MOD-70-Trimaran "Als wenn einem permanent ein Wasserschlauch ins Gesicht gehalten wird"

Es soll eine rasante neue Rennklasse werden: MOD-70-Trimarane erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten. Segelreporter Carsten Kemmling war gemeinsam mit dem deutschen Segler Boris Herrmann bei einer Testfahrt an Bord - und erlebte das Tempo hautnah.

MOD S.A. - Veolia Environnement - Yvan Zedda

Es knallt ohrenbetäubend. Kommt gleich der Mast von oben? Der Skipper reißt abrupt die Pinne zu sich, fällt ab, nimmt den Druck aus den Segeln. War das etwa nur eine Showeinlage für die Gäste?

Der schweizer Profisegler Steve Ravussin und seine Crew haben zu einem Ritt über die Kieler Förde eingeladen. Ihr Boot "Race for Water", ein 21 Meter langer Trimaran, ist der Prototyp einer Einheitsyacht, mit denen sich 2012 die besten Hochsee-Profis der Welt messen wollen. Ein neuer Rennzirkus ist in Planung. Die Mehrrümpfer mit sechsköpfiger Crew sollen erst in Europa antreten und schließlich 2014 um die Welt segeln.

Die "Multi-One-Design"-70-Trimarane sollen die Nachfolge der ORMA-60-Boote antreten, die von 1996 bis 2006 überwiegend in Frankreich eine der spektakulärsten professionellen Rennserien der Welt austrugen. Aber diese Klasse erlebte eine schwere Krise: Nachdem 2002 bei der Route-du-Rhum-Regatta über den Atlantik nur drei von 18 Multihulls ins Ziel gekommen waren und die anderen sich überschlugen, wurde sie später eingestellt.

40 Knoten sollen möglich sein

Und nun dieser Knall im Rigg vor dem Ehrenmahl in Laboe. Er fährt durch Mark und Bein. Aber Segler Ravussin macht nicht den Eindruck, als würde ihn das sehr belasten. Der Mann hat schon andere Situationen erlebt. Im vergangenen Jahr steuerte er mit Franck Cammas den 31,50 Meter langen Mega Trimaran "Groupama" in der Rekordzeit von 48 Tagen um die Welt.

Ravussin gibt einige französische Anweisung an die Crew, dann kann es weiter gehen. Die Beschleunigung des 6,3 Tonnen schweren Sportgerätes ist erstaunlich. Die Hände der mitfahrenden Journalisten krallen sich ins Trampolin-Netz, Unterhaltungen sind unmöglich. 30 Knoten erscheinen auf der Anzeige, 55,56 Stundenkilometer. 40 Knoten sollen möglich sein. Nur sehr wenige Yachten auf der Welt sind in der Lage, in diese Bereiche vorzustoßen.

Ravussin sitzt in seinem Schalensitz, vor seinem Sichtfeld hängt eine variable Scheibe. Er klappt den Schild hoch und kauert sich dahinter. "Sonst ist es, als wenn einem permanent ein Wasserschlauch ins Gesicht gehalten wird", sagt er.

Boris Herrmann hofft auf Begeisterung in Deutschland

Mit an Bord ist auch Boris Herrmann, der vor wenigen Monaten als erster Deutscher das Barcelona World Race nonstop um die Welt auf Platz fünf beendet hat. Der Chef seines Rennstalls, Roland Jourdain, ist im Besitz der bisher zweiten existierenden MOD 70, der "Veolia Environnement".

Herrmann liebäugelt mit einem Einstieg in diese Szene, nachdem er seine Einhand-um-die-Welt-Kampagne Vendee Globe 2012 erfolgreich realisiert hat. Er ist begeistert von dem Einheitskonzept, das auch Nicht-Franzosen auf höchstem Niveau den Einstieg in die Hochsee-Klasse ermöglicht. Er hofft, in Deutschland Begeisterung wecken zu können. Ein möglicher Etappenstandort wäre Kiel. Aber dafür müsste die Stadt zahlen. Erste Gespräche haben stattgefunden.

Das Budget wird von den Organisatoren auf 2,2 Millionen Euro pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren inklusive der Teilnahmen an Europa- und Weltrennen taxiert.

