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07. Oktober 2010, 13:28 Uhr

Mixed Zone

Turnverband sperrt Nordkorea, Heidfeld gratuliert Sauber

Nordkorea ist von der Turn-WM in Rotterdam ausgeschlossen, weil eine Athletin mit drei unterschiedlichen Geburtsdaten gemeldet wurde. Formel-1-Pilot Nick Heidfeld freut sich für Sauber über die Verpflichtung seines Nachfolgers. Bei den Commonwealth Games gab es einen sportlichen Eklat. 

Hamburg - Wegen der offensichtlichen Manipulation der Altersangaben von Turnerin Hong Su-Jung hat der Welt-Turnverband FIG den Verband Nordkoreas von den am 16. Oktober beginnenden Weltmeisterschaften in Rotterdam ausgeschlossen. Wie die Disziplinarkommission der FIG am Donnerstag weiter mitteilte, wurden die Sprung-Vizeweltmeisterin von Stuttgart 2007 und der nationale Verband mit einer provisorischen Sperre von 30 Tagen belegt. Bereits vor fünf Tagen hatte die FIG das Disziplinarverfahren gegen die Nordkoreaner eingeleitet, weil die Turnerin seit den Olympischen Spielen 2004 mit drei unterschiedlichen Altersangaben gemeldet wurde.

Nick Heidfeld hat die Fahrer-Entscheidung des Formel-1-Rennstalls Sauber zu seinen Ungunsten sportlich aufgenommen. "Ich habe ihm direkt gratuliert", sagte der Pilot über ein Telefonat mit Teamchef Peter Sauber. Der Schweizer hatte Heidfeld mitgeteilt, dass der Mexikaner Sergio Pérez 2011 neben Kamui Kobayashi an den Start gehen werde. Für Heidfeld wird damit nach insgesamt fünf Rennen das Comeback bei seinem früherem Team beendet sein. "Es war für mich klar, dass für nächstes Jahr alles offen ist", sagte Heidfeld vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag (8 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Er freue sich ehrlich und aufrichtig, dass es für das Sauber-Team im kommenden Jahr weitergehe. Dafür konnte der Rennstall den Telekommunikationsriesen Telmex als Sponsor gewinnen.

Kimi Räikkönen hat ein Formel-1-Comeback bei Renault zumindest für das Jahr 2011 ausgeschlossen. Der 30-jährige Finne, der nach der Saison 2009 von Ferrari in die Rallye-WM zu Citroën gewechselt war, beendete im Gespräch mit der finnischen Tageszeitung "Tarun Sanomat" entsprechende Spekulationen. "Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich 2011 nicht für Renault fahren werde", sagte Räikkönen: "Ich habe das niemals ernsthaft in Erwägung gezogen." Zuletzt war in der Formel 1 gemutmaßt worden, Räikkönen könne möglicherweise 2011 das Cockpit des Russen Witali Petrow übernehmen.

Die schlechten Nachrichten für die Commonwealth Games in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi reißen nicht ab: Nach Sicherheitsbedenken im Vorfeld, Diskussionen über Athletenunterkünfte und einem enttäuschenden Zuschauerzuspruch sorgt jetzt der Schwimm-Arena für negative Schlagzeilen. Über 50 Schwimmer klagten nach ihren Wettkämpfen über Unwohlsein und Magenprobleme. 15 Athleten aus England und Australien sollen sich beim Training mit einem Magen-Darm-Virus infiziert haben. Die beiden Australier Andrew Leuterstein und Hayden Stoeckel mussten ihre Starts über 100 Meter Schmetterling und 100 Meter Rücken sogar absagen. Nach Meinung der Teamoffiziellen könnte das Wasser im Becken, in dem sich die Athleten vor den Rennen warmschwimmen, die Probleme verursacht haben. Das Organisations-Komitee kündigte umgehend Untersuchungen an.

