MLB-Champions Chicago Cubs Der Fluch ist besiegt

Die Chicago Cubs haben erstmals seit 1908 die World-Series im Baseball gewonnen. Das Team hat sich in den Finalspielen gegen die Cleveland Indians immer wieder zurückgekämpft.

AP

Aus Cleveland berichtet


Kris Bryant lächelte bereits, obwohl das Spiel noch nicht ganz zu Ende war. Der Third Baseman wusste, dass er und die Chicago Cubs gleich Meister der Major League Baseball sein würden. Im entscheidenden siebten Spiel der World Series führten die Cubs im zehnten Inning 8:7 bei den Cleveland Indians und brauchten nur noch ein Out, um erstmals seit 1908 wieder den Titel zu holen.

Am Schlag für die Gastgeber stand Michael Martinez. Er traf den Ball nicht richtig, Bryant nahm ihn mühelos auf, grinste, als er ihn hinüber zu Anthony Rizzo am First Base warf. Für ihn keine Herausforderung, sondern Routine. Rizzo fing, der Rest waren Jubel, Erleichterung und ein Eintrag in die nordamerikanische Sportgeschichte. Nach 108 Jahren sind die Cubs wieder MLB-Champion. Kein anderes Profiteam in den USA musste so lange auf einen Titelgewinn warten.

World Series Champion 2016, das sei das Schönste, was er jemals gehört habe, meinte Bryant unmittelbar nach Spielschluss. Um ihn herum hüpften die Mitspieler und herzten einander, während Bryant vergeblich versuchte, seine Gefühle in Worte zu fassen. Er sei so glücklich und werde wohl gleich weinen müssen, sagte der 24-Jährige. Rizzo erging es ähnlich. Völlig euphorisch konnte er nur einzelne Begriffs-Brocken wie "World Champion", "Geschichte" und auch "Chicago, wie haben es geschafft" von sich geben. Und er stellte klar, dass dieser Titel die Spieler bis ans Lebensende verbinden werde - egal, was auch passiere.

In der Cubs-Kabine spritze Manager Theo Epstein Edelfan Bill Murray eine Flasche Champagner mit den Worten "Ja, Bill, wir haben die World Series gewonnen" ins Gesicht. Epstein gilt als Mastermind des Erfolges. Vor fünf Jahren aus Boston gekommen, wo er 2004 maßgeblich am ersten Titelgewinn nach 86 Jahren beteiligt war, baute er in Chicago ein ähnliches Scouting- und Farmsystem auf, wie einst bei den Red Sox. Zusammen gerechnet beendete er somit bei beiden Traditionsclubs eine Durststrecke von 194 Jahren.

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Bill Murray: Tränen nach Sieg der Chicago Cubs

Mit dem Titelgewinn der Cubs geht nun eine der legendärsten amerikanischen Sportgeschichten nach 108 Jahren erfolgreich zu Ende. Der vermeintliche Fluch von Billy's Ziege ist besiegt, der viele Frust der Vergangenheit vorbei. Und der berühmte Satz der Cubs-Fans "There's always next year", mit dem die Hoffnung auf eine bessere neue Saison verbunden war, gilt ab sofort auch nicht mehr. Denn die Cubbies, die aufgrund ihrer Erfolglosigkeit den Beinamen "lovable losers" hatten, diese liebenswerten Verlierer also, sind nun Champions. Und sie haben den unschönen und über Jahre verwalteten Titel "Klub mit der längsten Durststrecke" gleich beim Finalgegner gelassen. Die Indians warten seit 1948 auf den Gewinn der Meisterschaft, so lange wie kein anderes MLB-Team.

