Motivierter Jan Ullrich "Ich bin heiß, weil ich dicht dran war"

Mit seiner Unterschrift beim T-Mobile-Rennstall hat sich Jan Ullrich laut eigenen Worten einem der stärksten Teams der Welt angeschlossen. Deshalb rechnet er sich für die kommende Tour auch allerbeste Chance auf einen Toursieg aus. Auch der Streckenverlauf sei ihm auf den Leib geschneidert.


Jan Ullrich: "Geballte Ladung zum Schluss"
AP

Jan Ullrich: "Geballte Ladung zum Schluss"

Frankfurt - "Ich weiß, wie viele Jahre ich noch um den Sieg mitfahren kann: die nächsten drei. Ich bin überzeugt, dass das meine Zeit ist. Also habe ich noch dreimal die Chance, um den Sieg bei der Tour de France mitzufahren. Es wäre natürlich schade, wenn ich von den dreien zwei verschenken würde", sagte Ullrich, Tour-Sieger von 1997, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der seit 30-Jährige gewann sogar der Tatsache Positives ab, als Zweiter hinter dem US-Amerikaner Lance Armstrong den Tour-Sieg in diesem Jahr knapp verpasst zu haben. "Ich habe jetzt eine Mega-Mehrmotivation. Wenn ich die Tour gewonnen hätte, müsste ich überlegen: Was mache ich jetzt weiter? Das Gegenteil ist der Fall: Die Saison hat Spaß gemacht und ist ein Erfolg gewesen. Jetzt bin ich heiß wie nie auf nächstes Jahr, weil ich dieses Jahr schon so dicht dran war."

"Meine letzte Chance auf das Gelbe Trikots"


Der Verlauf der Tour im kommenden Jahr kommt dem in der Schweiz lebende Rostocker nach eigenen Angaben entgegen. Er sei bei großen Rundfahrten schon oft "hintenraus" stärker geworden, und 2004 käme "die geballte Ladung zum Schluss. So extrem war es noch nie".

Doch besonders wegen seiner Rückkehr zum Team T-Mobile (früher Telekom) ist Ullrich optimistischer denn je: "Auf dem Papier ist es eine der stärksten Mannschaften der Welt. Ich habe mich auch deshalb für den Wechsel zu T-Mobile entschieden, damit ich meine letzte Chance aufs Gelbe Trikot nutzen kann." Sein Wiedersehen mit den alten Kollegen sei wie die Rückkehr in eine große Familie gewesen.

Einem möglichen Konkurrenzkampf um das Kapitänsamt mit Alexander Winokurow aus Kasachstan, der bei der Tour in diesem Jahr als Telekom-Kapitän hinter Ullrich Dritter geworden war, sieht Ullrich gelassen entgegen: "Der Beste soll Kapitän sein. Das kristallisiert sich während der Tour heraus. Damit habe ich kein Problem, und Wino hat es auch nicht. Wir sind Freunde." Ullrich glaubt zudem nicht, dass Winokurow 2004 auf den Tour-Sieg spekuliere und stellt eine mögliche Abmachung in den Raum: "Für ihn gibt es viele andere Rennen. Ich sage aus Spaß: Du hilfst mir bei der Tour, ich helfe dir bei Olympia."

Armstrong wie Rocky


Seinem großen Rivalen Lance Armstrong, dessen sechsten Sieg in Folge bei der Frankreich-Rundfahrt er verhindern will, traut Ullrich unterdessen ungewöhnliche Motivationsmethoden zu. "Ich glaube schon, dass er sich als Texaner so motiviert, wie man es in Rocky-Filmen sieht. Dass er sich seinen Gegner vor den Spiegel hängt und jeden Tag sagt: Dich gilt es zu bezwingen." Ullrich selber motiviert sich anders. "Indem ich mir selber sage: Das schaffe ich jetzt, ich kann das. Ich spüre es im Körper, dass ich noch nicht ausgepowert bin. Dieses Jahr war ich ganz dicht dran. Ich weiß, ich schaffe es nochmal."



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.