Auch sportlich haben die Commonwealth Games ihren ersten Eklat. Wegen eines Fehlstarts der 100-Meter-Siegerin Sally Pearson aus Australien legte Rivale England Protest gegen die Wertung ihres 11,28-Sekunden-Laufs ein - und hatte damit Erfolg. Gold ging schließlich am "grünen Tisch" an die Nigerianerin Osayemi Oludamola (11,32 Sekunden). Nach Ansicht des englischen Teams hatte die Australierin zusammen mit der englischen Läuferin Laura Turner einen Fehlstart verursacht. Disqualifiziert wurde aber zunächst nur die Britin. Das australische Team versuchte zwar noch, gegen den nachträglich aberkannten Sieg Einspruch einzulegen, doch der wurde abgelehnt. Pearson sagte unter Tränen: " Das Schlimmste ist, dass man mir gesagt hat, alles wäre in Ordnung - und ich eine Ehrenrunde mit der Flagge gedreht habe."

Die Nachweismethode, die bei Tour-Sieger Alberto Contador einen Verdacht auf Blutdoping nahelegen soll, ist offiziell nicht anerkannt. Darauf hat der Entwickler des Verfahrens, der spanische Wissenschaftler Jordi Segura, hingewiesen. "Die Methode zum Nachweis von Plastikrückständen im Blut befindet sich noch in der Phase der Erprobung, sie ist noch nicht ausgereift", sagte der Leiter des Anti-Doping-Labors in Barcelona der spanischen Sportzeitung "Marca".

David Howman, Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gab allerdings zu bedenken: "In der Lebensmittelindustrie ist die Testmethode seit Jahren üblich und anerkannt." Er kündigte an, die Methode könnte bald die Palette der Doping-Tests bei den Athleten erweitern und bereits jetzt als Nachweis bei möglichen Prozessen vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas dienen. Nach Berichten der ARD, der "L'Équipe" und der "New York Times" waren während der diesjährigen Tour de France bei Contador Kunststoffrückstände im Urin gefunden worden. Die Rückstände könnten von den Plastikbeuteln für Blutkonserven stammen und legten den Berichten zufolge den Verdacht des Eigenblutdopings nahe.

Unterdessen ist ein weiterer Dopingfall im Profi-Radsport bekanntgeworden: Der Portugiese João Benta teilte mit, er sei positiv getestet worden. Der 23-Jährige vom unterklassigen Team Madeinox-Boavista räumte seine Schuld ein und bat die Radsport-Fans um Verzeihung. Die von Benta benutzte Substanz wurde zunächst nicht bekannt. Er verzichte auf die B-Probe und wolle sich "ohne weitere Verzögerungen der Sportgerichtsbarkeit unterziehen", so Benta.

Lance Armstrongs früherer Teamkollege Kirk O'Bee ist nach einem zweiten positiven Dopingtest auf Lebenszeit gesperrt. Das teilte die Anti-Doping-Agentur der USA mit. Außerdem werden sämtliche Resultate des 33-jährigen Amerikaners seit Oktober 2005 annulliert. Nach einer Trainingskontrolle im Mai 2009 waren im Urin des Radprofis Spuren von Epo und Wachstumshormonen entdeckt worden. Bereits im Jahr 2001 war der dreimalige US-Meister nach einem positiven Testosteron-Befund zwölf Monate gesperrt gewesen. Kirk O'Bee gehörte 2000 zur US-Postal-Mannschaft von Lance Armstrong, der in jenem Jahr seinen zweiten von insgesamt sieben Siegen bei der Tour de France geholt hatte.

NFL-Superstar Randy Moss wechselt im Tausch für einen Drittrunden-Draftpick von den New England Patriots zu den Minnesota Vikings. Damit reagierten die Vikings, für die der 33-jährige Wide Receiver bereits von 1998 bis 2004 spielte, auf den schlechten Saisonstart (ein Sieg, zwei Niederlagen).

wit/sid/dpa

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