"Das war ein unglaubliches Spiel, eine Ehre dabei gewesen zu sein. Unsere Spieler haben alles gegeben. Sie hätten es verdient gehabt, Meister zu werden", sagte Indians-Trainer Terry Francona. Er hatte mit seinem Team nach vier Partien der Finalserie bereits 3:1 geführt. Und er hatte sich bis zum entscheidenden siebten Match vor allem auf zwei Pitcher verlassen können - Corey Kluber und Andrew Miller. Zusammen hatten sie in den bisherigen Playoffs nur vier Runs erlaubt - diesmal hingegen waren es gleich sechs. Beide hätten "menschlich" gewirkt, sagte Francona. Allerdings wäre man ohne Kluber und Miller gar nicht in der World Series gewesen, so der Coach weiter.

Chicago lag zwischenzeitlich 5:1 vorn und war beim Stand von 6:3 im achten Inning nur noch vier Outs vom Titel entfernt. Cubs-Trainer John Maddon hatte Aroldis Chapman auf den Wurfhügel gestellt, seinen Closer. Der schleudert den Schlagmännern regelmäßig Bälle mit einer Geschwindigkeit von mehr als 160 km/h entgegen. Allerdings wurde Chapman bereits am Vortag, beim 9:3-Sieg in Spiel sechs, länger als erwartet eingesetzt. Und so fehlte ihm diesmal Power und die Präzision.

Das Momentum sprach für Cleveland

Rajai Davis nutzte dies im achten Inning mit einem 2-run-Homerun zum 6:6. Auf der Tribüne jubelte LeBron James und flexte seinen Oberkörper im Stile eines Bodybuilders. Auch Charlie Sheen war außer sich. Er hatte einst im Hollywood-Klassiker "Die Indianer von Cleveland" Closer Ricky "Wild Thing" Vaugh gespielt und wurde beim Betreten des Stadions mit dementsprechenden Rufen begrüßt.

Das Momentum schien klar auf Seiten der Indians zu sein - doch was heißt das schon, beim Aufeinandertreffen von zwei Klubs, die zusammen seit 176 Jahren auf einen Titel warten? Keiner der Fans saß, alle standen. Cubs und Indians-Anhänger nebeneinder. Sie drückten unterschiedlichen Teams die Daumen - und litten trotzdem gemeinsam. Und sie wurden noch ein wenig mehr auf die Geduldsprobe gestellt, als das Match vor Beginn des zehnten Innings wegen Regens für 17 Minuten unterbrochen wurde.

Die Entscheidung zu Gunsten der Cubs fiel, als Ben Zobrist den Ball flach tief ins linke Outfield drosch, so dass Albert Almora vom zweiten Base zum 7:6 Richtung Homeplate laufen konnte und Rizzo anschließend auf 8:6 erhöhte. Man habe immer wieder Rückschläge weggesteckt, sagt Jason Heyward. Egal, ob der 1:3-Rückstand in der Serie oder den 6:6-Ausgleich nach 5:1-Führung in Spiel sieben - das Team habe sich nie aufgegeben, so der Outfielder. "Wir haben gekämpft wie Champions."



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Marlo 03.11.2016
1.
Was für ein Spiel. Was für eine WS. Jedem, der mit Baseball noch nichts anfangen kann, lege ich nahe, sich die Regeln einigermaßen anzueignen und dann dieses Spiel von Anfang bis Ende zu schauen. Sollte bald bei YouTube in voller Länge verfügbar sein (Fox Sports Übertragung). Auch Joe Buck, der Kommentar bei Fox, zeigte sich von seiner besten Seite. Wer danach noch immer nichts mit Baseball anfangen kann.... nun ja. Vlt noch Rangers at Cardinals 2011 Game 6 anschauen :) Gratulation an die Cubs. Ihr habt es verdient. Aber auch an die Indians. Ihr hättet es genauso verdient.
PeterChicago 04.11.2016
2. Go, Cubs, go
Go, Cubs, go Go, Cubs, go Hey, Chicago, what do you say The Cubs are gonna win today Das Spiel war der Hammer, aber die Siegerrally ist UNGLAUBLICH! 2 Millionen Leute feiern auf der Strasse! Mit diesem Spiel wurde Baseball Geschichte geschrieben!
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