Mixed Zone Ungarns Becken zu klein, Russland feiert Frühstücksorgien

Fünfmal Frühstück am Tag: Russlands Delegation hat bei den Winterspielen in Vancouver das Budget reichlich überzogen - jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das Eishockey-Team der Kassel Huskies kauft trotz einer drohenden Pleite weiter ein. Die Becken für die Schwimm-EM in Ungarn sind zu schmal.

Russische Sportler in Vancouver 2010: Über die Verhältnisse gelebt
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Russische Sportler in Vancouver 2010: Über die Verhältnisse gelebt


Hamburg - Weil ein paar Zentimeter fehlen, werden die Schwimm-Wettbewerbe bei der Europameisterschaft in Budapest statt auf zehn nur auf acht Bahnen ausgetragen. Wie sich bei einer Vermessung des 50-Meter-Beckens im Schwimmstadion auf der Margareteninsel herausstellte, ist das Becken um einige Zentimeter zu schmal und entspricht nicht der vorgeschriebenen Breite. Die Aktiven auf den Außenbahnen hätten nicht die gleichen Bedingungen wie ihre Konkurrenten. Die Beckenwettbewerbe finden vom 9. bis 15. August in der ungarischen Hauptstadt statt.

Ursprünglich hatte der Schwimm-Weltverband Fina beschlossen, dass auf zehn Bahnen geschwommen wird. Mit dieser Umstellung wollte man mehr Nationen die Chance auf einen Finaleinzug bieten. Bei der WM im vergangenen Sommer in Rom sowie bei der Kurzbahn-EM im Dezember in Istanbul wurde dies bereits umgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war Budapest aber schon als EM-Ausrichter gesetzt.

Die überhöhten Kosten der russischen Olympia-Delegation bei den Winterspielen in Vancouver haben die Moskauer Justiz auf den Plan gerufen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt in insgesamt zwölf Fällen wegen Korruptionsverdachts. "Es geht um mehrere Verträge und Missbrauch öffentlicher Gelder", sagte Sprecher Sergej Stepaschin. Der russische Rechnungshof hatte zuvor offizielle Olympia-Ausgaben von umgerechnet 153 Millionen Euro festgestellt.

Neben dem bereits zu Monatsbeginn publik gewordenen Spesenskandal um Sportminister Witali Mutko, der für seinen 20-tägigen Aufenthalt in Vancouver 3600 Euro für täglich bis zu fünf Luxus-Frühstücke und seine Unterbringung in einem Nobelhotel 1120 Euro pro Tag abrechnete, prangerte Stepaschin besonders Ausgaben für sportfremde Personen an. Die Vancouver-Visite des früheren European-Song-Contest-Siegers Dima Bilan kostete fast 60.000 Euro, und auch die Gattin des russischen Eiskunstlauf-Stars Jewgeny Pluschenko hielt sich auf Kosten der Staatskasse in Kanada auf.

Die Staatsanwaltschaft des italienischen Olympiakomitees Coni hat am Donnerstag eine zweijährige Dopingsperre gegen den italienischen Radprofi Franco Pellizotti beantragt. Dem Liquigas-Profi werden Unregelmäßigkeiten in seinem biologischen Pass vorgeworfen. Pellizotti war im Mai vom Weltverband UCI vorläufig gesperrt worden. Der Bergkönig der Tour de France 2009 konnte deshalb beim diesjährigen Giro d'Italia nicht starten. Bei Pellizotti waren bei einer Kontrolle vor der Tour 2009 nicht natürlich zu erklärende Schwankungen bei einem Wert festgestellt worden. Die UCI hatte den italienischen Verband aufgefordert, ein Dopingverfahren einzuleiten.

Handball-Nationaltorhüter Johannes Bitter hat die Gründung einer deutschen Spielerorganisation angekündigt. "Es stimmt, dass wir die Planungen vorantreiben. Eine Handballspielerorganisation als Fixpunkt für alle weiblichen und männlichen Lizenzspieler wird kommen", sagte Bitter in einem auf dem Internet-Portal handball-world.com veröffentlichten Interview.

Sein ebenfalls bei der Planung engagierter Club- und Auswahlkollege Torsten Jansen betonte: "Zurzeit sind wir Sportler doch das schwächste Glied in einer Kette und müssen funktionieren. Es ist höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung für das übernehmen, was mit uns passiert." Laut Jansen ist eine Vertretung der Aktiven in den entscheidenden Gremien des Deutschen Handballbundes (DHB) und des Ligaverbandes (HBL) "sowie auch international, die die Interessen der Spieler wahrnimmt und schützt", dringend notwendig.

Ungeachtet der drohenden Insolvenz und eines Kündigungsverfahrens durch die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) haben die Kassel Huskies den gebürtigen Kanadier Chris Schmidt vom DEL- Konkurrenten Mannheimer Adler verpflichtet. Der 34-jährige Verteidiger mit deutschem Pass soll den früheren Nationalmannschafts-Kapitän Andreas Renz ersetzen, der die Huskies aus privaten Gründen verlässt. Wie die Hessen am Donnerstag mitteilten, erfolgte die Vertragsauflösung und sofortige Freigabe auf Wunsch von Renz.

Erst am vergangenen Freitag hatte das DEL-Schiedsgericht in München die Klage der Huskies gegen den Lizenzentzug abgewiesen und damit die Kündigung durch die DEL bestätigt. Die Nordhessen bleiben nach dem Schiedsspruch aber vorerst weiter DEL-Club. Die einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, nach der der Ausschluss der Huskies aus der Liga nicht erfolgen darf, ist weiter in Kraft.

luk/sid/dpa

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