Mixed Zone Montgomery soll dealen, Rossi befürchtet Verhaftung in China

Geldwäsche gestanden, jetzt unter Verdacht des Drogenhandels: Der frühere Sprinter Tim Montgomery soll verhaftet worden sein. Zwei seiner Kollegen wollen gegen ihren Ex-Coach aussagen. Motorradfahrer Valentino Rossi befürwortet Tibet-Proteste beim Grand Prix in Shanghai.


Hamburg - Die Motorrad-Profis wollen beim WM-Lauf in Schanghai an diesem Wochenende ein Zeichen für Tibet setzen - ungeachtet der Angst vor schweren Repressalien chinesischer Sicherheitskräfte. Der siebenmalige Weltmeister Rossi, der seine Kollegen zum Handeln aufforderte, gab sich trotz aller Sorgen entschlossen: "Die ganze Welt steht Tibet bei. Es ist unsere Pflicht, etwas zu tun. Wir müssen jedoch vorsichtig sein, sonst werden sie uns alle verhaften." Eine "Fahrerversammlung" soll deshalb erst vor Ort über den Protest entscheiden.

Superstar Rossi beim Training in Shanghai: "Wir müssen vorsichtig sein"
AFP

Superstar Rossi beim Training in Shanghai: "Wir müssen vorsichtig sein"

Der Deutsche Stefan Bradl sagte: "Es ist eine schwierige Situation. Was soll ich als Stefan Bradl schon tun?" Das sei bei "Superstars wie Rossi" natürlich anders. Denn "bei Rossi horcht die Welt auf". An einer konzertierten Aktion aller Fahrer werde er sich "auf jeden Fall beteiligen" - auch, wenn dies mit einem Risiko verbunden sei: "Wenn uns etwas passiert, dann hoffentlich nicht nur mir allein."

Auch Landsmann Sandro Cortese würde sich lieber "ganz auf das sportliche Geschehen konzentrieren", wäre jedoch wie Bradl dabei. "Ein mulmiges Gefühl ist aber da", gesteht Cortese. Eine ganz klare Meinung vertritt der fünfmalige Weltmeister Toni Mang. Er selbst würde "nicht bei einem derartigen Protest mitmachen", nicht zuletzt aus Angst um das finanzielle Engagement Chinas im Motorradsport: "So hart es vielleicht klingt, es ist eine wirtschaftliche Frage." Man könne "ja nichts tun", sagte der 58-jährige Deutsche, sonst machten die "Chinesen hier dicht, und wir sind raus".

Der US-Sprinter Tim Montgomery soll wegen Heroin-Handels verhaftet worden sein. Das berichtete die Tageszeitung "Virginian Pilot". Nach Angaben des Blatts wurde der 33-jährige ehemalige 100-Meter-Weltrekordler bereits am vergangenen Mittwoch festgenommen und ins Gefängnis von Porthsmouth (Virginia) gebracht. Montgomery soll vorgeworfen werden, im vergangenen Jahr im Bundesstaat Virginia mit mehr als hundert Gramm Heroin gehandelt zu haben.

Der Amerikaner sagte der Zeitung, dass er nichts von den Vorwürfen wisse und die Verhaftung für ihn eine "totale Überraschung" gewesen sei. Der Staffel-Olympiasieger von 2000 muss sich am 16. Mai wegen eines millionenschweren Scheckbetruges und Geldwäsche vor Gericht verantworten. Der frühere Lebensgefährte von Marion Jones und Vater ihres gemeinsamen Kindes, hatte sich im vergangenen Jahr bereits schuldig bekannt. Ihm droht wegen des Delikts eine Gefängnisstrafe von 46 Monaten.

Neue Zeugenaussagen gegen Trevor Graham

Die beiden amerikanischen Sprinter Michelle Collins und Calvin Harrison wollen am 19. Mai vor Gericht in San Francisco gegen ihren wegen Meineids angeklagten ehemaligen Trainer Trevor Graham aussagen. Ihm wird vorgeworfen, Untersuchungsbehörden belogen zu haben. Der 44-Jährige, der in den 2003 aufgedeckten Balco-Skandal verwickelt war, hat stets bestritten, seine Athleten mit leistungssteigernden Mitteln versorgt zu haben. Die frühere Sprinterin Marion Jones hatte jedoch bereits bei ihrem Dopinggeständnis im Oktober vergangenen Jahres ausgesagt, dass Graham sie von 1999 an zwei Jahre lang mit illegalen Substanzen versorgt habe.

Nun wollen auch Collins und Harrison bezeugen, dass Graham sie mit dem Blutdopingmittel Epo, beziehungsweise menschlichen Wachstumshormonen beliefert haben soll. Collins verbüßt derzeit eine vierjährige Dopingsperre. Harrison wurde 2004 für zwei Jahre wegen der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln gesperrt. Noch ist unklar, ob die Staatsanwaltschaft auch die derzeit wegen Meineids inhaftierte Jones in den Zeugenstand ruft.

Franzosen verschärfen Anti-Doping-Gesetz

Nach einer enttäuschenden Auftaktrunde muss Golfprofi Alex Cejka beim US-Turnier in Charlotte um den Cut bangen. Er spielte auf dem Par-72-Kurs am ersten Tag der Wachovia Championship eine 77 und liegt damit auf dem geteilten 140. Platz unter 154 Teilnehmern. An die Spitze setzte sich David Toms. Der US-Amerikaner benötigte beim mit 6,4 Millionen Dollar dotierten Turnier für die erste Runde zehn Schläge weniger als Cejka. Mit jeweils 68 Schlägen folgen Jason Bohn und Phil Mickelson (beide USA) auf dem zweiten Rang.

Die französische Regierung will in Zukunft noch härter gegen Dopingsünder und -händler vorgehen. Ein Entwurf zur Verschärfung des französischen Anti-Doping-Gesetzes sieht für die Aufbewahrung und Verbreitung von unerlaubten Substanzen Haftstrafen zwischen zwölf Monaten und fünf Jahren vor. Sollten die Opfer des Dopingmissbrauchs Jugendliche sein, sollen künftig sogar bis zu sieben Jahre Gefängnis verhängt werden. Zudem sind Geldstrafen bis zu 75.000 Euro vorgesehen. Die Opposition hat sich bei der Abstimmung über das Gesetz im Parlament der Stimme enthalten, es wird nun dem Senat zur Verabschiedung vorgelegt.

fsc/sid/dpa



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