schnitt gemacht werden muss, wir wollen DNA-Tests eingeführt werden."

+++

11:54 Uhr Stapleton spricht über Aldags Zukunft. "Rolf hat großartige Arbeit geleistet", so Stapleton. "Aber kann Rolf immer noch eine positive Veränderung herbeiführen? Ich habe mit dem Team gesprochen und viele haben gesagt, Aldag sei der Grund, warum sie für uns fahren".

+++

11:52 Uhr Teammanager Bob Stapleton dankt Zabel und Aldag für ihre Worte und lobt die Erfolge des "jungen Teams" in der jüngsten Zeit. "Ich sehe die Gefahr, dass das aktuelle Dopingumfeld die Erfolge dieses Teams in der Zukunft gefährden könnte." Es sei wichtig, dass es mit dem Radsport weitergehe. "Ich bin ein bisschen naiv gewesen, als ich glaubte, man könnte den Sport schneller sauber bekommen."

+++

11:50 Uhr "Wenn ich will, dass mein Sohn einen sauberen Sport betreibt, dann kann ich ihn nicht mehr anlügen", sagt Zabel, der weint und sich nochmals entschuldigt, alle angelogen zu haben. "Wenn es so sein sollte, dass ich dadurch einen Wettbewerbsvorteil hatte, bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen."

+++

11:46 Uhr "Ich habe gedopt, weil es ging", sagt Zabel unter Tränen. Im Grunde sei das Kontrollsystem "heute ähnlich lückenhaft". Sein Sohn fahre auch Rad, "und wenn ich ihn sehe, will ich nicht, dass er eine ähnliche Situation vorfindet wie wir."

+++

Ehemaliger Telekom-Fahrer Zabel: "Ich möchte mich entschuldigen"
DPA

Ehemaliger Telekom-Fahrer Zabel: "Ich möchte mich entschuldigen"

11:46 Uhr Zabel gibt zu, "einmalig" Epo genommen zu haben vor der Tour 1996. Nach einer Woche habe er die Behandlung beendet, "ich kam mit den Nebenwirkungen nicht klar". Er habe eine "erhöhte Körpertemperatur gehabt und am Morgen einen niedrigeren Ruhepuls". Danach habe er das "für immer" gestoppt. Damit bestätigt der Sprinter exakt die Angaben, die der ehemalige Telekom-Pfleger Jeff D'Hont im SPIEGEL machte.

+++

11:43 Uhr Zabel nennt den Moment "den schlimmsten meiner Karriere". Er habe den "Leuten, die mit mir arbeiten, gesagt, dass ich keine Lust auf irgendwelche Medizin".

+++

11:41 Uhr Erik Zabel berichtet von seinen Anfängen als Radprofi. "1994 hatte ich mich bei Paris-Roubaix kaputtgefahren. Danach habe ich um eine Sitzsalbe gebeten für den Hintern", so Zabel. Er sei danach vom Bund deutscher Radfahrer über eine positive Probe informiert worden. "Mir war nicht klar, woher diese positive Probe kam."

+++

11:40 Uhr Aldag sagt, er habe danach den Kontakt zu Bob Stapleton aufgenommen und seinen Rücktritt angeboten. Es sei nicht gut für die Eitelkeit, dass sich andere Kollegen vor ihm offenbart hätten. "Ich möchte mich nochmal für die Lügerei entschuldigen."

+++

11:37 Uhr Aldag bedauert, gelogen zu haben. Er sei 1998 im ZDF zugeschaltet worden und habe damals im Wissen geleugnet, dass man ihm nichts nachweisen könnte. Aldag erklärt, der SPIEGEL-Artikel über die Enthüllungen des Ex-Masseurs Jef D'Hont sei mitverantwortlich für seine Entscheidung gewesen, sich zu offenbaren.

+++

11:34 Uhr 2002 habe er versucht, Dopingsubstanzen im Internet bestellt zu haben, ebenfalls Epo, so Aldag, der detailliert beschreibt, wie er erkannte, dass Doping lebensbedrohlich sein könnte. "Da hat es klick gemacht".

+++

11:32 Uhr Aldag erklärt, ab 1996 "aktiv" nach Doping-Substanzen gefragt zu haben. Er habe mit Epo gedopt, so der T-Mobile-Sportdirektor. "Ich konnte nicht erwischt werden", so Aldag. Er berichtet von regelmäßigen morgendlichen Epo-Spritzen.

+++

11:31 Uhr Telekom-Sprecher Christian Frommert eröffnet die PK. Er betont, dass T-Mobile sein Engagement bis 2010 fortsetzen wolle. Die Welt des Radsports sei jedoch "nicht in Ordnung".