Doch braucht die Segelwelt eine neue Hochsee-Klasse dieser Art? Spektakulär sind die Schiffe zweifellos. Und das Prinzip der Einheitsregel garantiert enge Rennen. Doch damit die Klasse funktioniert, müssten auch internationale Spitzensegler einsteigen. In Steve Ravussin, Roland Jourdain (Veolia), Michel Desjoyeaux (Foncia) und Sebastien Josse (Gitana) haben sich bereits wichtige Stars zu den MOD-70-Trimaranen bekannt. Der Anfang ist also gemacht.

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Seite 1
Vanderhellen 25.06.2011
1. Race FOR Water
Das Schiff heisst Race FOR Water - so, wie es klar auf dem Segel zu lesen ist. Ich kann nicht verstehen, dass das nicht mal beim Schnitt aufgefallen ist, denn der Untertitel ist falsch, ebenso wie die Off-Stimme Race of Water sagt - nicht nur einmal. Insgesamt hinterlässt so eine durchgängige Nachlässigkeit durchaus ein komisches Gefühl, denn wenn SPON immer so arbeitet, was kann man dann noch glauben?
meinungsbeharrer 25.06.2011
2. .
Zitat von VanderhellenDas Schiff heisst Race FOR Water - so, wie es klar auf dem Segel zu lesen ist. Ich kann nicht verstehen, dass das nicht mal beim Schnitt aufgefallen ist, denn der Untertitel ist falsch, ebenso wie die Off-Stimme Race of Water sagt - nicht nur einmal. Insgesamt hinterlässt so eine durchgängige Nachlässigkeit durchaus ein komisches Gefühl, denn wenn SPON immer so arbeitet, was kann man dann noch glauben?
SPON ist halt die Abk. von : Spiegelonline Publiziert Oft Nachlässig ...oder so
Manni Gerstenschloss 25.06.2011
3. Abfallen?
Ich bin wohl ein bisschen schlicht als Segler. Aber abgefallen bin ich noch nie, um den Druck aus den Segeln zu nehmen. Ich hab dazu auch noch nie "die Pinne zu mir gerissen", es sei denn, um in den Wind zu schießen.
jan0sch 26.06.2011
4. Unsicher
Die Sprecherin scheint ohnehin nicht sehr Lesefreudig, denn Franck Camma umrundete die Welt nicht in 42 Tagen, sondern ,wie auch im Artikel erwähnt, in 48.
Ursprung 26.06.2011
5. Luv und Lee
Zitat von Manni GerstenschlossIch bin wohl ein bisschen schlicht als Segler. Aber abgefallen bin ich noch nie, um den Druck aus den Segeln zu nehmen. Ich hab dazu auch noch nie "die Pinne zu mir gerissen", es sei denn, um in den Wind zu schießen.
Das glaube ich Ihnen nicht: Segler sitzen ausser bei Flaute natuerlich in Luv der Pinne (windwaerts). Dann kann man nur "abfallen" (leewaerts steuern), wenn man die Pinne (Steuerknueppel) zu sich heranzieht. Fiert man dabei die Schoten, nimmt man auf einem schnellen Cat oder Tri sehr wohl den Druck aus den Segeln (verringert den scheinbaren Wind dort, der aus Wind- und Bootsspeed zusammen resultiert). Luvte man an, erhoeht sich noch die Windgeschwindigkeit in den Segeln und das kann wie auch bei Eisseglern hochgefaehrlich sein. Insofern haben Sie Recht, wenn Sie sagen, dass Sie ein wenig "schlicht" als Segler hier kommentieren. Mich interessiert bei dieser story eher eine andere Nebenbemerkung: wieso muesste die Stadt Kiel sich an irgendwas finanziell beteiligen? Diese Segelmaschinen sind Instrumente von entweder Privatpersonen oder oder Firmenwerbeplattformen. Die Betreiber sollten Kiel allenfalls was dafuer bezahlen, wenn sie dort eine Privatveranstaltung abhalten wollen und duerfen. Wenn jetzt ein paar Lobbyisten fuer solche Maschinen die Kieler Woche als Werbeplattform benutzen, so ist das schon o. k., wg. der Vielfalt an Booten. Das waers aber auch schon.
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