Mixed Zone Rogge kämpft gegen Fettsucht, Gießen gewinnt Überlebenskampf

Es ist Krise, weltweit, und überall müssen die Gürtel enger geschnallt werden. In Italien darf das Olympische Komitee 112 Millionen Euro weniger verteilen. In Gießen bleibt ein Basketballclub unter Auflagen erhalten. Und IOC-Präsident Jacques Rogge will gegen die Fettsucht bei Kindern kämpfen.


Hamburg - Die geplanten Einschnitte der Regierung bei den Mitteln für Italiens Olympisches Komitee (Coni) zur Sportförderung haben bei Coni-Präsident Gianni Petrucci große Besorgnis ausgelöst. "Verbände, deren Einnahmen bis zu 90 Prozent vom Coni abhängen, könnten lahmliegen", warnte Petrucci. Seinen Angaben zufolge muss alleine der nationale Fußball-Verband mit Kürzungen der Gelder um 29 Millionen Euro rechnen.

IOC-Präsident Rogge: Kampf dem Doping und der Fettsucht
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IOC-Präsident Rogge: Kampf dem Doping und der Fettsucht

Petrucci reagierte auf eine Ankündigung der Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Demnach sollen im Haushaltsgesetz für das kommende Jahr die Mittel für das Coni um 25 Prozent oder 112 Millionen Euro zusammengestrichen werden. Petrucci kündigte für die nächsten Tage ein Schreiben an die Verbände mit der Aufforderung zu nachhaltigen Sparmaßnahmen an. "Als Bürger begreife ich, dass man im Interesse des Landes sparen muss. Ich kann aber nicht die Probleme ignorieren, die dadurch für den italienischen Sport entstehen", sagte Petrucci.

Eine Woche nach seiner Ankündigung, bei der 121. IOC-Session im Oktober 2009 in Kopenhagen für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen, hat Jacques Rogge seine Ziele für die kommenden Jahre formuliert. "Mein Hauptziel ist der Kampf gegen Doping. Ich werde ihn mit gleichbleibender Entschlossenheit führen", sagte der IOC-Präsident, der für die Sommerspiele in London die Rekordzahl von 5500 Dopingtests ankündigte.

Zweite Priorität habe der Kampf gegen die Fettsucht bei Kindern. "Wir hätten gern eine Initiative, der sich alle nationalen Olympischen Komitees und internationalen Verbände anschließen", sagte Rogge, der früher als Orthopäde arbeitete. Laut Welt-Gesundheits-Organisation WHO sind rund 400 Millionen Menschen von Fettleibigkeit betroffen, davon 20 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Folgen seien vor allem Diabetes und Herzerkrankungen.

Bei seiner Wahl 2001 war der Flame mit dem Ziel angetreten, angesichts des Bestechungsskandals bei der Vergabe der Winterspiele 2002 in Salt Lake City für mehr Glaubwürdigkeit des IOC zu sorgen, die Einheit und Unabhängigkeit der olympischen Bewegung zu wahren, den Gigantismus der Spiele stoppen und unter anderem die Zahl der Athleten im Sommer auf 10.000 zu reduzieren. Außerdem wollte er den Sport menschlicher machen und den Kampf gegen Korruption und Doping verstärken. In etlichen Punkten erzielte Rogge nur Teilerfolge. Während der Olympischen Spiele zeigte sich der Belgier hasenfüßig gegenüber den chinesischen Organisatoren, als er die Beschneidung elementarer Rechte wie freien Zugang zum Internet hinnahm.

Die wirtschaftlich angeschlagenen LTi Giessen 46ers werden weiterhin am Spielbetrieb der Basketball-Bundesliga (BBL) teilnehmen. Diese Entscheidung traf der Lizenzliga-Ausschuss der BBL. Allerdings ist der Verbleib der Hessen in der höchsten deutschen Klasse an strenge Auflagen gebunden. So muss das Bundesliga-Gründungsmitglied gegenüber dem BBL-Gutachterausschuss ein monatlich aktualisiertes wirtschaftliches Ergebnis und einen Finanzplan vorlegen.

Des Weiteren bedürfen eventuelle Verpflichtungen von Spielern der Zustimmung durch den BBL-Lizenzliga-Aussschuss. "Um sicherzustellen, dass der Klub die Saison tatsächlich zu Ende spielen kann, war es zwingend notwendig, in allen relevanten Fragen Klarheit und Sicherheit zu haben", sagte der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Kram. "Nach den uns nun vorliegenden Erkenntnissen ist dies gewährleistet, sodass wir die Ampel von gelb auf grün schalten konnten."

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat für den Reitsport ein Kontrollsystem für das Jahr 2009 in Aussicht gestellt. Ob das neue Programm allerdings bis zum 1. März 2009 umgesetzt werden kann, um die am Dienstag erhobenen Forderungen der 27 führenden Turnier-Veranstalter in Deutschland an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) umzusetzen, bezweifelte die Agentur.

"Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Für uns sind die Kontrollen im Reitsport Neuland. Wir müssen da viele Experten heranziehen. Das braucht Zeit", sagte der Nada-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert dem sid. Man könne nicht auf Erfahrungen aus anderen Ländern zurückgreifen, weil auch dort der Reitsport nicht mit Anti-Doping-Agenturen zusammengearbeitet hätten. "Da sind wir im wahrsten Sinne des Wortes Vorreiter", sagte Baumert.

Ein Problem für die Nada stellt die besondere Fachkenntnis der Kontrolleure dar. "Bislang haben im Reitsport immer Tierärzte die Proben entnommen. Deshalb kommen unsere Kontrolleure dafür nicht in Betracht", sagte Baumert. Ein weiteres Problem sei die Finanzierung. Rund 200.000 Euro soll das neue Kontrollsystem für die Vierbeiner allein im Spitzensport kosten. "So ein Posten findet sich in unserem augenblicklichen Haushalt nicht", sagte Baumert.

Schon seit längerer Zeit bemüht sich die FN darum, die Nada als Partner im Kampf gegen Doping zu gewinnen. Spätestens seit den positiven Proben bei den Olympischen Spielen in Hongkong wurde der Kontakt intensiviert, um in Zukunft unangemeldete Trainings- und Wettkampfkontrollen durchführen zu können.

Deutschlands führende Turnierveranstalter hatten den Verband am Dienstag mit einem Maßnahmen-Katalog konfrontiert, der bis zum 1. März umgesetzt werden soll. Hauptforderung ist, dass sich der Verband einem nationalen Sportgericht unterwirft, welches auf der Basis des Nada-Codes Urteile fällt.

goe/sid/dpa



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