+++

Ein erster Radsport-Sponsor hat im aktuellen Umfeld keine Lust mehr, den eigenen Namen mit einer offenbar verseuchten Sportart zu verbinden. Das Team Wiesenhof verkündete seinen Rückzug zum Jahresende.

+++

Bereits vorgestern hatte Hans-Michael Holczer, Teamchef des Gerolsteiner-Rennstalls, darauf verzichtet, den geständigen Christian Henn als Sportlichen Leiter zu beurlauben. Das sei das "falsche Signal", so Holczer zu SPIEGEL ONLINE.

+++

Sportdirektor Aldag: Pressekonferenz in Bonn
DPA

Sportdirektor Aldag: Pressekonferenz in Bonn

Stapleton hat in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" angedeutet, auch Aldag sei gedopt gewesen, als er für das Team Telekom fuhr. "Es hat eben auch bei ihm Momente der Schwäche gegeben, und jetzt müssen wir versuchen, dass wir da raus kommen und mit ihm weiter machen können", erklärte Stapleton. "Ich kann nachvollziehen, welcher Druck durch die Regeln dieser schon erwähnten Parallelgesellschaft entsteht. Ich glaube, dass Rolf heute sehr engagiert ist und sehr zu dem steht, was wir jetzt tun." Eine Weiterbeschäftigung des Sportdirektor gilt trotz des erwarteten Geständnisses als wahrscheinlich.

+++

Willkommen zum Liveticker von der T-Mobile-Pressekonferenz, die in der Konzernzentrale in Bonn stattfindet. Neben Sportdirektor Rolf Aldag und Teammanager Bob Stapleton ist auch Erik Zabel dabei.

goe

insgesamt 415 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shokaku 24.05.2007
1.
Natürlich beides.
inci 24.05.2007
2.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
lieber sysop, sie sind teil eines systems, so wie sie und ich auch. lediglich die höhe des schmerzensgeldes dürfte in den individuellen fällen stark differieren. und, sind wir nicht alle ein bißchen dedopt.....?
Newspeak, 24.05.2007
3.
Beides. Opfer, weil sie in Kauf nehmen ihren Körper für ihren Sport massiv zu schädigen und weil das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer, Arzt und Athlet häufig von ersteren missbraucht wird, ohne daß es dem einzelnen Sportler immer bewusst wäre. Andererseits ist es zu billig, den Sportler von jeder Schuld freizusprechen, ich denke, die allermeisten Sportler, die dopen, wissen ganz genau, was sie tun und haben auch ein gutes Gespür dafür, daß sie betrügen. Und dopen trotzdem. Insofern sollten sie auch die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, sie verschaffen sich ja auch bei erfolgreichem Doping, d.h. durch Betrug, ansehnliche Summen durch Sponsorenverträge, Werbung etc., warum also sollten sie als Begünstigte bei einer Bestrafung leer ausgehen? Oder man ist konsequent und gibt jede Form von Doping frei, dann hat man halt einen Wettkampf, weniger um die Lesitungen des Sportlers, als um die beste Chemiefirma...wer das dann sehen möchte...
console 24.05.2007
4. Ich sehe sie eher als Opfer.
Da es bei der Tour kein Trikot für den ersten ungedopten Fahrer gibt, bleibt einem Leistungssportler über kurz oder lang nur der griff zu Unerlaubtem. Wenn man dies auch noch vom eigenen Teamarzt bekommt, um so leichter... Ganz nebenbei: Das Leistungsgefälle unter den Fahrern ist für mich schon immer sehr auffällig gewesen. Wenn eine Gruppe zeitgleich das Ziel erreicht, und auch nur einer aus dieser Gruppe gedopt ist, was ist dann mit den anderen?
Pinarello, 24.05.2007
5.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
Siehe Udo Bölts Geständnis: "Mit EPO angefangen zu dopen weil die Zukunft des Telekomengagment auf der Kippe stand, in den Anfangsjahren des Telekomteams ist man immer hinterher gefahren und mit EPO-Doping konnte man mit allen anderen mithalten". Stellt sich jetzt die Frage, erst Opfer und dann Täter oder umgekehrt. Zum damaligen Zeitpunkt, wir reden ja von Anfang bis Mitte der 90er Jahre, gab es für einen Profiradrennfahrer gar keine andere Möglichkeit, außer auf seinen Beruf Rennradfahrer gleich zu verzichten. Anzumerken bleibt auch, daß der Radsportverband UCI unter seinem Präsidenten Hein Verbruggen die Dopingsproblematik ebenfalls unter den Keller kehrte und nur nach solchen Substanzen wie Anabolika fahndete, weil man wußte daß die eh nicht mehr genommen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.