Möglicher NBA-Lockout Streit ums Geld

Die NBA macht Verluste. Schuld daran sind nach Ansicht der Clubeigentürmer die zu hohen Spielergehälter. Ein neuer Tarifvertrag soll das Problem beseitigen. Das Magazin "FIVE" analysiert die strittigen Punkte und skizziert die Folgen eines möglichen Arbeitskampfes.

Nordamerikanischer Basketballsport: Clubs und Spieler streiten über neuen Tarifvertrag
AFP

Nordamerikanischer Basketballsport: Clubs und Spieler streiten über neuen Tarifvertrag

Von Jan Schiecke


NBA-Spieler geben sich gerne als coole, furchtlose Typen. Doch ein Szenario lässt sie zittern: Sie befürchten, von den Clubbesitzern zur Saison 2011/2012 ausgesperrt zu werden. Keine Spiele, keine dicken Gehaltsschecks. Die Spielergewerkschaft National Basketball Player's Association (NBPA) und die Eigentümer haben noch bis zum 1. Juli 2011 Zeit, ihre Differenzen beizulegen. Doch NBA-Chef David Stern ist pessimistisch: Zwischen beiden Seiten gebe es eine "Riesenkluft".

Nicht zum ersten Mal würde es in der NBA zum Arbeitskampf kommen. 1995 zum Beispiel sperrten die Club-Eigentümer ihre Spieler drei Monate aus, bis diese einem neuen Tarifvertrag, Collective Bargaining Agreement (CBA), zustimmten. Weil der Lockout in die Offseason fiel, kam es zu keinen Spielausfällen. Im CBA wurde erstmals festgehalten, dass Spielergehälter nur 57 Prozent der Einnahmen aller NBA-Teams ausmachen durften. Sollte dieser Anteil überschritten werden, konnten die Clubs neu verhandeln.

Genau das passierte 1998. Angesichts von 100-Millionen-Dollar-Verträgen - zum Beispiel von Kevin Garnett oder Shaquille O'Neal - machten Spielergehälter mittlerweile fast 57 Prozent aller Einnahmen der Teams aus. Die Clubs wollten daraufhin einen harten Salary Cap, also festgelegte Maximalgehälter für die Spieler. NBPA und Eigentümer konnten sich nicht einigen. Die NBA erlebte ihren ersten Lockout, der zu Spielausfällen führte.

Spielausfälle treffen die Clubs durch ausbleibende Zuschauereinnahmen, geringere Werbegelder und weniger Merchandisingverkäufe. Auch die Spieler leiden mangels Gehaltseinnahmen. Die Eigentümer nutzten diese Macht. NBA-Boss Stern erklärte am 7. Januar 1999 die Aussperrung für beendet. Das Ergebnis: Eine auf 50 Partien reduzierte Spielzeit, beschränkte Maximalgehälter und Vertragslängen sowie ein riesiger Imageverlust für die Liga.

2005 einigten sich beide Seiten auf ein neues CBA. Es war nicht viel mehr als ein Update des alten Vertrages. Die wirtschaftliche Lage der Teams war gut. Lediglich die Altersbeschränkung für den Ligaeintritt war ein Streitpunkt, am Ende wurde der direkte Wechsel von der Highschool in die NBA verboten.

Doch bereits 2006 zeichneten sich neue Probleme ab. Superstars wie LeBron James oder Dwyane Wade unterschrieben Verträge, die 2010 ausliefen. So standen im Sommer Verhandlungen über Mega-Verträge an. Die Hälfte aller Akteure waren Free Agents, Spieler also, deren Deals ausgelaufen waren. Jeder wollte seinen nächsten Vertrag zu den jetzigen Konditionen - weil keiner weiß, ob das nächste CBA ähnlich hohe Maximalgehälter zulässt.

NBA: Einnahmen und Spielergehälter

Saison 2006 2007 2008 2009 2010
Einnahmen* 3,2 3,4 3,5 3,6 3,6
Vorgesehene Gehälter 1,8 1,9 2,0 2,1 2,1
Tatsächl. Gehälter 2,0 2,1 2,2 2,3 2,247
Tats. Prozentsatz** 61,8 61,6 61,6 63,1 61,7

*alle Erlöse der Clubs (u.a. Tickets und TV-Rechte); in Milliarden US-Dollar
**Laut Tarifvertrag sind max. 57 Prozent der Einnahmen als Spielergehälter vorgesehen

Denn die Gehaltsobergrenzen dürften im neuen Tarifvertrag niedriger ausfallen. "Die NBA verlor 2009/2010 insgesamt 370 Millionen Dollar", sagte Stern im Sommer, "die Jahre zuvor waren es jeweils knapp 200 Millionen. Das System muss komplett umgekrempelt werden, so geht es nicht weiter." Im aktuellen System sind Spielergehälter der größte Kostenpunkt der Teams. Zwölf der 30 NBA-Clubs machen Verlust, davon fünf in zweistelliger Millionenhöhe. Berücksichtigt man die nach der Bilanzierung fälligen Steuerzahlungen, sieht es noch trüber aus.

NBPA-Präsident Billy Hunter sieht in Sterns Zahlen lediglich Buchhaltertricks, um die Position der Eigentümer im neuen Tarifstreit zu stärken.

So bleiben die zentralen Konfliktpunkte:

  • Die Besitzer fordern eine geringere Beteiligung der Spieler an den Einnahmen. Bisher bekommen sie 57 Prozent der 3,6 Milliarden Dollar. Im neuen CBA sollen es nur noch etwas mehr als 40 Prozent sein.
  • Die Besitzer verlangen einen harten Salary Cap. Eine Regel soll wegfallen, wonach Clubs bei der Vertragsverlängerung mit ihren Starspielern über die Gehaltsgrenze hinausgehen können. Zudem soll es keine "Mid-Level-Exception" mehr geben, mit der Clubs für das Ligadurchschnittseinkommen Spieler verpflichten können, obwohl sie bereits über dem Salary Cap liegen.
  • Die maximale Vertragslänge soll weiter reduziert werden.
  • Verträge, die Spielern unabhängig von Einsatzzeiten oder Leistung das gesamte Einkommen garantieren, sollen unterbunden werden.

"Dies ist unser Lösungsvorschlag", sagt Stern. Bei den Spielern kommen vor allem die nicht garantierten Verträge schlecht an. "Das ist absurd", sagt Dallas-Forward Dirk Nowitzki.

Nur in einem Punkt besteht Konsens. "Den Teams und auch den Spielern ist klar, dass eine Aussperrung nur negativ für unser Geschäft ist", sagt Stern. Spielervertreter Hunter bereitet derweil den Ernstfall vor. "Wir bekommen jeden Monat Infos zur Lage der Verhandlungen", sagt Nowitzki, "außerdem zahlen wir seit zwei Spielzeiten in einen Fonds ein, der Spielern aushelfen soll, die durch den Lockout in finanzielle Schwierigkeiten kommen." Die NBPA warne vor bis zu zwei Jahren Aussperrung.

Trotz des Fonds bleiben fehlende Gehälter bei einem Lockout der größte Trumpf der Besitzer. "Den großen Stars tut das nicht so weh", analysiert ESPN-Kolumnist und CBA-Experte Larry Coon. "Aber die Mehrheit der Spieler ist auf das Geld angewiesen." Die Eigentümer müssten ihr Angebot nur lange genug liegen lassen, dann müssten es die Mittelklassespieler annehmen.

Im Falle eines Lockouts bliebe als letzte Möglichkeit die Auflösung der Spielergewerkschaft. "Ohne Gewerkschaft kein Gewerkschaftsvertrag", sagt Coon. "Der Tarifvertrag bewahrt die Besitzer aller NBA-Teams vor dem Kartellgesetz. Sobald es keine Union und somit keinen CBA mehr gibt, fliegen der NBA und ihren Eigentümern die Klagen nur so um die Ohren."



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cherzog78 01.12.2010
1. ?
Die Vereine machen Verträge mit den Spielern und wollen die dann nicht einhalten? Mit welchem Recht? Habe ich das was nicht verstanden? Warum machen die den Verträge, die über die Grenze hinausgehen? Sind doch selber schuld.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.